Die Amtszeit des VfB-Präsidenten Claus Vogt sowie die seines Stellvertreters Rainer Adrion nahm bei der Mitgliederversammlung am Sonntag ein unwürdiges Ende. Vogt wurde mit satten 86 Prozent abgewählt, Adrion trat bei einem Abwahlstimmenanteil von 70 Prozent wie angekündigt zurück. Beide haben es bei Weitem nicht verdient, in diesem Ausmaß abgestraft und – aus meiner Sicht – unfair behandelt zu werden.
Die jüngere Entwicklung nahm ihren Anfang mit dem Aushandeln des Einsteigens von Porsche als Anteilseigner. Die VfB-AG befand sich nach Corona in einer finanziell bedrohlichen Lage. Porsche bot sich als Anteilseigner an, setzte den Verein unter Zeitdruck und stellte Bedingungen, die sich gegen Claus Vogt richteten. Vogt solle als Aufsichtsratsvorsitzender der AG und als VfB-Präsident zurücktreten.
Dass Bedingungen gestellt werden, ist nicht das Problem, sondern dass sich diese gegen eine einzelne Person richten. Eigentlich ein ungeheurer Vorgang, der jegliches seriöse Geschäftsgebaren vermissen lässt. Vonseiten der AG gab es schon früher Vorbehalte gegen Claus Vogt, gepaart mit nie bewiesenen Behauptungen. Der Kompromiss sah dann so aus, dass Claus Vogt VfB-Präsident blieb und sich vom Vorsitz des Aufsichtsrats zurückzog. Damit brach er das Ausgliederungsversprechen (der Präsident des VfB ist immer Aufsichtsratvorsitzender der AG).
Dies wurde ihm und Rainer Adrion nun zum Verhängnis. Weder die Umstände, wie es dazu kam (finanzielle Notlage, Zeitdruck, dreiste Einstiegsbedingungen), noch die möglichen Folgen eines Scheiterns spielten für ihre Gegner letztendlich eine Rolle. Frei nach dem Motto »Ein den Mitgliedern gegebenes Versprechen steht über allem« urteilten sie Claus Vogt und Rainer Adrion gnadenlos ab. Beide haben unter diesen widrigen Bedingungen zwar ein Versprechen gebrochen, aber alles Nötige getan, um Schaden vom Verein und der Profiabteilung abzuwenden. So wie es jeder in dieser Situation getan hätte, der den Verein im Herzen trägt, frei nach dem alten Motto »Der Verein steht über allem«. In dieser Extremsituation notwendigerweise leider auch über dem Ausgliederungsversprechen.
Die von den Abwahlbefürwortern ins Spiel gebrachten alternativen Handlungsmöglichkeiten – Information der Mitglieder, mehr Transparenz, Mitgliederbefragung – sind realitätsfern. Sie scheitern am abgemachten Deal, über den im Normalfall immer Stillschweigen gewahrt werden muss, und setzen das ganze dringend notwendige Bündnis aufs Spiel. Wäre die Vereinbarung an Vogt gescheitert, wäre er genauso abgestraft worden.
Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass ausgerechnet die Ultras mit ihren Abwahlanträgen die letzte verbliebene dreiste Bedingung der Porschevertreter, das Ende der Präsidentschaft von Claus Vogt, in die Tat umgesetzt haben.
Der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle hob auf der Mitgliederversammlung die verbesserte Kapitallage durch den Einstieg des Investors Porsche als einen der Meilensteine für die wirtschaftliche Stabilität hervor. Diejenigen, die diesen Einstieg unter unwürdigen Umständen ermöglicht haben, hatte man da schon vom Hof gejagt.
Claus Vogt und Rainer Adrion haben diesen brutalen und äußerst verletzenden Abgang nicht verdient. Ich hoffe, dass man ihre Verdienste um den Verein eines Tages zu würdigen weiß.
Gerhard Hirneth, Walddorfhäslach
