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Aktuell Bürgerentscheid

Pfronstetten sagt Nein zur Windkraft auf Flächen der Gemeinde

Mit 53,1 Prozent stimmen die Wahlberechtigten knapp gegen die Verpachtung kommunaler Flächen.

Hohe Wahlbeteiligung, großes Interesse: Viele Pfronstetter waren live dabei, als Bürgermeister Reinhold Teufel das Ergebnis des
Hohe Wahlbeteiligung, großes Interesse: Viele Pfronstetter waren live dabei, als Bürgermeister Reinhold Teufel das Ergebnis des Bürgerentscheids am Sonntagabend vorm Rathaus verkündete. Foto: Marion Schrade
Hohe Wahlbeteiligung, großes Interesse: Viele Pfronstetter waren live dabei, als Bürgermeister Reinhold Teufel das Ergebnis des Bürgerentscheids am Sonntagabend vorm Rathaus verkündete.
Foto: Marion Schrade

PFRONSTETTEN. Das war knapp, kaum mehr als fifty-fifty: Beim Bürgerentscheid in Pfronstetten stimmten am Sonntag 53,1 Prozent mit »Nein« und 46,9 Prozent derer, die zur Wahl gingen, mit »Ja«. Das heißt konkret: Die Gemeinde wird nach dem Willen der Bürger keine Flächen an die Firma wynkraft verpachten, die im Nordwesten der Gemeinde einen Windpark mit bis zu 16 Anlagen plant. Planen darf wynkraft von nun an also ausschließlich mit den Flächen des Landesforsts, die sie bereits sicher hat.

Die Wahlbeteiligung – in Pfronstetten ist sie übrigens traditionell überdurchschnittlich hoch – war mit 71,2 Prozent sensationell, von 1.266 Stimmberechtigten gingen 902 zur Wahl. Das zeigt ganz klar: Das Thema Windkraft grundsätzlich und die Standortfrage insbesondere interessiert die Menschen in allen sechs Ortsteilen. Absolut bemerkenswert ist auch, wie friedlich bei allen Meinungsverschiedenheiten über die Sache diskutiert wurde. In diesem Punkt waren sich alle einig – das betonten Bürgermeister und Gemeinderäte genauso wie Vertreter der »Gegenwind«-Bürgerinitiativen, die in gleich drei Teilorten aktiv waren und sind: Pfronstetten, Geisingen und Aichelau. Nach der Verkündigung des Ergebnisses saß man vorm Narrenheim neben dem Rathaus noch auf ein Bier zusammen, von Feindseligkeit war nichts zu spüren.

»Wir haben jetzt ein Wahlergebnis, das zeigt, was der Bürger möchte«

Bürgermeister Reinhold Teufel wertete das Ergebnis als »demokratische Entscheidung in nicht einfacher Sache« und betonte, vor allem in Richtung der Bürgerinitiativen: »Wir sind inhaltlich zwar völlig unterschiedlicher Meinung, aber das Miteinander war immer gut, ich habe mit zu keinem Zeitpunkt angegriffen gefühlt.«

Die nicht einfache Entscheidung auf ein breites Fundament zu stellen: Darum ging es im Bürgerbegehren, das der Gemeinderat, nachdem eine Gruppe von Bürger das Verfahren angestoßen hatte, relativ schnell und dankbar auch zum Ratsbegehren und zu seiner Sache gemacht hatte. Zur Erinnerung: Das Gremium hatte das Thema Verpachtung zuerst auf dem Tisch, genauso viele Räte stimmten dafür wie dagegen – das heißt, auch wenn’s nicht gerade nach einer eindeutigen Entscheidung aussieht, im Kommunalrecht: abgelehnt.

