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Unschlagbares Duo: Ross und Reiter

HORB. Überall Trophäen und Schleifen: Jeder kennt ihn, jeder kennt sein Pferd: Den Vielseitigkeitsreiter Michael Jung und sein Pferd Sam. Nähere Informationen zu Pferd, Reitstall und mehr bekamen wir bei einem Besuch im Reitstall der Familie Jung.

Um jedoch über Michael Jung und seinen Sport sprechen und lesen zu können, muss man erst einmal wissen, was Vielseitigkeitsreiten genau ist.

In seinem Betrieb in Altheim bildet Michael Jung vielversprechende Sportpferde aus. Im Sommer holte der Vielseitigkeitsreiter Gold bei den Olympischen Spielen.  FOTOS: SCHRADE
In seinem Betrieb in Altheim bildet Michael Jung vielversprechende Sportpferde aus. Im Sommer holte der Vielseitigkeitsreiter Gold bei den Olympischen Spielen. FOTOS: SCHRADE
In seinem Betrieb in Altheim bildet Michael Jung vielversprechende Sportpferde aus. Im Sommer holte der Vielseitigkeitsreiter Gold bei den Olympischen Spielen. FOTOS: SCHRADE

Bei einem Rundgang über den Reiterhof in Altheim bei Horb lieferte uns Joachim Jung, der Vater des Olympiasiegers, viele Hintergrundinformationen. Bei der Vielseitigkeit müssen sich Pferd und Reiter in den Disziplinen Dressur, Springen und - charakteristisch für diese Disziplin - im Geländeritt beweisen.

Immer weniger Jungs reiten

Nun zurück zum Besuch auf dem Hof: Von den Eltern unseres vielbeschäftigten Interview-Partners wurden wir herzlich empfangen und durch die Reitanlage geführt. Denn Michael Jung hatte noch mit dem Trainieren der Pferde zu tun. Der Trainingsstall bietet Platz für rund 25 Pferde und ist natürlich perfekt ausgestattet, nimmt jedoch im Normalfall nur vielversprechende Sportpferde zum Training und keine Reitschüler auf. Nach vier bis acht Jahren werden die Tiere je nach Können wieder »entlassen«. Die Besitzer bringen ihre Pferde in der Hoffnung hierher, dass sie nach ihrer Ausbildung im Turniersport hohe Leistung bringen.

Joachim Jung berichtete uns, dass zurzeit nicht nur Pferde, sondern auch Reiter aus dem Ausland zu Gast im Stall sind. Auch vom Problem, dass es immer weniger männliche Reiter gibt, wurde uns berichtet. Das könnte daran liegen, dass das optimale Alter, um mit dem Reiten zu beginnen, im Bereich von etwa 14 Jahren oder sogar früher liegt, um große Ziele zu erreichen. Und da in diesem Alter eher die Mädchen reiten, haben die Jungs, vermutet Joachim Jung, vielleicht eine gewisse Scheu davor, sich dieser Gemeinschaft anzuschließen.

Aber das war bei Familie Jung nie ein Problem. Schon Großvater Jung war Freizeit- und Gelegenheitsreiter, sein Sohn Joachim eröffnete dann 1982 den Reitbetrieb in Horb-Altheim. Für den Olympiasieger Michael Jung war von Anfang an klar: Die Arbeit mit Pferden möchte er zum Beruf machen.

Im Reitstall Jung sind alle Pferde geschoren, damit sie schneller trocknen, wenn sie nach dem Training verschwitzt sind. Die Reiter, die bei Familie Jung arbeiten, trainieren im Laufe ihres Arbeitstags mehrere Pferde, insgesamt sechs bis acht Stunden. Jedes Pferd wird etwa 45 Minuten geritten, davor und danach verbringt es einige Zeit auf dem Laufband und/oder Bewegungsapparat.

Ein Pony namens Sally

Auch beim Training von Michael Jung schauten wir zu. Er erklärte uns auf eine Frage, dass er einen mehr oder weniger festen Trainingsplan habe. Jedoch sei jedes Pferd anders, und so müsse man den Plan immer ändern und individuell abstimmen. Das ist etwas was ihm an seinem Job, den er übrigens auch gelernt hat, so gefällt: dass alles so vielseitig ist - und genau das passt natürlich auch zu seiner Reitdisziplin.

Im Reitstall Jung gibt es viele Auszubildende. Das merkten auch wir, als Michael Jung im Training den anderen Reitern in der Reithalle immer wieder einige kleine Tipps gibt, allerdings sehr freundlich und mit Geduld. Auch den 12 Jahre alten, stolzen Olympiasieger Sam lernten wir kennen. Er ist ein bisschen frech, wie Michael Jung sagt, aber: »Er darf das.«

Nach dem Zuschauen ging es direkt ins gemütliche Reiterstübchen. Man wird es nicht glauben, aber dort ist kaum mehr Platz für Trophäen und Schleifen. Uns wurde sogar berichtet, dass die Siegessymbole schon regelmäßig ausgetauscht werden, weil es einfach zu viele sind.

Als wir uns alles genau angeschaut hatten, hatte Michael Jung Zeit, unsere Fragen zu beantworten. Er erzählte uns unter anderem, dass er sein erstes Pferd mit vier Jahren bekam. Ein Dartmoor- Pony namens Sally. Dass es ein tolles Erlebnis im Olympischen Dorf war und die Europameisterschaften natürlich auch zu den einmaligen Erlebnissen in der Karriere eines Reiters gehören.

Rund 40 Turniere reitet Michael Jung im Jahr, die diesjährige Saison ist mit dem Einbruch des Winters aber schon fast abgeschlossen. Und um nochmal auf Sam zu sprechen zu kommen: Obwohl Sam im Jahr 2016 schon 16 Jahre alt sein wird - was, wie uns berichtet wurde, ein recht hohes Alter für ein Turnierperd ist - will Michael Jung es mit ihm noch einmal zu den Olympischen Spielen in Rio schaffen.

Also dann: Viel Glück bei deinem weiteren Weg nach oben, Michi! (ZmS)

Nele Altmann, BZN-Gymnasium Reutlingen, Klasse 9b