Dieses besondere Biosphärengebiet, das die Unesco deshalb mit ihrem Prädikat geadelt hat, weil hier Ballungszentren und ländliche Räume dicht bei dicht liegen, soll sich nachhaltig entwickeln. Für die und mit den hier lebenden Menschen. Es geht um den Schutz der Ressourcen, um eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung, die soziokulturell und ökologisch nachhaltig ist, heißt es in der Sevilla-Strategie, dem 1995 überarbeiteten Konzept für die Biosphärenreservate der Welt. In dem wird auch die Umweltbildung und -ausbildung dezidiert genannt. Ein Punkt, der für Petra Bernert - sie ist die Leiterin der Biosphärengebietsverwaltung - Priorität hat. »Wissensvermittlung ist die Basis für alle Richtungen der Nachhaltigkeit.«
Modellregion gestalten
Bildung für nachhaltige Entwicklung ist deshalb einer der acht Arbeitskreise überschrieben, die sich auf den Weg machen, der Modellregion ein Rahmenkonzept zu erarbeiten. »Die Themen sind von der Unesco vorgegeben«, betont Bernert. Mit Inhalten werden sie von den Mitarbeitern gefüllt, 200 Personen wurden angesprochen, dem Verwaltungsfachwissen Praxiskompetenz zur Seite gestellt. Natürlich geht es um Tourismus, Wald und Forstwirtschaft, kommunale Entwicklung, Klima- und Umweltschutz, Landwirtschaft und regionale Produkte, Naturschutz, schließlich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Ergebnisse ebenso wie Strategien zur Umsetzung müssen kommuniziert werden.Gut aufgestellt sei bereits die Landwirtschaft mit ihren regionalen Wertschöpfungsketten. Zehn Jahre Regionalförderung durch das Plenum-Förderprogramm zeigen allmählich Wirkung. Noch fehle allerdings die Marke, die alles vernetzt. »Dafür braucht es Geld und Kraft«, betont die Biologin die Notwendigkeit, fürs Marketing Profis einzuschalten. Mit ihrem Team hat sie in den folgenden 18 Monaten 70 Veranstaltungen zu stemmen.
Klar sei das Biosphärengebiet nicht nur Tourismus und Essen. »Aber davon geht ganz viel aus.« Zumal viele Gemeinden in dieser Region vom Tourismus leben. »Wir haben mehr gute Luft und schöne Landschaft als andere je hatten. Also müssen wir schauen, dass das so bleibt. Auch das ist Nachhaltigkeit.« Das Modell Biosphärenhotel, als Partnerbetrieb des Biosphärengebiets nach Umweltmanagementnorm zertifiziert und bestimmten Kriterien unterworfen, soll Schule machen. Bernert: »Da sind wir schon stark unterwegs.«
Die Arbeitskreise werden sich nach den Vorgaben einer Stärken-Schwächen-Analyse der Modellregion und den Erfahrungen älterer Biosphärengebiete auf Schwerpunkte konzentrieren müssen. »Wir müssen uns Ziele geben, sagen, was wollen wir anpacken, wo können wir in unserem Biosphärengebiet erfolgreich sein.« Die Gebietsleiterin will aber den Kontakt zu den kleinen und mittelständischen Unternehmen suchen. »Nicht als Arbeitskreis, eher als Podiumsdiskussion oder Kamingespräch.« Dabei geht es um die unternehmerische Gesellschaftsverantwortung als freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung. Bernert: »Etwa wenn Betriebe etwas für das soziale Miteinander tun, sich nach Umweltmanagementnorm zertifizieren lassen oder sich vernetzen, um den Austausch zu pflegen.« »Es wird spannend, auch wie priorisiert und schließlich mit politischer Unterstützung umgesetzt wird«, bekennt Bernert, die seit der Gebietsgründung 2008 auf dem Weg ist, den Nachhaltigkeitsgedanken in den Köpfen zu verankern. »Das ist, wie dicke Bretter bohren. Irgendwann ist man durch.« (GEA)
Woche der Nachhaltigkeit
Klimawandel und Ressourcenknappheit haben eine Debatte angestoßen. Deutschland braucht eine nachhaltige Entwicklung. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sollen zukunftsfähig werden, was in dieser Woche bei einem Forum über Nachhaltigkeitsstrategien in Stuttgart diskutiert wird.Gesellschaftliche Verantwortung wird ebenso im 2008 gegründeten Unesco-Biosphärengebiet Schwäbische Alb übernommen. In der Modellregion für eine nachhaltige Entwicklung arbeiten 200 Akteure an Strategien, wie soziale Nachhaltigkeit gleichberechtigt mit ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit funktionieren kann.
In der Nachhaltigkeitswoche stellt der GEA verschiedene Aspekte des Zukunftsthemas vor. (GEA)

