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Ein Bau mit vielen Rätseln

MÖSSINGEN. Am Rande von Mössingen befindet sich eine Kapelle, die von außen unscheinbar aussieht, jedoch viele Geheimnisse in sich birgt. In der heutigen Kapelle stecken eigentlich drei Bauten: Von der ersten Kirche, die aus Holz gebaut war, ist nichts weiter überliefert. Der nachfolgende, nun steinerne Bau, der im 8. Jahrhundert im Auftrag des Klosters Lorsch erbaut wurde, brannte nach einem knappen Jahrhundert ab. Reste davon sind heute noch im Keller als Krypta zu bestaunen.

Die Belsener Kirche birgt viele Geheimnisse.
FOTO: ZMS
Die Belsener Kirche birgt viele Geheimnisse. FOTO: ZMS
Die Belsener Kirche birgt viele Geheimnisse. FOTO: ZMS

Die dritte Kapelle - der Bau, wie man ihn heute kennt - wurde vermutlich 1150 in romanischem Stil außerhalb des Ortes auf einem Hügel erbaut. Nach vielen baulichen Veränderungen ist die eigentliche Kapelle jedoch kaum noch wieder zu erkennen. 1160 wurde die Belsener Kapelle erstmals im »Hirsauer Codex«, einer Chronik, erwähnt.

Die Belsener Kapelle, die im Mittelalter auch als Schutzkirche gedient hat, eignete sich vor allem wegen der 90 Zentimeter dicken Mauern, den kleinen romanischen Fenstern und den mit den Balken verschließbaren Türen dazu. Um noch mehr über die Geheimnisse der Belsener Kapelle zu erfahren, interviewten wir den Heimatkundler Karl Schauber, der sich mehrere Jahrzehnte lang mit der Belsener Kapelle befasste.

Ominöses Sonnenloch

Im Bau dieser Kapelle sind viele besondere Architektur-Elemente zu sehen, die sowohl christlichen als auch heidnischen Ursprungs sein könnten. Schon vor über hundert Jahren versuchten verschiedene Wissenschaftler einige der zahlreichen Geheimnisse dieser Kapelle zu lüften.

So zum Beispiel das ominöse Sonnenloch in der Südmauer, durch das an den Tagen der Tag- und Nachtgleiche, nämlich den 21. März und 23. September, bei Sonnenaufgang das Licht strahlte und im Innenraum der Kirche über dem Portal zu sehen war. Der Lichtreflex, der einem Kreuz ähnelte, entstand durch ein doppelkonisches Loch in der Mauer, so Karl Schauber.

Karl Schauber war selbst bei einer Untersuchung des Lichtlochs dabei und kann bezeugen, dass es dieses Phänomen wirklich gab. Außerdem, so erklärte er es uns, sollte die Sonnenkalenderanlage, wie es in Fachkreisen heißt, früher die Bauern zur Saat ermahnen. Heute ist dies durch die Sakristei verbaut.

Ein weiteres Beispiel für die Geheimnisse der Belsener Kapelle ist ein Loch im Chorraum, durch das am 24. Dezember um 24 Uhr drei Sterne des Orions und ein weiterer des Sternbildes Sirius schienen, die den Priestern die Ankunft Jesu symbolisieren sollten.

Steinfiguren und Symbole

Dieses Loch ist heute ebenfalls durch die Sakristei verbaut. Ein weiteres mysteriöses Geheimnis, das erstmals 1899 untersucht wurde, konnte bislang noch nicht vollständig gelöst werden: Es handelt sich hierbei um einen unterirdischen Tunnel, der vielleicht sogar bis zum nahe gelegenen Farrenberg geführt haben soll. Karl Schauber meint, dass dieser Tunnel jedoch nie existierte, sondern dies nur der Fantasie entsprang.

Schauber half auch bei der Ausgrabung der Vorgängerkirche mit. Dabei wurden einige Skelette gefunden, deren Ursprung bislang unbekannt ist. Auch die zwei Schutzheiligen der Belsener Kapelle Johannes und Maximinus sind besonders erwähnenswert, denn sie lassen eine Verbindung zu Trier vermuten, da dort dasselbe Doppelpatrozinium vorhanden ist.

Rätsel geben auch die zahlreichen Steinfiguren und Symbole an den Außenmauern auf. Sie könnten römischen, heidnischen oder christlichen Ursprungs sein. Über die Bedeutung und die Herkunft gibt es viele Theorien und Überlegungen, so Schauber.

Allerdings können wohl niemals alle Geheimnisse gelöst werden, jedoch ist dies, laut Karl Schauber, wohl auch besser so. (ZmS)



Sören Otto, Steffen Aicheler und Johannes Herter, Klasse 10 a, Quenstedt- Gymnasium Mössingen