ENINGEN. »Wer wirft denn Draht in den Bach?«, wunderte sich Jona Sontheimer von den »Waldwichteln«. Die Mädchen und Jungen waren eine von vielen Gruppen, die am Samstagmorgen bei der Eninger Markungsputzete den Müll aufsammelten, den Zeitgenossen hinterlassen hatten. Organisatoren waren das Hauptamt, der Bauhof und die Feuerwehr. Das Wetter spielte glücklicherweise mit.
Um 9 Uhr trafen sich alle Ehrenamtlichen am Feuerwehrhaus, wo Anke Arnold, Sachgebietsleiterin im Ordnungsamt, Zangen und die traditionell von der Eninger Firma Schenk gespendeten Handschuhe und Müllsäcke verteilte. 2019 hatte zum letzten Mal eine große Putzete stattgefunden. In den Coronajahren 2020/21, so berichtete Bauhofleiter Jens Herold, habe man nur familienweise Müll sammeln dürfen. »Aber auch da hatten wir jedes Mal rund 150 Teilnehmende.« Künftig soll vom Zweijahresrhythmus abgerückt und jedes Jahr gesammelt werden.
In ganz Eningen unterwegs
Heuer waren rund 155 Angemeldete und etliche spontane Helferinnen und Helfer da und konnten kaum erwarten, dass es losging. Der Eninger Jagdverein beispielsweise säuberte mit zwölf Leuten am Rangenberg, an der Schönen Aussicht, dem Lindenplatz und am Oberen Markweg. »Letztes Mal waren wir auf der Eninger Weide und haben einen ganzen Haufen Matratzen und Reifen gefunden, die jemand einfach den Abhang hinunter entsorgt hatte«, erinnerten sich die Mitglieder. Die DLRG zog es zum Wasser, sie sammelte am Freibad und an den Bächen. Der TSV hatte sich den Sportplatz und die Arbachtalquelle ausgesucht, die Waldgeister waren am HAP Grieshaber Weg fleißig, das DRK am alten Bahndamm. Auch zahlreiche Mitglieder des Gemeinderats machten mit. »Wir sammeln interfraktionell«, meinte Rebecca Hummel. »Dem Müll ist es egal, wer ihn aufsammelt.« Das bürgerschaftliche Engagement und das Gemeinschaftserlebnis betonten auch Bürgermeisterkandidat Eric Sindek sowie Bauhofleiter Jens Herold.
»Wir sind ganz arg dankbar, dass der Dreck entfernt wird«, sagte der Bauhofleiter. »Aber es ergibt sich auch ein gewisser Zusammenhalt, wenn man gemeinsam den Ort sauber macht.« Wer komme, nehme in der Regel sowieso am öffentlichen Leben teil und gestalte es mit. »Bei der Putzete lernt man sich kennen. Solche Aktionen zählen mehr als telefonieren oder schreiben.«
Die Waldwichtel hatten unter anderem den Krügerpark übernommen. Aus dem Leinsbach wurden Plastikfolie, Unterhosen, Socken und sogar Draht geklaubt. Darüber konnte Jona Sontheimer nur den Kopf schütteln. Er und viele andere Kinder suchten am Steilufer nach Müll, doch manchmal mussten auch Papas wie Joscha Sontheimer helfen. Er säuberte die Ufer, stellte sich dabei auch mitten in den Bach und reichte seinem Sohn den Müll hinauf. Der Unrat wanderte in einen von vielen blauen Säcken, die an vereinbarten Punkten vom Bauhof eingesammelt wurden. Besonders eklig bewertete man Hundekotbeutel, die achtlos in der Natur entsorgt wurden. An anderen Stellen konnte man sich aus den Bächen eine halbe Wohnungseinrichtung zusammenstellen. Gefunden wurden Stühle, ein großer Couchtisch, Bretter und ein Dreirad.
»Am Schradinbuckel haben wir Säcke und Eimer gefüllt, dass wir sie kaum tragen konnten«, berichtet Gemeinderat Ulrich Wüsteney. Glücklicherweise sei zufällig ein Bauhof-Lkw vorbeigekommen. »Eigentlich müsste man pro Becher fünf Euro Pfand nehmen«, wetterte Johann Jung. Bergeweise hatte er Coffee-to-go-Becher aufgelesen. Erfreuliches vermeldete Bürgermeisterkandidat Marcel Modschiedler vom Wanderweg um den Rangenberg. Der Weg sei sauber gewesen, doch sobald man in die Nähe einer Straße komme, häufe sich der Müll. Gefunden wurden Autoteile sowie aufgeplatzte Gelbe Säcke. Insgesamt, so Jens Herold, sei die Müllmenge deutlich geringer als vor vier Jahren, jedoch immer noch zu viel. »Es ist doch kein Problem, die Sachen ordnungsgemäß zu entsorgen!«, sagte er. Mittags war alles geschafft. Die Jugendfeuerwehr hatte für alle ein Vesper vorbereitet. (GEA)


