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Aktuell Reutlingen

Gut ein Drittel liegt auf Eis

REUTLINGEN. Rund zwei Drittel der für dieses Jahr geplanten Investitionen im städtischen Haushalt sind angegangen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Nachdem die Oberbürgermeisterin angesichts der drohenden Haushaltslöcher im Juni die Notbremse gezogen hat und eine Haushaltssperre verordnete, liegt das letzte Drittel der Bauvorhaben derzeit auf Eis. Und da werden sie bis zur Entscheidung über den Nachtragshaushalt auch liegen bleiben - einzig über das neue Feuerwehrhaus in Sickenhausen wird noch im Oktober beraten.

An die fünf Millionen Euro Volumen haben die Baumaßnahmen, die zurückgestellt wurden. Ausgenommen waren bekanntlich bereits begonnene Projekte und auch diejenigen, die aus dem Konjunkturprogramm II gefördert werden. Alles andere wurde zurückgestellt. Dazu gehören auch Vorhaben, die bereits im Etat für 2008 eingeplant waren, jedoch noch nicht angegangen wurden. Beispiele: der Kreisverkehr am Ortseingang Rommelsbach oder das Industriemuseum. Hinzu kommt, dass viele der »eingefrorenen« Projekte auch im Haushalt für 2010 enthalten sind, der derzeit noch vollkommen ungesichert ist.

Eichendorff-Schule muss warten

Zurückgestellt wurde beispielsweise der vierte Bauabschnitt der Eichendorff-Realschule, der Ausbau des Dachgeschosses der ehemaligen Frauenarbeitsschule mit 700 000 Euro. Auch der An- und Neubau für die Kleinkinderbetreuung im Kindergarten Dirnäckerweg in Ohmenhausen und die Mensa für die Mörike-Schule, die beide in diesem Jahr mit 300 000 Euro etatisiert sind, müssen noch einmal warten.

Weitere größere Vorhaben, die vorerst warten müssen: Betonsanierung Rathaus und erster Abschnitt Bürgerpark (jeweils 250 000 Euro), Ausbau der Eberhardstraße (245 000 Euro), Straßenneugestaltung Tübinger Vorstadt und Industriemuseum (jeweils 200 000 Euro), Rückbau der Brücke am Echazkanal/Albstraße (180 000 Euro), Neugestaltung der Unterführung am Westbahnhof und Ausbau des Dachgeschosses des Kepler-Gymnasiums zur Mediothek (jeweils 150 000 Euro), Umbau des Kindergartens an der Brucknerstraße für die Kleinkinderbetreuung (140 000 Euro), Umsetzung des Pflegekonzepts für die Pomologie (125 000 Euro), neuer Einsatzleitrechner für die Feuerwache (130 000 Euro) sowie die Sanierung der Turn- und Festhalle in Rommelsbach und der Stege am Tübinger Tor (jeweils 100 000 Euro).

Zitterpartie in Sickenhausen

In Sickenhausen hält die Zitterpartie um den Feuerwehrneubau an - zumindest bis zum 22. Oktober. Denn da hat der Gemeinderat zu entscheiden, ob das Projekt noch in diesem Jahr angepackt oder weiter auf die lange Bank geschoben wird.

Der Spatenstich für den insbesondere von der Freiwilligenabteilung heiß ersehnten Neubau im Gewerbegebiet Langer Morgen hätte schon im Juli sein sollen - doch die Haushaltssperre machte den Sickenhäusern einen Strich durch die Rechnung. Die Planung war längst fertig, die Ausschreibung so gut wie abgeschlossen. Im September 2010 hätte das Feuerwehrdomizil bezogen werden sollen.

Jetzt hoffen die Feuerwehrleute auf ein Einsehen des Gemeinderats. Ersatz fürs bisherige, 52 Jahre alte Magazin ist dringend erforderlich: Der garagenartige Bau ist vom modernen Standard Lichtjahre entfernt. Die heutige Generation von Löschfahrzeugen passt nicht mehr rein, dazu kommt die Baufälligkeit des Gebäudes. Damit nicht genug der Unzulänglichkeiten: Der »Gruppenraum« der Feuerwehrmänner und -frauen ist im benachbarten Rathaus, Übungsveranstaltungen sind deshalb gar nicht machbar.

Viele Gründe für den Neubau also. Dringlich wird es aber wegen des Landeszuschusses von 15 Prozent, den es für das 650 000 Euro teure Projekt gibt und der zu verfallen droht, wenn nicht in diesem Jahr mit dem Bau begonnen wird. Schon zwei Mal wurde die Frist verlängert, ein drittes Mal dürfte das nicht funktionieren. Das weiß auch der Gemeinderat. (GEA)