METZINGEN. Die Neckar-Alb-Bahn von Plochingen über Metzingen und Reutlingen nach Tübingen ist in einem überdurchschnittlich schlechten Zustand. Das hat eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel (Grüne) aus dem Wahlkreis Nürtingen ergeben. Gastel lebt in Filderstadt und ist Mitglied im Ausschuss für Verkehr des Bundestags und Obmann für Bahnpolitik und Güterverkehr und Logistik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen. Er hat eine Anfrage ans Bundesverkehrsministerium gestellt und erfahren, dass dieses die Strecke insgesamt mit der Schulnote 3,4 bewertet. Der bundesweite Durchschnitt aller Strecken der DB hat die Note 3,0.
Gastel sieht einen Zusammenhang zwischen dem schlechten Zustand der Infrastruktur und der nicht zufriedenstellenden Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Züge auf der Neckar-Alb-Bahn. »Gerade der Teil der Infrastruktur, der immer wieder für Störungen und damit verbundene Verspätungen sorgt, befindet sich in keinem akzeptablen Zustand. Es muss entschlossener und schneller saniert beziehungsweise erneuert werden«, fordert der Bahnpolitiker und betont, dass die Bundespolitik die Gelder dafür aufgestockt habe. Den Handlungsbedarf sieht Gastel vor allem hier: »Insbesondere die Oberleitung braucht wohl eine grundlegende Sanierung. Die Leit- und Sicherungstechnik wird aufgrund der Regionalstadtbahn Neckar-Alb in Tübingen und Metzingen erneuert. Damit könnte sich deren Zustand etwas verbessern.«
Oberleitung in schlechtem Zustand
Aus dem Antwortschreiben des Verkehrsministeriums, das der Redaktion vorliegt, geht hervor, dass der Zustand der Oberleitung mit der Schulnote 4,7 schlecht ist. Die Gleise und die Leit- und Sicherungstechnik sind mit 3,8 und 3,6 in einem mittelmäßigen Zustand. Weichen, Brücken und Bahnübergänge sind mit den Noten 2,7, 2,5 und 2,8 in einem guten Zustand. Die Stützwände sind mit 1,9 am besten, nämlich in einem neuwertigem Zustand. Alle Zahlen stammen nicht vom Ministerium selbst, sondern von der DB InfraGo AG, der Nachfolgerin der DB Netz AG.
Matthias Gastel leitet aus der Bewertung einen Handlungsbedarf ab: »Der teils schlechte Zustand der Infrastruktur macht Bauarbeiten zwingend erforderlich. Ziel muss aber sein, dass Baumaßnahmen stärker gebündelt werden - für mehrere Gewerke und auf den Abschnitten der Gesamtstrecke. Das Ziel muss sein, die Streckenverfügbarkeit auf dem Weg zu einem besseren Infrastruktur-Zustand bestmöglich aufrechtzuerhalten.« Gastel kritisiert die bisherigen häufigen Sperrungen der Neckar-Alb-Bahn als zu wenig koordiniert: »Gerade auf der Neckartalbahn zwischen Plochingen und Tübingen ist immer wieder festzustellen, dass Bauaktivitäten nicht gut aufeinander abgestimmt werden. Zudem wird zu viel Klein-Klein gemacht statt mal längere Streckenabschnitte in Ordnung zu bringen.« Das Verkehrsministerium hat eine Übersicht zusammengestellt, nach der 2022 und 2023 die Strecke insgesamt zwölf Mal gesperrt war - teils komplett, teils ein Gleis und zeitlich teils nur nachts oder aber über Wochen am Stück. (GEA)

