KUSTERDINGEN. Wer vergessen hatte, wie musikalisch David Liske ist - er hat dies unter anderem in Nikolai Rimski-Korsakows Kammeroper »Mozart und Salieri« und in »Heartbreak Hotel« am Reutlinger Theater Die Tonne unter Beweis gestellt -, der konnte sich am Freitagabend bei einem Mozart-Abend im Kusterdinger Bürger- und Kulturhaus beim Klosterhof daran erinnern lassen. Gefordert war der aus Kusterdingen stammende Schauspieler an der Seite von Sopranistin Ulrike Härter und Liedpianistin Doriana Tchakarova aber vor allem auch als Sprecher, der Passagen aus Briefen Wolfgang Amadeus Mozarts an Familienmitglieder vortrug. Zum Konzert eingeladen hatte der Kusterdinger Arbeitskreis Kunst im Rathaus.
Härters lyrischer Koloratursopran zeigte hinreißende Facetten. Hatte man Liske mit den Worten Mozarts gerade noch von einer traurigen Geschichte, die ganz frisch sei, erzählen gehört - wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Darmwind, eine Flatulenz -, versetzte die Sängerin das Publikum mit der Rosenarie der Susanna aus »Le nozze di Figaro« in eine Welt der Sehnsucht und der Zärtlichkeit. Tchakarova lieferte ein Herzklopfen-Motiv und weitere Ausdeutungen des Textes auf dem Flügel dazu.
Millionenfache Küsse
»Ich küsse dich Millionen Mal«, hieß es in einem von Mozarts Briefen an sein »liebstes Weibchen«. Mit den Worten »Ach, ich liebte, war so glücklich« und »Trennung war mein banges Loos« legte Härter anschließend viel Herzblut und Dramatik in die Arie der Konstanze aus »Die Entführung aus dem Serail«. Die Koloraturen und die teils sehr hohe Lage bereiteten der Sopranistin keine Schwierigkeiten. Aus dem Klavier kamen teils tänzelnde Klänge, teils aufbrausende; und markante Akzente. Ein wunderbares, dem Ausdruck verpflichtetes Zusammenspiel. Das etwa auch in Mozarts »Der Zauberer« zu erleben war, einem schlicht und periodisch gehaltenen Lied, in dem die Sängerin und die Pianistin die intensiven Gefühle, die ein Mädchen für einen Zauberer hat, und die Gefahr, die von ihrer Beziehung ausgeht, eindrucksvoll ausgestalteten.
In »Ruhe sanft, mein holdes Leben«, der Arie der Zaide aus dem Singspiel-Fragment »Zaide«, wechselte die Stimmung zwischen Versonnenheit und Hinwendung. Große Intervallsprünge in der Singstimme gerieten bei Härter sehr organisch. Zweimal (in »Bei Männern, welche Liebe fühlen« und »Pa-pa-pa«) schlüpfte David Liske in die Rolle des Papageno aus der »Zauberflöte«, wobei er im Duett mit Ulrike Härter, die sich erst als Pamina, dann als Papagena neben ihm zeigte, gut harmonierte. Nicht zuletzt, weil er gesanglich stets eine klare Linie fand.
Gedanken zu Tod und Vergänglichkeit
Nach der Pause kehrten die beiden als Zerlina und Don Giovanni wieder. Ihr »Là ci darem la mano« war ebenso eingängig wie betörend gesungen. »Ah, fuggi il traditor!«, tönte es dann von Härter als Donna Elvira, ebenfalls aus der Oper »Don Giovanni«, und Liske drückte sich angesichts ihres furiosen Auftritts an die Wand. Mit Mozart-Gedanken zu Tod und Vergänglichkeit und dem Lied »Abendempfindung« klang der Abend betörend schön und traurig aus.
Die Zugabe gab das Publikum sich selbst. Dirigiert von Ulrike Härter, sang es »Bona Nox«. (GEA)

