KREIS TÜBINGEN. Der Landkreis beabsichtigt, mit dem Hof HaCarmel Regional Council in Israel eine Partnerschaft einzugehen. Ein Schwerpunkt soll auf dem Austausch junger Menschen liegen.
Angesichts der aktuellen Situation nach dem Terror der Hamas will der Landkreis mehr als einen symbolischen Akt begehen. Mit Blick auf die deutsche Geschichte und die damit verbundene Verantwortung wolle man einen Beitrag zur Unterstützung und Volkerverständigung leisten, heißt es in der Vorlage, die in dieser Woche im Kreistagsausschuss vorberaten wird.
Der Partnerkreis liegt in der nördlichen Küstenebene. Hof HaCarmel zählt zum Distrikt Haifa. Auf einer Fläche von 187 Quadratkilometern leben dort 28.500 Einwohner – ein Teil von ihnen in den insgesamt acht Kibbuzim. »Die Region gilt als touristisch attraktiv, modern und wirtschaftsstark«, schreibt das Landratsamt. Der Tübinger Landkreis ist mehr als zweieinhalbmal so groß (519 Quadratkilometer) und hat mehr als achtmal so viele Einwohner (235.000).
Landrat fliegt im Juni hin
Der Vorsitzende des Rates des Hofs HaCarmel ist Asif Izek. Seine Funktion sei in etwa vergleichbar mit der eines Landrates. Die Kreisverwaltung dort zählt rund 250 Beschäftigte. Es besteht bereits eine Partnerschaft mit dem State of New Hampshire in den USA. Konkrete Gespräche soll es bei einem Besuch von Landrat Joachim Walter im Juni geben. Gute Anknüpfungspunkte sieht man unter anderem bei der Schulpartnerschaft des Karl-von-Frisch-Gymnasiums. Die Schule auf dem Höhnisch ist schon seit dem Schuljahr 2007/2008 in engem Kontakt mit der dortigen High School. Seitdem treffen sich Jugendliche aus dem Steinlachtal und aus Israel regelmäßig. Letzter Austausch bislang war im Herbst 2023. »Die israelischen Jugendlichen flogen am Morgen des 8. Oktober zurück, nicht ahnend, welche furchtbare Situation sie ihrem Land vorfinden würden«, berichtet das Landratsamt.
Die Jugendguides im Landkreis bieten nach Auffassung der Verwaltung ebenfalls eine gute Basis für Gemeinsamkeiten. Sie pflegen die Erinnerungskultur und vermitteln nicht nur jungen Menschen die Geschichte des Landkreises. Zudem habe die Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen bereits ihr Interesse signalisiert, sich in die Zusammenarbeit einzubringen und das gegenseitige Verständnis zu fördern. Auch die israelische Generalkonsulin in München würde eine Partnerschaft begrüßen.
Förderprogramme nutzen
Seit 2018 besteht bereits eine Partnerschaft zwischen dem Landkreis Tübingen und dem Kreis Arad in Rumänien. Für gemeinsame Projekte hat man Förderprogramme angezapft. Ähnlich will man auch bei den Ausgaben für Projekte mit den israelischen Partnern verfahren. (GEA)

