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Aktuell INTERVIEW

Die Lehre vom Recht

REUTLINGEN. Ann-Kathrin Wilhelm ist 29 Jahre alt und hat ihr Studium bereits hinter sich. Sie hat sich für ein Fach entschieden, das viele Jugendliche ein bisschen trocken finden: Jura. Was die Lehre vom Recht - so könnte man den lateinischen Begriff übersetzen - so interessant macht und warum sie diesen Beruf ergriffen hat, verrät Ann-Kathrin Wilhelm. Im Gespräch mit ZmS-Reporterin Dilara Yesildag von der Reutlinger Hermann-Kurz-Schule spricht die junge Frau über das Studentenleben, Examensstress und ihre Erfahrungen im Gerichtssaal.

ZmS: Wie sind Sie zu diesem Studiengang gekommen?

Ann-Kathrin Wilhelm: Ich hatte schon während meiner Schulzeit Interesse am Bereich Recht und Gerechtigkeit.

Durchhaltevermögen war gefragt und natürlich Disziplin

Gab es Momente, in denen Sie überfordert waren und daran gedacht haben aufzuhören?

Wilhelm: In der ersten Zeit nicht. Das hielt zwei bis drei Jahre. Da fiel mir sogar das Studium leichter als die Schule. Allerdings fühlt man sich während der Examensvorbereitung oft erdrückt vom umfangreichen Lernstoff. Da man viel Theorie und weniger Praxis hat, zweifelt man öfter.

Wie haben Sie das Studium bezahlt?

Wilhelm: Hauptsächlich durch die Unterstützung meiner Eltern und meiner Nebentätigkeiten wie Promotion.

Hatten Sie auch in der Zeit Menschen an Ihrer Seite, die Ihnen in Stresssituationen beiseite standen?

Wilhelm: Ja, meinen Lebenspartner, Eltern wie auch Familie und Freunde.

Was mussten Sie in dieser Zeit alles lernen?

Wilhelm: Umfassend das Gebiet des öffentlichen Rechts, des Zivilrechts und des Strafrechts. Außerdem musste ich konsequent sein, mir eine effektive Arbeitsweise aneignen. Durchhaltevermögen war gefragt und natürlich Disziplin.

In welchen Arbeitsbereichen wurden Sie eingesetzt?

Wilhelm: Während des Studiums nirgends. Das Studium verlief theoretisch, nach dem ersten Staatsexamen während des Referendariats durchlief ich Stationen beim Amtsgericht Reutlingen, bei der Staatsanwaltschaft, dem Landratsamt Reutlingen und einer großen Anwaltskanzlei im Bereich Arbeitsrecht.

Gab es Sachen, auf die Sie während des Studiums verzichten mussten?

Wilhelma: Während der Vorbereitung auf die beiden Examina musste ich auf viel Freizeit verzichten.

Welcher Moment war für Sie am schönsten in der ganzen Zeit?

Wilhelm: Das Bestehen der beiden Examina und die ersten praktischen Erfahrungen in der Zeit des Referendariats.

Sie waren auch in Verhandlungen mit dabei. Welche Verhandlung war für Sie am schlimmsten?

Wilhelm: Interessant waren die meisten Verhandlungen. Schlimm fand ich Verhandlungen, in denen um Nichtigkeiten gestritten wurde oder wenn es um Kindesmisshandlungen ging.

Gab es Verhandlungen, in denen Sie noch später daran denken mussten, wie es auch hätte anders enden können?

Wilhelm: Es gab Verhandlungen, bei denen man sich im Nachhinein noch Gedanken gemacht hat, was Menschen zu einem bestimmten, nicht nachvollziehbaren Verhalten veranlasst.

Nun sind Sie mit allem fertig, wie stellen Sie sich Ihren weiteren Weg vor?

Wilhelm: Ich hoffe einen abwechslungsreichen, interessanten Job zu finden, bei dem ich persönlich und für andere etwas erreichen kann.

Vielen Dank fürs Interview. Wir wünschen Ihnen in Ihrem weiteren Leben viel Erfolg. (ZmS) Dilara Yesildag, Hermann-Kurz-Schule Reutlingen, Klasse 10