Die Reutlinger Innenstadt entwickelt sich zum Alptraum: Leerstand reiht sich an Leerstand, die Kanzleistraße wirkt tot, in der Metzgerstraße reihen sich über ein Dutzend Friseure aneinander, alteingesessene Geschäfte wie die Papeterie Horwarth sind schon weg oder verschwinden wohl demnächst. Und nach der Galeria Kaufhof verlässt auch Breuninger die Stadt. Da klingt es doch hoffnungsfroh, dass der Bund eine Dreiviertelmillion Euro aus dem Programm »Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren« nach Reutlingen überweist mit dem Ziel, »attraktive, zukunftsfähige Zentren zu erhalten beziehungsweise zu entwickeln«.
Irritierend ist für mich allerdings, dass aus diesen Mitteln auf dem Parkdeck der Galeria Kaufhof »über die warmen Monate hinweg« eine Bar verwirklicht werden soll. Will die Stadt Reutlingen also tatsächlich einen Gaststättenbetrieb auf diesem Gebäudedach mit Steuergeldern finanzieren? Eine Bar, die auch nur für ein halbes Jahr besteht? Ich kann mir vorstellen, dass dort eine Bar funktionieren kann. Aber warum braucht es dazu staatliche Fördergelder? Und wozu eine staatliche Förderung für einen derart kurzen Zeitraum?
Auch die Ausschreibung des Projekts wirft viele Fragen auf. Weshalb hat die Stadt das Projekt nicht wirklich offen vorgestellt? Es hat schon ein »Gschmäckle«, wenn andere Gastronomen in Reutlingen nichts davon wussten und nun genauso erstaunt wie die Öffentlichkeit feststellen können, dass hier im Hintergrund schon einiges besprochen – und möglicherweise entschieden – wurde. Auch die Aussage, die Stadt sei auf die jetzt einzigen Bewerber »zugekommen mit der Idee, im Obergeschoss einen Clubbetrieb zu etablieren« (GEA), wirft ein verstörendes Licht auf Reutlingen. Ich finde es großartig, dass es vom Bundesministerium für Wohnen Geld für die Reutlinger Innenstadt gibt. Die Verteilung derartiger Gelder muss allerdings sehr transparent gehandhabt werden, ganz einfach, weil es sich um Steuergelder handelt. Und so hoffe ich tatsächlich auf eine Bar auf dem Galeria-Gebäude – aber ohne staatliche Förderung und mit einer transparenten Ausschreibung.
Stefan Fuchs, Reutlingen
