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Jeden Morgen um 4.30 Uhr klingelt der Wecker

METZINGEN. Wenn Anja Müller um 4.30 Uhr aufsteht, schlafen die meisten Deutschen noch. Sie macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Ermstalklinik Bad Urach. Ein Jahr lang kümmert sie sich dort um Patienten und unterstützt die Krankenschwestern bei ihrer Arbeit. Im ZmS-Interview spricht sie über ihre Aufgaben.

ZmS: Wie sieht derzeit dein Arbeitstag aus?

Anja Müller: Jeden Morgen um 4.30 Uhr klingelt mein Wecker, denn pünktlich um 6 Uhr muss ich fertig umgezogen auf der Station erscheinen. Dort werden ich und alle anderen, die mit mir Schichtwechsel haben, über alle wichtigen Ereignisse der Nacht informiert. Dann wecken wir die Patienten, messen Blutdruck, Temperatur und Puls und tragen diese Werte in eine Patientenkurve ein. Danach helfen wir ihnen beim Waschen. Am Anfang war das sehr gewöhnungsbedürftig, da wir alle Patienten, die Hilfe benötigen, von Kopf bis Fuß waschen. Anschließend ist Visite, die die Ärzte durchführen. Danach gibt es für die Patienten Frühstück, dabei müssen wir ihnen manchmal auch helfen.

Und wann seid ihr dann mal dran mit Essen?

Müller: Wenn alle versorgt sind und auch alles andere erledigt ist, gibt es für uns in der Kantine Frühstück. Frisch gestärkt schauen wir, was die Patienten sonst noch so brauchen, wir bringen Getränke, beziehen die Betten, helfen ihnen aufs Klo oder wir reden einfach so mit ihnen. Nicht zu vergessen ist auch der ganze Papierkram, den wir zusätzlich erledigen müssen.

Wann ist dein Arbeitstag dann beendet?

Müller: Also, ganz fertig bin ich um 14 Uhr, den restlichen Nachmittag habe ich dann frei.

»Das Freiwillige Soziale Jahr gefällt mir sehr gut«

Wie sieht es bei dir am Wochenende aus?

Müller: Wir haben eine Fünf-Tage-Woche, aber die zwei freien Tage sind nicht immer Samstag und Sonntag. Zusätzlich haben wir nach der dreimonatigen Probezeit 28 frei wählbare Urlaubstage.

Kann eigentlich jeder ein FSJ machen oder braucht man dafür spezielle Voraussetzungen oder Eigenschaften?

Müller: Ein FSJ kann jeder machen. Es gibt ja Seminare, ähnlich wie Berufschulen, in denen man vieles lernt. Ansonsten ist es hilfreich, wenn man keine Berührungsängste hat und offen auf Leute zugehen kann. Bewerben kann man sich bei einem freien Träger wie der Diakonie oder beim Internationalen Bund, so wie ich es gemacht habe. In einem Gespräch wird dann ein passender Bereich festgelegt: Altenpflege oder etwas mit den Kindern und so weiter.

Was hat dich zu diesem FSJ bewogen?

Müller: Über eine Freundin bin ich darauf aufmerksam geworden. Außerdem brauchte ich ein Überbrückungsjahr zwischen Schule und Beruf.

Würdest du dich nochmal für ein FSJ entscheiden?

Müller: Sicherlich, mir gefällt es hier sehr gut und die Kollegen sind auch alle nett, aber ich würde gerne auch in einem anderen Bereich praktische Erfahrungen sammeln. (ZmS)



Sarah Waldner, Julia Schmid und Katrin Pfäffle, Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, Metzingen, Klasse 10