GOMARINGEN-STOCKACH. Die Reden drehten sich um die Historie der seit Jahrhunderten in Beziehung zueinanderstehenden Orte Gomaringen und Stockach, wo am Wochenende die vor 50 Jahren beschlossene Eingemeindung gefeiert wurde. Beim Fassanstich durch Bürgermeister Steffen Heß ging der Hammer entzwei, abgesehen davon war es ein reibungslos verlaufendes Fest an zwei Tagen.
Das Festzelt am Ortsrand von Stockach war am Samstag nicht komplett gefüllt, als die Reden zur »Goldenen Hochzeit« der beiden Dörfer gehalten wurden. Alle Redner – Ortsvorsteherin Christa Stöhr, Bürgermeister Steffen Heß und Landrat Joachim Walter – hoben darauf ab, wie gut die beiden vorher eigenständigen Gemeinden von Beginn an zueinanderpassten: Im Mittelalter wurden Gomaringen und Stockach von derselben Herrschaft regiert. Im frühen 20. Jahrhundert bekamen beide Orte gemeinsam ein Wasser-, dann ein Stromnetz. Schließlich wurde über mehrere Monate in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre die später besiegelte Partnerschaft verhandelt. Diese scheinbar ewige Verbundenheit kam in allen Reden vor.
Die Stockacher Ortsvorsteherin Christa Stöhr erinnerte zudem, dass Stockacher Bauern den Gomaringer Arbeitern Kredite gewährten, und dass Stockacher wiederum in den Gomaringer Textilbetrieben arbeiteten. Lange ist’s her. Bürgermeister Steffen Heß, so die Ortsvorsteherin, habe im Übrigen den Termin für das Fest festgelegt und sei somit für das gute Wetter an diesem Tag verantwortlich.
»In Stocka bleibt m’r hocka.«
Heß nahm den Ball auf, sprach von Stockach als "unserem schönsten Ortsteil". Hier gelte der Handschlag noch mehr als ein Vertrag. Die Bereitschaft zum Ehrenamt sei in Stockach über die Maßen hoch, nicht nur, aber vor allem durch die Feuerwehr. Fazit: »In Stocka bleibt m’r hocka.« Landrat Joachim Walter erinnerte, dass gleichermaßen 50 Jahre Kreisreform gefeiert werde – sie trug Anfang der 1970er-Jahre maßgeblich zum Druck auf die Gemeinden bei, sich zusammenzuschließen.
In einem vorab aufgezeichneten und am Samstag im Festzelt gezeigten Film ließ Kreisarchivar Wolfgang Sannwald Zeitzeugen der Eingemeindung zu Wort kommen, darunter den ehemaligen Gomaringer Bürgermeister Manfred Schmiderer, Lisa Müller (die langjährige Sekretärin im Rathaus setzte den Vertrag zur Einigung auf) und die Söhne des damaligen Stockacher Bürgermeisters Ludwig Junger.
Kein Kindergarten im Ort
Alle betonten, Stockach habe seinerzeit das Beste herausgeholt und alle seine Forderungen bekommen, bis auf eine: Es gibt bis heute keinen Kindergarten im Ort. Stattdessen werden die Stockacher Kinder mit einem Minibus in den Kindergarten nach Hinterweiler gebracht, was nach wie vor als beste Lösung gesehen wird.
Mit dem vierten Schlag von Bürgermeister Heß saß der Bierhahn im Fass – während der Hammer in zwei Teile zerfiel. Der Musikverein Gomaringen, dirigiert von Eberhard Budziat, leitete zum gemütlichen Teil über, der sich am Sonntag bei Speis und Trank sowie Musik, Kaffee und Kuchen fortsetzte. (GEA)


