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Volocopter-Chef kritisiert mangelnde Unterstützung

Nach wie vor hält der Flugtaxi-Pionier an seinen Plänen fest, bei Olympia in Paris nicht nur am Start, sondern auch in der Luft zu sein. Doch neben einer Zulassung braucht das Start-up Geld.

Volocopter
Dirk Hoke, Geschäftsführer von Volocopter, steht bei der Eröffnung eines Hangars für elektrisch angetriebene Flugtaxen vor einem Volocopter. Foto: Bernd Weißbrod/DPA
Dirk Hoke, Geschäftsführer von Volocopter, steht bei der Eröffnung eines Hangars für elektrisch angetriebene Flugtaxen vor einem Volocopter.
Foto: Bernd Weißbrod/DPA

Nach der Absage finanzieller Hilfe aus Baden-Württemberg und Bayern hat der Chef des badischen Flugtaxi-Herstellers Volocopter der Politik mangelnde Unterstützung vorgeworfen. »Natürlich richtet man in einer derart technologisch komplexen und kapitalintensiven Branche wie unserer auch den Blick in Richtung des Staates«, sagte Dirk Hoke in einem am Montag veröffentlichten »Capital«-Interview. Bund und Land betonten, zukunftsfähige Technologien fördern und Start-ups und innovative Projekte mit Wagniskapital ausstatten zu wollen. »Ohne die Weitsicht des ein oder anderen Politikers hätte es kein Airbus oder keine leistungsfähige Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland gegeben. Wir brauchen jetzt kurz vor der Kommerzialisierung Unterstützung.«

Bislang fehlt Volocopter eine Musterzulassung für den kommerziellen Passagierbetrieb. Die Firma hatte vielfach angekündigt, damit bei den Olympischen Spielen in Paris starten zu wollen. Eine Sprecherin teilte der Deutschen Presse-Agentur am Montag mit, nach wie vor sei Volocopter in Gesprächen mit der Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit Easa und der lokalen Behörde DGAC, um die Details zu klären. Man wolle dort fliegen. 

Verwunderung über Aiwangers Veto

Zudem braucht Volocopter eine millionenschwere Unterstützung. Baden-Württemberg, wo das Unternehmen in Bruchsal seinen Stammsitz hat, habe die Entscheidung über eine Bürgschaft ursprünglich verschleppt und dann schlecht kommuniziert, sagte Hoke in dem Interview. Dass in Bayern dann das Wirtschaftsministerium entgegen seiner Ankündigung eine Bürgschaft abgelehnt habe, könne er sich nicht so recht erklären.

Volocopter habe Minister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) das senkrecht abhebende und landende Fluggerät mit markantem Ring für die Rotoren auf dem Dach bei einem Flug präsentiert. »Es war ein positiver Besuch«, sagte Hoke. »Der Staatsminister hat viele gute Fragen gestellt, konnte sich davon überzeugen, was wir können, dass wir nicht nur eine Powerpoint-Firma sind. Auch das Feedback haben wir als positiv wahrgenommen.« Er habe auch signalisiert, nicht zu blockieren, falls ein anderes Ressort unterstützen wolle. 

Das Start-up habe dann gute Gespräche mit dem CSU-geführten Wissenschaftsministerium geführt, letztlich aber die Information bekommen, dass das Wirtschaftsministerium doch ein Veto eingelegt habe, führte der Firmenchef aus. »Da darf man sich zumindest wundern.« Aiwanger hatte mit seiner Entscheidung auch den Koalitionspartner verärgert.

Bei den Gesprächen ging es gleichermaßen um eine mögliche Standortverlagerung von Baden-Württemberg nach Bayern. Volocopter beschäftigt allein in Bruchsal den Angaben nach knapp 650 Mitarbeitende. Hoke hatte auch schon eine mögliche Insolvenz in den Raum gestellt - »eine Realität, mit der man sich als Start-up immer beschäftigen muss«, wie er in dem Interview sagt. »Außerdem ist es eine klare Botschaft an die Politik, zu handeln, bevor es zu spät ist.« Zuletzt war es um je 50 Millionen Euro vom Bund und Bayern gegangen. 

In Deutschland erstmal nur Luftrettung geplant

Neben Paris stehen auf der Liste jener Städte, an denen Volocopter zuerst an den Start gehen will unter anderem Rom und Osaka - aber keine deutschen. Das liege nicht an mangelndem Interesse an Deutschland, sagte die Sprecherin. Sondern vielmehr daran, wie die Städte in diesen Ländern aufgebaut und wie stark sie überlastet sind. 

Das Model Volocity ziele auf den städtischen Kurzverkehr ab, um Staus auszugleichen und andere Formen des öffentlichen Nahverkehrs zu verbinden. »Die deutschen Städte haben größtenteils autarke öffentliche Nahverkehrsnetze, und keine Stadt ist so dicht besiedelt«, sagte die Sprecherin. In Deutschland sei geplant, nach der Zertifizierung mit der ADAC-Luftrettung den Einsatz für medizinische und Rettungszwecke zu erproben.

Interview

© dpa-infocom, dpa:240506-99-936319/4