Am Tisch der Räte vorm Narrenheim war vor allem Erleichterung zu spüren: »Wir haben jetzt ein Wahlergebnis, das uns zeigt, was der Bürger möchte«, sagte Karlheinz Schultes. Man sei froh, dass die Entscheidungsfindung nun vom Tisch sei, »wir können uns jetzt wieder auf andere Sachen konzentrieren«. Nicole Frasch betonte: »Ich wünsche mir, dass die demokratische Entscheidung auch in der Bürgerschaft als solche akzeptiert wird – jeder hat für sein Gewissen richtig abgestimmt, das gilt es hinzunehmen.« Karlheinz Schultes lobte die Diskussionskultur der Pfronstetter Bürger: »Man hat gemerkt, dass das Thema die Leute beschäftigt, zum Teil auch spaltet, aber der Umgang ist immer fair geblieben.«

Das war auch den »Gegenwind«-Gruppen wichtig, deren Engagement im Vorfeld des Bürgerentscheids wohl auch ihren Teil zur hohen Wahlbeteiligung beigetragen hat: Mit Flyern und Veranstaltung haben die Windkraft-Gegner beharrlich für ihre Position geworben. »Das Ergebnis ist knapp, aber für uns super«, freute sich Thomas Wagner von der Pfronstetter »Gegenwind«-Bürgerinitiative. Eine Prognose habe niemand gewagt, »ich selbst auch nicht«.

Das Nein zur Verpachtung kommunaler Grundstücke schränke die Möglichkeiten der Projektierer ein, schilderte Wagner die Konsequenzen des Entscheids aus seiner Sicht und die damit verbundene Hoffnung der Gegner: Es werden am Ende zumindest weniger als die von wynkraft geplanten 16 Anlagen gebaut. Der Deal zwischen wynkraft und Forst BW steht zwar, aber: Theoretisch könnte der eine oder andere Standort im Landesforst-Fläche im Laufe des Genehmigungsverfahren noch an einem der zahlreichen Kriterien scheitern. Die von wynkraft gewünschten Ausweichmöglichkeiten auf kommunales Terrain haben die Bürger mit ihrem Votum zerschlagen.

Windkraft ist kein neues Thema in Pfronstetten. Als die Energiewende spruchreif und der politische Druck größer wurde, war von Anfang an klar: Pfronstetten könnte als Standort hochinteressant werden – verbunden mit allen wirtschaftlichen Interessen, aber auch Ängsten vor »Umzingelung« und eingeschränkter Lebensqualität. Die Wurzeln der Bürgerinitiativen reichen rund zehn Jahre zurück, über das Für und Wider von Windkraft wird in der Alb-Gemeinde schon länger und intensiver diskutiert als anderswo – einfach deshalb, weil das Thema hier schon lange wesentlich konkreter ist als anderswo.

»Das Thema spaltet, aber der Umgang ist immer fair geblieben«

Das lässt sich auch den Ergebnissen in den einzelnen Ortsteilen ablesen (abrufbar sind sie im Detail auf der Homepage der Gemeinde). Geisingen bezeichnet Teufel als »Keimzelle der Bürgerinitiativen«, mit 83,9 Prozent war die Wahlbeteiligung hier so hoch wie sonst nirgends. Auch das Ergebnis war eindeutig: Nur ein Drittel der Geisinger sagte Ja zur Verpachtung – weniger Zustimmung gab’s sonst nirgends. Ziemlich eindeutig war auch das Nein aus Pfronstetten: 89 Menschen stimmten für, 133 gegen die Verpachtung. Wäre es hingegen nach den Aichstettern, Aichelauern und Huldstettern gegangen, dürfte die Gemeinde wynkraft ihre Flächen überlassen. Auch den Segen der Tigerfelder hätte die Verwaltung mit 56 Ja- zu 38-Nein-Stimmen – und das, »obwohl kein Teilort näher an den Anlagen dran ist«, so Reinhold Teufel. Am wenigsten interessiert das Thema offenbar in Huldstetten: Hier war die Wahlbeteiligung mit 52,1 Prozent mit Abstand am niedrigsten.

Einen ganz ähnlichen Bürgerentscheid gab’s übrigens vor zehn Monaten schon mal auf der Alb. Im Juni 2023 wurden die Engstinger nach ihrer Position zur Verpachtung kommunaler Flächen gefragt. Das Ergebnis war anders und sehr klar: 69,42 Prozent sprachen sich für einen Windpark auf gemeindeeigenen Flächen aus. Die Wahlbeteiligung war mit 49,83 Prozent deutlich niedriger als in Pfronstetten. (GEA)

Ergebnis des Bürgerentscheids