KUSTERDINGEN. »Ist die Energiewende gescheitert? Mit Windrädern in die Stromkrise.« Dass der Vortrag von Prof. Dr. Michael Thorwart am Mittwochabend im mit etwa 130 Besuchern, sehr vollem Feuerwehrhaus in Wankheim, eher in eine Richtung gehen würde, machte bereits der Titel klar. Der Physikprofessor spricht sich seit geraumer Zeit gegen die Windenergie aus und plädiert für die vierte Generation der Atomkraft.
Den Vortrag hatte die Bürgerinitiative Pro Natur Härten organisiert. Der Vorsitzende Herman Schäfer, der die Veranstaltung eröffnete, lies eine Unterschriftenliste für einen Bürgerentscheid gegen die von den Stadtwerken Tübingen geplanten Windkrafträder in Kusterdingen durch die Reihen gehen.
Skepsis gegenüber der Presse
Seinen Vortrag begann Thorwart, der in Haigerloch lebt, und an der Universität Hamburg am Institut für Theoretische Physik tätig ist, mit einer Medienschelte. Er zeigte eine Grafik mit den Abonnentenzahlen einer Lokalzeitung und machte sich über den Leserschwund lustig. »Das Problem hat sich ja dann bald erledigt.« Dafür erntete er laute Lacher und Applaus. Auch den Zeitungs-Kommentar des Redakteurs zu einem seiner Vorträge, inklusive eines Fotos, hatte er in seine Präsentation eingearbeitet. »Ach ich bin jetzt also ein Demagoge«, zeigte er sich angegriffen. Von der Presse fotografieren lassen wollte sich Thorwart an diesem Abend nicht. Eine emotional aufgeladene Stimmung kam während des Vortrags mehrfach auf. Zum Beispiel als Thorwart ein Video zeigte auf dem Landschaften zu sehen, in denen es von Windrädern nur so wimmelte. Von düsterer Musik untermalt.
In die AfD-Ecke möchte er jedoch nicht gesteckt werden. Der Physik-Professor betonte, dass er Mitglied im Landesfach-Ausschuss Energie der CDU.
Brennwerte der verschiedenen Energietypen
Thorwart hatte zahlreiche Daten und Statistiken in Form von Diagrammen und Grafiken mitgebracht. »Die Strompreise sind in Deutschland mit am Höchsten auf dem Weltmarkt«, gab er zu bedenken. Sie würden bei etwa 30 Cent pro Kilowattstunde, in China bei circa 7 liegen. Den alternativen Energien zeigt er sich skeptisch gegenüber und zweifelt die Versorgungssicherheit an. »Die Sonne scheint, wie sie scheint. Der Wind weht, wie er weht«, sagte er. Windkraft habe eine »extrem geringe Energiedichte«. Sie würde bei 0,46 Megajoule (MJkg) pro Kilogramm liegen, Gas bei 50 MJkg und Kernkraft bei 640.000 MJkg. Zur Veranschaulichung nahm er den Brennwert von Schokolade (23 MJkg) zum Vergleich.
Daten aus dem baden-württembergischen Windatlas stellte er infrage. In der neuen Auflage von 2019 gebe es nun mehr Flächen, auf denen Windkraft rentabel sein könnte im Vergleich zu früher: »Woher kommt denn jetzt mehr Wind?« Das Engpassmanagement, je nach Wetterlage, ist dem Physiker zudem ein Dorn im Auge. »Wenn wir unsere Kraftwerke abschalten und Strom aus Atomkraft aus Frankreich importieren, ist das eine Doppelmoral«, sagte er.
Atomkraft 4.0 mit dem Dual-Fluid-Reaktor
Als Umwelt-Risiken von Windkraft nannte Thorwart die Verwendung von Spezialrohstoffen. Er machte darauf aufmerksam, dass der Abfall von alten Rotorenblättern Mikroplastik enthalte und Sondermüll sei. Viele der Betonfundamente würden, nachdem das Windrad ausgedient hätte, im Boden verbleiben. Bereits während des Vortrags meldeten sich Zuhörer zu Wort und hakten auch kritisch zu den Statistiken nach. Thorwart reagierte schnippisch bis arrogant auf die Fragen. »Wer hält denn hier den Vortrag?« Mehrfach wies er auf den deutlich höheren CO2-Austoß von China im Vergleich zu Deutschland hin. Frage aus dem Publikum: »Wie sieht das denn pro Kopf aus?« Thorwarts Antwort: »Das ist doch egal.«
Seine Lösung für die Energie-Versorgung: Atomkraft 4.0. Der Dual-Fluid-Reaktor sei seiner Meinung nach sicherer, er würde sich selbst regulieren, bevor es etwa zu einer Kernschmelze kommen könnte. Den Atommüll von heute könnte man als Wertstoff verwenden. Der neue nukleare Abfall sei dann nur noch 300 Jahre lang radioaktiv und nicht mehr 30.000. Das Problem: Der Reaktor befindet sich derzeit in einer Testphase. Die Versuche finden in Ruanda statt. »Was soll denn bis dahin passieren«? Thorwart: Kurzfristig könnte man ja wieder die alten Atomkraftwerke hochfahren. »Der Reaktor ist schneller fertig, als ein Windrad genehmigt ist.« Den würde er, wie er sagt, auch in Haigerloch wollen.

