1,3 Millionen Rentner gehen arbeiten. Ja, das ist eigentlich eine gute Sache, wenn man es so sehen kann wie Herr Häring in seinem Kommentar: Arbeit kann sinnstiftend sein (GEA vom 7. August)! Und ja, zunehmend kommen jetzt die Babyboomer in das Alter, in denen sie Rente beziehen dürfen. Und schon wird wieder die unfaire Sache in den Text mit aufgenommen: Immer weniger Berufstätige müssen für eine wachsende Zahl an Rentnern aufkommen! Glücklicherweise beschreibt er aber auch, dass das deutsche System in Schieflage geraten ist, wenn Menschen, die 40 Jahre in die Rentenversicherung einbezahlt haben, davon nicht leben können, also weiterhin arbeiten gehen müssen, und er bringt die Aktienrente als Heilbringer ins Spiel!
Nun denn: Dass das eine Idee mit wackeligem Boden ist, konnte die Tage »am Börsenbeben« abgelesen und den Durchhalteparolen von Experten gelauscht werden, die tröstend in die Kameras gesprochen haben! Und nochmals ja, es müsste sich grundlegend etwas ändern, zum Beispiel alle müssen in die Rentenkasse einbezahlen (Beamte, Selbstständige et cetera). Daran wird sich aber leider so schnell nichts ändern, denn die Bundestagsabgeordneten und ihr Verwaltungsapparat wollen ja ihre eigenen Vorteile nicht aufgeben.
Das Parlament soll deutlich kleiner werden: Das kann dem Steuerzahler (also nicht nur die Jungen, die die Babyboomer »unterhalten«, sondern auch wir Rentner, denn unsere Rente wird besteuert und Zusatzverdienste ebenso, nur leider unverschämt hoch) eine ganze Menge Geld sparen. Mal sehen, ob die CSU mit ihren Lobbyisten und andere Ausnahmen tatsächlich es so weit kommen lassen.
Das Institut der deutschen Wirtschaft kommt auf 125 Millionen Euro jährliche Ersparnis, wenn es tatsächlich passiert (1,2 Millionen kostet ein Mandat)! 11.227 Euro (muss versteuert werden) plus 5.051 Euro Kostenpauschale (unversteuert) verdienen die Bundesabgeordneten. Der ganze Verwaltungsapparat (Büro, Mitarbeiter et cetera) wird finanziert. Aber nicht nur das: Abgeordnete zahlen keine Beiträge für ihre Altersvorsorge! Bereits nach einem Jahr erwerben sie einen Pensionsanspruch, der sich jährlich steigert, bis sie nach 26 Jahren 7.298 Euro, den maximalen Pensionsanspruch, erhalten! Der normale Arbeitnehmer muss mindestens 40 Jahre in die Kasse einbezahlt haben, um die durchschnittlichen 1.500 Euro Rente zu erhalten!
Im GEA (8. August) sind die Aussagen vom Wirtschaftsweisen Martin Werding zu lesen, der die Freiheit, ab 63 Jahren in Rente zu gehen, bemängelt. Viel zu niedrig seien die Abschläge von 3,6 Prozent pro Jahr. Es müssten 5 bis 6 Prozent sein! Da regt sich in mir mal wieder das Gefühl von Ungerechtigkeit. Die normalen Arbeitnehmer sollen mehr arbeiten (endlich auch die Mütter, fragt sich nur, wer die ganze Care-Arbeit macht)) und vor allem länger!
Ach ja, die Arbeit kann auch sinnstiftend sein (siehe Textbeginn): Nicht immer nur an Geld denken! Wie toll wäre das, wenn die eigene Kaufkraft (Miete, Krankenkasse, Pflegeversicherung, Strom, Lebensmittel, Inflation et cetera) nicht so sehr aufs Gemüt drücken würde.
Astrid Jochens, Pfullingen
