Logo
Aktuell Konjunktur

IHK Reutlingen: Mehr Zuversicht in der regionalen Wirtschaft

Lage und Aussichten der heimischen Wirtschaft sind zu Jahresbeginn verbessert. Dies geht aus der neuesten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Reutlingen hervor.

Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp und Antonia Hettinger, Leiterin Volkswirtschaft, von der IHK Reutlingen. FOTO: PIETH
Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp und Antonia Hettinger, Leiterin Volkswirtschaft, von der IHK Reutlingen. Foto: Frank Pieth
Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp und Antonia Hettinger, Leiterin Volkswirtschaft, von der IHK Reutlingen.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. Lage und Aussichten der heimischen Wirtschaft sind zu Jahresbeginn verbessert. Dies zeigt die jüngste Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen. Der regionale Konjunkturklimaindex steigt demnach auf 115 Punkte und klettert damit über die psychologisch wichtige 100-Punkte-Linie. Über 100 Punkten gibt es insgesamt mehr Optimisten als Pessimisten unter den befragten Unternehmen. Bei der Umfrage im Herbst 2022 lag der Klimaindex noch bei 95 Punkten.

Ihre aktuelle Lage bezeichnen 43 Prozent der Firmen als »gut« (Herbst: 38), 48 nennen sie »befriedigend« (Herbst: 53). Eine Stimmungsaufhellung zeigt sich bei den Aussichten für die kommenden zwölf Monate: 25 Prozent erwarten bessere Geschäfte, 27 schlechtere. Zum Vergleich: Im Herbst 2022 sahen nur 13 Prozent bessere und 43 schlechtere Geschäfte kommen.

»Die Betriebe sind in Summe wieder zuversichtlicher. Das ist ein wichtiges Signal für das neue Jahr«, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp. Gleichzeitig bestünden zahlreiche Unwägbarkeiten für die Weltwirtschaft – vom russischen Angriffskrieg auf die Ukraine über die Entwicklung in China bis hin zu den nach wie vor fragilen Lieferketten. »Alle diese Themen haben großen Einfluss und können die Situation wieder wenden«, mahnt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen erneuert Epp die Forderung von Kommunen und Wirtschaft im Land nach einem Zukunftskonvent für Baden-Württemberg. »Wir brauchen einen grundlegenden Reformprozess. Bei Bürokratieabbau und Digitalisierung kommen wir trotz vieler Ankündigungen kaum von der Stelle. Dabei benötigen wir dringender denn je einen leistungsfähigen und zügig handelnden Staat.« Ein Bündnis aus Kommunen und Wirtschaft hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Herbst in einem gemeinsamen Schreiben aufgerufen, einen Zukunftskonvent einzuberufen.

In der Industrie legen in der IHK-Umfrage vor allem die Erwartungen zu: 29 Prozent der Firmen sind optimistisch. Dieser Wert hat sich gegenüber dem Herbst mehr als verdoppelt (12 Prozent). Das Baugewerbe kann das hohe konjunkturelle Niveau der vergangenen Jahre nicht mehr halten. Fast jedes zweite Bauunternehmen (48 Prozent) erwartet schlechtere Geschäfte. Die gleiche Zahl erwartet keine Veränderung. Noch im Herbst 2021 hatte die Mehrheit der Betriebe rund um den Bau von exzellenten Geschäften berichtet. »Wir müssen jetzt nur aufpassen, dass die Baubranche bei der Finanzierung nicht abgehängt wird. Die Nachfrage wird in dieser Branche wieder anziehen«, stellt Epp fest.

Im Einzelhandel hat sich die Situation leicht verbessert. 49 Prozent der Betriebe vermelden gute Geschäfte. Dem stehen allerdings auch 17 Prozent gegenüber, die über eine schlechte Situation klagen, so viele wie in keiner anderen Branche. Aufwärts geht es ebenfalls im Gastgewerbe. Zwar bezeichnet nur ein Viertel (25 Prozent) die aktuelle Lage als »gut«, im Ausblick zeigt sich jedoch eine verbesserte Grundstimmung: Rechneten noch im Herbst zwei Drittel mit einem Geschäftseinbruch, gleichen sich derzeit Optimisten und Pessimisten mit jeweils 20 Prozent im Gastgewerbe aus. »Beide Branchen haben sehr schwere Zeiten hinter sich, fassen aber langsam wieder Fuß«, sagt Antonia Hettinger, Leiterin Volkswirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik bei der IHK.

Dass die Zuversicht tragfähig sein kann, stützen die Zahlen aus Großhandel und Dienstleistungsbranchen. Der Großhandel legt vor allem bei den Erwartungen zu (24 Prozent »besser« gegenüber 9 Prozent im Herbst). Bei den Dienstleistern steigen die Erwartungen auf 31 Prozent »besser« (Herbst: 19 Prozent). »Gerade der Großhandel ist ein Frühindikator der Konjunktur. Läuft es im Geschäft zwischen Unternehmen, überträgt sich der Schwung regelmäßig auf andere Branchen. Am Ende profitieren auch Einzelhandel und Gastgewerbe«, erläutert Hettinger.

Risiko Energiepreise

Bei den Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung stehen laut IHK-Umfrage die Energie- und Rohstoffpreise mit 73 Prozent auf Rang eins. Im Herbst waren es noch 84 Prozent. Dahinter folgen der Fachkräftemangel (62 Prozent) und die Inlandsnachfrage (50 Prozent). Den hohen Energiepreisen begegnen 73 Prozent der befragten Unternehmen mit Energiesparen, 50 Prozent können die Preise an ihre Kunden weitergeben und 42 Prozent investieren in Energieeffizienz.

Die IHK-Konjunkturumfrage findet drei Mal im Jahr statt. An der aktuellen Umfrage hat sich eine repräsentative Auswahl von 388 Unternehmen der Region aus den Bereichen Industrie und Bau (171), Groß- und Einzelhandel (92) sowie dem Dienstleistungssektor (125), darunter Betriebe aus dem Hotel- und Gaststätten- sowie dem Kredit- und Versicherungsgewerbe beteiligt. Die Umfrage lief vom 2. bis zum 23. Januar. (GEA)

www.ihkrt.de/konjunktur  

07121201256

hettinger@reutlingen.ihk.de