REUTLINGEN. Während die Zahl der Arbeitslosen in den Jahren vor der Corona-Pandemie in Richtung der Zwei-Millionen-Marke schrumpfte, entwickelt sie sich nun zunehmend in Richtung von drei Millionen. Die Arbeitskräftenachfrage ging zuletzt zurück. Dennoch beklagen manche Unternehmen Fachkräftemangel. Zugleich steigt aber auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen, also der Personen, die ein Jahr oder länger ohne Job sind.
Die Entwicklungen haben sicherlich zum einen mit der anhaltend schwachen Konjunktur zu tun. Namhafte Unternehmen haben bereits nennenswert Arbeitsplätze gestrichen. Zum anderen spielt die Zuwanderung für die Lage eine wichtige Rolle. Über 60 Prozent der ausländischen Arbeitslosen suchen eine Helferstelle. Es gibt indes einen Strukturwandel zu qualifizierten Tätigkeiten. Bundeskanzler Olaf Scholz deutet den höchsten Beschäftigungsstand in Deutschlands Geschichte als vollen Erfolg der Ampel-Koalition. Doch die Menschen, die eine Arbeit suchen, die Firmen, die eine Stelle nicht besetzen können, und die Beitragszahler, die eine höhere Arbeitslosigkeit finanzieren müssen, stellt diese Aussage nicht zufrieden.
Die Politik sollte Hemmnisse beseitigen, die Beschäftigung verhindern. Es gilt, Bürokratie abzubauen, Energie billiger zu machen, Innovationen zu fördern, Steuern zu senken und im einen oder anderen Fall von den Menschen mehr zu fordern, als sie lediglich zu fördern. Mehr Verlässlichkeit von staatlichen Rahmenbedingungen als zuletzt würde Entscheidungen zu Einstellungen auch begünstigen. Um von einem »vollen Erfolg« zu sprechen, hat die Bundesregierung daher noch viel Arbeit vor sich.

