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Vom Leben und Sterben: Bilder von Xenia Muscat in der Reutlinger Pupille

In Zeichnungen hat Xenia Muscat Erkrankung und Tod eines geliebten Menschen dokumentiert. Die Serie ist Zentrum ihrer nun gestarteten Ausstellung »Von Anfang bis Ende« in der Reutlinger Pupille.

Xenia Muscat vor der Serie mit Zeichnungen ihres erkrankten Partners.
Xenia Muscat vor der Serie mit Zeichnungen ihres erkrankten Partners. Foto: Birgit Vey
Xenia Muscat vor der Serie mit Zeichnungen ihres erkrankten Partners.
Foto: Birgit Vey

REUTLINGEN. »Von Anfang bis Ende« taufte Xenia Muscat ihre Ausstellung, die am Sonntag in der Reutlinger Produzentengalerie Pupille eröffnet wurde. Verschiedene Facetten dazu hat sie bildnerisch festgehalten - etwa den Beginn und den tödlichen Verlauf einer Krankheit eines geliebten Menschen oder auch dessen Lebensweg. Neben Gemälden in Eitempera, Acryl und Aquarell sind in der Schau auch Zeichnungen zu sehen. Gut besucht war die Vernissage am Sonntag.

Ausstellungsinfo

Die Ausstellung »Von Anfang bis Ende« mit Zeichnungen und Malerei von Xenia Muscat ist bis 26. Mai in der Produzentengalerie Pupille, Peter-Rosegger-Straße 97, in Reutlingen zu sehen. Geöffnet ist Freitag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr. (GEA)
www.pupille-galerie.com

Empfangen werden die Gäste im ersten Raum von Gemälden. »Biedermeierstuhl« heißt eine Arbeit, »Nachtmeer« eine weitere. Viele Übermalungen, wie die Künstlerin erklärte, gingen dem Bild »Loreley« voraus, in dem sich aus einem grünen Streifen allmählich eine Bahnlinie herausschält. »Mein Partner und ich sind dort gewandert«, so die Künstlerin. Bestimmt wird die Arbeit von einem blauen Mittelpunkt, in dem schemenhaft zwei Figuren eingearbeitet sind. Ein Werk, in dem die Grenze zwischen Realem und Abstraktion verschwimmt: Solche Überschneidungen finden sich in fast allen gemalten Bildern.

Zeichnungen am Pflegebett

Zeichnungen sind Muscat aber lieber. »Da fühle ich mich sicherer«, sagt die ehemaligen Kunstlehrerin an einem Gymnasium. Zu Kugelschreiber und Buntstiften greift sie dann.

Die Serie »Es hat kein langer Schlaf dich je geweckt«, bestehend aus 25 Zeichnungen auf länglichen Leinwand-Streifen, bilden das Zentrum im Hauptraum. Abgebildet ist ihr Lebenspartner Jürgen, den die Künstlerin in ihrem Haus in Bad Urach vier Monate lang betreute. Lungenkrebs wurde bei ihm festgestellt. »Ich habe ihn gezeichnet, als ich neben ihm am Pflegebett saß.«

Eindringliche Momente

Die Nähe zu dem Mann, mit dem die Künstlerin 18 Jahre lang zusammenlebte, wird in den Arbeiten spürbar. Sichtbar wird aber auch, wie sie die verschiedenen Phasen des Schwer-erkrankt-Seins und allmählichen Sterbens miterlebte. Ein kraftlos ausstreckter Arm, ein in sich gekehrter Blick oder ein geöffneter Mund, der nach Luft ringt, bis hin zum leblosen Gesicht in der Leichenhalle, sind Augenblicke, die Muscat verkraften musste. Seelische Belastungen, bei denen die Künstlerin auf die Kraft des Künstlerischen setzte: »Das Zeichnen war ein Ausgleich«, sagt sie.

Diesen eindringlichen und intensiven Zeichnungen gegenübergestellt hat sie ein Arrangement mit Aquarellen und dem Gemälde »Kairos oder der günstige Augenblick«. Eine Sanduhr - ein Symbol für die ablaufende (Lebens)-Zeit - ist das zentrale Motiv der Bildes. Umrahmt ist es von Lebensstationen Jürgens, etwa seiner Geburt, dem Zehnjährigen mit seiner kleineren Schwester oder dem Kriegsdienstverweigerer. Das Verhältnis zwischen der Künstlerin und ihrem Partner spiegelt sich in den Gemälden »Frau« und »Mann«, die an der linken sowie rechten Seitenwand angebracht sind. »Das war eine Liebesbeziehung«, bekräftigt sie.

Skizzenbücher immer dabei

In vielen Arbeiten taucht Jürgen als Motiv auf. In manchen Werken wie etwa »Schwarze Narzissen« bildet die Künstlerin auch Florales ab. Und selbst Humor hat seinen Platz, wie der Titel »Po und Palette« beweist. Dazu kommen etwa 40 Skizzenbücher im DIN-A-6 Format, gefüllt mit filigranen, akkurat ausgeführten Zeichnungen. Eine andere Form des Anfangs und Endes geben sie wieder: die des Wartens. »Auf der Postbank oder bei langen Sitzungen habe ich die Bücher dabei«, erklärt sie. (GEA)