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Aktuell INTERVIEW

Gesucht: ein schönes Zuhause

REUTLINGEN. Heidi Renner ist eine Mitarbeiterin des Reutlinger Tierheims. Dort ist sie für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Im ZmS-Interview mit Isabella Hoyer und Miriam Welser vom Friedrich-List-Gymnasium Reutlingen, Klasse 9b, berichtet sie unter anderem, wie ein normaler Tag im Tierheim aussieht und wie eine Tiervermittlung genau abläuft.

ZmS: Wie viele Tiere haben Sie zurzeit im Tierheim?

Heidi Renner: Wir haben zurzeit ungefähr 50 Katzen, 30 Hunde, 100 Kleintiere - also Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse, Ratten und Vögel. Dazu kommen Mutterkatzen mit ihren Jungen oder kranke Kätzchen, die in Pflegestellen untergebracht sind, da sie dort besser versorgt werden können. Die Zahl der Hunde ist momentan geringer als sonst, da die Hundehäuser gerade umgebaut werden, ist der Platz in den Außengehegen eingeschränkt.

»In erster Linie finanzieren wir uns durch Erbschaften«
Wie funktioniert die Tiervermittlung?

Renner:

Interessenten erhalten von uns eine fachkundige Beratung, damit sie sich bewusst sind, welche Verantwortung man übernimmt, wenn man ein Tier als neues Familienmitglied aufnimmt. Bevor das Tier umziehen darf, muss der Interessent erst eine Selbstauskunft ausfüllen, in der alle wichtigen Informationen über die Situation, in der das Tier leben wird, aufgeführt sind. Manchmal gibt es sogenannte Vorkontrollen, bei denen die Richtigkeit der Selbstauskunft überprüft wird. Es wird darauf Wert gelegt, dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Um das zu verwirklichen, geben wir Tipps und helfen so den neuen Besitzern. Wenn alles passt, werden die Tiere vermittelt. Nach der Vermittlung stehen wir auch weiterhin für Fragen und Probleme den Besitzern zur Verfügung.

Wie finanziert sich das Tierheim Reutlingen?

Renner: In erster Linie finanzieren wir uns durch Erbschaften, ohne die der Tierschutz seine Arbeit so nicht leisten könnte. Mitgliedsbeiträge und Spenden sowie Testamente sind weitere wichtige Standbeine. Für Tierbesitzer bieten wir außerdem Pensionsplätze für Bello und Co. an, wobei diese begrenzt und schnell ausgebucht sind.

Welche Möglichkeiten gibt es, das Tierheim zu unterstützen?

Renner: Wir suchen immer wieder Ehrenamtliche, die unser Hauptpersonal unterstützen, die auch den Sonntagsdienst leisten können. Für unsere Feste (Frühlings- und Herbstfest und Weihnachtsmarkt) suchen wir stets Unterstützer, auch wenn sie nur einen Kuchen vorbeibringen. Für die jugendlichen Tierschützer gibt es die Jugendgruppe von 11 bis 17 Jahren, in der verschiedene Aktionen durchgeführt werden.

Wie lange arbeiten Sie schon hier?

Renner: Ich bin seit 25 Jahren ehrenamtlich im Sonntagsdienst mit dabei. Seit 2010 arbeite ich als Pressesprecherin für das Tierheim. Mir macht die Arbeit Spaß und mir liegen die Tiere am Herzen.

Wie viele Mitarbeiter werden zurzeit hier beschäftigt?

Renner: Wir haben 15 Mitarbeiter in Teilzeit. Dazu kommen momentan drei Auszubildende. Vier Tierärzte sorgen sich um das Wohl und die Gesundheit der Tiere.

»Mich freut es zu sehen, wie Tiere aufblühen und ein gutes Zuhause finden«
Schildern Sie uns einen Tagesablauf hier im Tierheim.

Renner:

Wenn die Pfleger morgens kommen, werden die Tiere zunächst gefüttert und versorgt und es wird geschaut, ob es allen Tieren gut geht. Ist ein Tier krank, wird es sofort von einem unserer Tierärzte medizinisch versorgt. Daraufhin beginnen die Reinigungsarbeiten auf den jeweiligen Stationen. Zudem dürfen die Hunde in den Auslauf, damit sie ihr Geschäft erledigen können. Mittags ist das Tierheim zwischen 14 und 17 Uhr für Besucher geöffnet und es finden Beratungsgespräche statt, aber die Besucher haben auch die Möglichkeit, sich einfach umzuschauen. Währenddessen können die »Gassigeher«, das sind Leute, die eine kurze Ausbildung zum Hundeausführen gemacht haben, mit den Hunden spazieren gehen. Abends werden die Tiere noch einmal gefüttert und es wird nochmals nach allen Tieren geschaut. Um 17 Uhr ist dann Feierabend und die Tiere sind in Erwartungshaltung und freuen sich auf den nächsten Tag, bis sie ihre Pflegerinnen wieder sehen.

Können Sie sich an einen Fall erinnern, der Sie besonders berührt hat?

Renner: Wir haben so viele Tiere bekommen, die alle ihr eigenes Schicksal haben. Deshalb fällt mir schwer, mich für ein Beispiel zu entscheiden. Einmal haben wir einen Hütehund bekommen, der angeblich seiner Aufgabe, die Schafe zu hüten, nicht gerecht werden konnte. Der Hund war sehr verstört und ängstlich und er wusste nicht, wie er mit der neuen Situation im Tierheim umgehen sollte. Nach zwei Tagen stellten unsere Pfleger fest, dass der Hund taub ist. Somit hat er nie Kommandos verstanden und wird vermutlich immer »eins auf den Deckel gekriegt haben«. Wir haben ihm dann Kommandos mit Zeichensprache beigebracht. Inzwischen hat der Hund ein gutes Zuhause gefunden und ist wieder ausgeglichener geworden. Mich freut es am meisten, zu sehen, wie Tiere, die verwahrlost zu uns kommen, aufblühen und schließlich ein gutes Zuhause finden.

Danke für das Interview. (ZmS)