TÜBINGEN. Ein sprechendes Nilpferd, ein Trickfilm-Hund, der in einen Roboter verliebt ist, und der geplatzte Traum von der großen Revolution: Das Filmfestival Cinelatino hat vom 1. bis 8. Mai mehrere ungewöhnliche Geschichten auf Lager. Dafür gibt es weniger Filme als in den vergangenen Jahren, da das Festival aufgrund wegfallender Fördermittel und steigender Kosten sparen muss.
»Das Programm wird kompakter, und wir arbeiten sehr konzentriert mit den finanziellen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen«, betont Paolo Roberto de Carvalho, der sich vor 34 Jahren in Tübingen niederließ, wenig später im Club Voltaire die ersten brasilianischen Filmwochen ausrichtete und 1993 mit dem Cinelatino startete. Bei der 31. Ausgabe werden insgesamt 38 Filme gezeigt, davon 25 Lang- und 13 Kurzfilme aus neun Ländern. Auch im Reutlinger Kino Kamino wird ab 2. Mai jeden Tag mindestens ein Streifen laufen, und »alle Filme haben in Reutlingen deutsche Untertitel«, so die 30-jährige Co-Festivalleiterin Maria Vallecillos Soldado beim Pressegespräch. Zudem wird der »Open Festival Space« erstmals auf Reutlingen ausgeweitet.
Schwerpunkt Peru
Festivalgründer de Carvalho und María Vallecillos Soldado leiten das Festival zum zweiten Mal als Doppelspitze und setzen beide auf künstlerisch avanciertes Kino, auf lateinamerikanische Filme, »die im normalen Kino nicht gezeigt werden«, so Carvalho. Dieses Jahr bilden Produktionen aus Peru und speziell das Hochland und deren Bewohner den Schwerpunkt des Festivals. Peru ist ohne seine Anden-Bevölkerung, die auf über 3.000 Metern Höhe lebt, nicht denkbar, habe das Land doch mit 26 Prozent eine der größten indigenen Populationen innerhalb Lateinamerikas, erläuterte Maria Vallecillos Soldado.
Nicht verpassen sollte man auch den 2015 erstmals eingerichteten »Open Festival Space« vom 2. bis 4. Mai in der Tübinger Schmidtorstraße - mit einer Auswahl von kubanischen und mexikanischen Kurzfilmen, einer Ausstellung, Mezcal Tasting, Festivalparty sowie lateinamerikanischen Tapas und Getränken. Zum Themenfokus »Anden anders antreffen – Wandel im Hochland Perus« gibt es dort am Samstag, 4. Mai, um 17.30 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Filmemachern und Experten und zuvor um 13 Uhr eine Lesung mit der Autorin Elisabeth Weydt.
Erstmals steigt am 3. Mai ab 18 Uhr auch im Reutlinger Kulturzentrum franz.K ein Open Festival Space mit mexikanischen Kurzfilmen, der Salsaband Caballo Negro und einer After-Show-Party. Und was das Beste ist: Wie in Tübingen ist der Eintritt kostenlos. Insgesamt werden in Tübingen zwölf Gäste, darunter sieben Filmschaffende erwartet. Zwei davon kommen auch ins Reutlinger Kamino, und zwar am Montag, 6. Mai, 18 Uhr der peruanische Regisseur Rodrigo Otero Heraud, der seit 2021 in Nehren lebt und seinen Dokumentarfilm »Los ojos del camino«, eine poetisch-visuelle Liebeserklärung an die Gebirgskette der Andenregion, vorstellt. Am Dienstag, 7. Mai, 18 Uhr, führt die Regisseurin Petra Hoffmann in ihren Dokumentarfilm »Ein Traum von Revolution« ein, der davon berichtet, was aus den Wünschen und Träumen der westdeutschen Unterstützer für die sandinistische Revolution in Nicaragua während der 1970er-Jahre geworden ist.
Eröffnet wird das Festival am 1. Mai um 19.30 Uhr im Tübinger Kino Museum mit dem Oscar-nominierten Animationsfilm »Robot Dreams« von Pablo Berger. Der ganz ohne Dialoge auskommende Zeichentrickfilm spielt im New York der 1980er-Jahre und handelt von einem einsamen Hund, der sich einen Roboter baut, um einen Freund zu haben. Ein weiteres tierisches Highlight verspricht der Spielfilm »Pepe« von Nelson Carlos De Los Santos Arias. In dem bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichneten Streifen erzählt ein Nilpferd von seiner mit dem Tod endenden Reise von Afrika nach Kolumbien.
Geringeres Budget
Das Gesamtbudget des Festivals beträgt 80.000 Euro, das sind fast 40.000 Euro weniger als im vergangenen Jahr. Während die Unterstützung der Städte Tübingen (14.700 Euro) und Stuttgart (15.000 Euro) stabil blieben, sprangen andere Sponsoren wie die Baden-Württemberg Stiftung ab. (GEA)
Weitere Infos zum Programm unter https://filmtage-tuebingen.de/latino/


