Im Geschäftsjahr 2008 habe die Walter-Gruppe gut abgeschnitten, berichtete Witteczek. Der Auftragseingang sei auf 580 Millionen Euro gestiegen - nach 539 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz sei von 530 Millionen auf 550 Millionen Euro gewachsen. Die Ertragslage sei 2008 »sehr gut« gewesen, sagte der Walter-Chef auf Nachfrage. Zahlen zum Gewinn veröffentlicht Walter allerdings derzeit nicht.
Seit Mitte 2008 habe sich Walter auf eine schwierige Phase eingestellt, so der Vorstandsvorsitzende. Im September 2008 sei der Markt dann tatsächlich eingebrochen. »Der Dezember und der Januar waren dann extrem schlecht.« Daher ließ Walter Überstunden, Urlaub und Lagerbestände abbauen, verlängerte befristete Arbeitsverträge nicht, verzichtete auf die Teilnahme an Messen, führte Kurzarbeit in Tübingen und Münsingen ein. Witteczek: »Wir sparen in diesem Jahr 80 Millionen Euro an Kosten ein. Dadurch kommen wir wohl mit einem blauen Auge durch die Rezession.«
Milliarden-Ziel verschoben
Allerdings sei es durch den Rückschlag nicht mehr möglich, das früher geäußerte Ziel, einen Milliarden-Umsatz im Jahre 2010, zu erreichen. »Wir gehen davon aus, dass wir das erst 2013 oder 2014 schaffen. Wir halten aber an diesem Ziel fest.« Eine definitive Verbesserung der Auftragslage sieht der Manager aktuell noch nicht, doch die Talsohle sei wohl erreicht. »Wir planen keine Kündigungen, sollte der Markt nicht noch schlechter werden«, sagte er. In der Walter-Gruppe sind derzeit nach Angaben von Personalchef Peter Boesl etwa 2 600 (Vorjahr: 2 800) Personen tätig, davon 550 (Vorjahr: 650) in Tübingen und 450 (Vorjahr: 500) in Münsingen.Mit der Integration des US-Unternehmens Valenite in die Walter-Gruppe machen die Tübinger einen Umsatz-Sprung von über 50 Millionen Euro. Die 1943 gegründete Firma mit der Technologiemarke Modco hat nach Angaben von Walter 350 Mitarbeiter, vor allem in den USA, Kanada und Mexiko. Valenite hat demnach vor allem Stärken in der Drehbearbeitung von Metallen. »Durch das kombinierte Werkzeugprogramm vergrößern wir einerseits unsere Marktposition in Nordamerika und andererseits auch unsere weltweite Position in der Automobilindustrie«, stellte Witteczek fest. Bislang mache der Nordamerika-Umsatz von Walter 8 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Mit der Neuerwerbung komme man auf 17 Prozent. Neben der Automobilbranche zählten die Medizintechnik, die Windenergie- sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie zu den Zielgruppen von Valenite. Zum Kaufpreis für Valenite wollte Witteczek nichts sagen.
»Wir haben etwas entwickelt, was den bestehenden Tiger um Längen schlagen wird«, kündigte Walter-Vorstandsmitglied Andreas Evertz eine neue Werkzeug-Generation als Nachfolger der bisherigen »Tiger-Tec-Linie« an. Was sich etwa 20 Fachjournalisten und ein echter Tiger im Käfig am Montag genau anschauten, soll von November an auf den Markt kommen. Die 1919 gegründete Walter AG entwickelt, produziert und vertreibt Werkzeuge zum Bohren, Fräsen, Drehen und Gewindeschneiden. Walter hat weltweit 34 Niederlassungen und Produktionsstätten in Deutschland, Frankreich, in den USA, China und Brasilien.
Witteczek teilte mit, dass Evertz von Oktober an stellvertretender Vorstandsvorsitzender sein werde. Diplomingenieur Evertz, Jahrgang 1969, war Geschäftsführer der Flender Tübingen GmbH, ehe er 2008 zu Walter wechselte. Derzeit besteht der Walter-Vorstand aus vier Mitgliedern. Vorsitzender Witteczek, im Juni 65 geworden, denkt noch nicht an den Ruhestand: »Mein Ziel ist es, das Unternehmen in einer guten Zeit und in einer guten Position zu übergeben.« (GEA)
