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Ursachensuche nach Absturz: Wie Segelflieger starten

Nach dem Absturz eines Segelflugzeugs kurz nach dem Start vom Flugplatz Hahnweide, bei dem der Pilot getötet wurde, ist die Betroffenheit unter Segelfliegern in der Region groß. Experten suchen jetzt nach der Unglücksursache. Laien fragen sich, wie gefährlich eigentlich der Start eines Segelflugzeugs ist.

So sieht es aus, wenn eine Motorwinde das Segelflugzeug in die Luft zieht.
So sieht es aus, wenn eine Motorwinde das Segelflugzeug in die Luft zieht. Foto: Luftsportverein Reutlingen
So sieht es aus, wenn eine Motorwinde das Segelflugzeug in die Luft zieht.
Foto: Luftsportverein Reutlingen

REUTLINGEN/ KIRCHHEIM TECK. »Der Segelflugsport ist sicher«, sagt Philipp Nierkamp als Ausbildungsleiter beim Luftsportverein Reutlingen. Das gilt auch für die Art und Weise, wie die Flugzeuge in die Luft kommen. Die beiden Startarten erklärt der Pilot gerne ausführlicher.

Beim Windenstart »wird das Flugzeug mit einer Motorwinde, die üblicherweise ein 1000 Meter langes Seil hat, steil hochgezogen. Dabei beschleunigt das Flugzeug auf etwa 100 Kilometer pro Stunde, und klinkt sich von alleine in einer Höhe von etwa 400 Metern aus«, beschreibt Nierkamp jenes Verfahren, das etwa auf dem Fluggelände auf dem Übersberg hundertfach zu bewundern ist. Wo liegen hier die Gefahren?

Wenn während des Windenstarts das Seil reißt, befindet sich das Flugzeug in einer steilen Lage, was vom Piloten entsprechende Flugmanöver erforderlich macht. »Wir trainieren in der Ausbildung immer wieder die sichere Beherrschung eines Seilrisses«, betont Nierkamp. Was aber, wenn sich das Schleppseil nicht von selbst lösen sollte? Kein Problem, denn natürlich kann es der Pilot jederzeit auch per Hand ausklinken. Bleibt noch ein Blick auf die zweite Startmethode.

Beim Flugzeugschlepp steht ein Motorflugzeug vor dem Segler, und zieht das antriebslose Fluggerät in die Luft. »Dazu nimmt man ein leistungsstarkes Motorflugzeug, an dem ein 40 Meter langes Kunststoffseil hängt, das am Segler befestigt wird«, beschreibt Nierkamp das Verfahren im Detail. Gestartet wird gemeinsam, »beide heben mehr oder weniger gleichzeitig bei etwa 100 bis 120 Stundenkilometern ab«. Der so genannte F-Schlepp ist teurer als ein Windenstart, hat aber manche Vorzüge.

Beim Flugzeugschlepp zieht ein Motorflugzeug den Segelflieger in die Höhe.
Beim Flugzeugschlepp zieht ein Motorflugzeug den Segelflieger in die Höhe. Foto: Luftsportverein Reutlingen
Beim Flugzeugschlepp zieht ein Motorflugzeug den Segelflieger in die Höhe.
Foto: Luftsportverein Reutlingen

»Flugzeugschlepps werden dann gemacht, wenn es gilt eine bestimmte Thermik (Auftriebsströmung in der Luft) zu erreichen. Verwendet wird er auch von Kunstfliegern, um auf 1000 Meter Höhe zu kommen, oder für einen Schlepp in Richtung Heimatflughafen«, so der Luftsportler. Beim F-Schlepp können beide Piloten jederzeit das Seil lösen. Auch für diese Startart werden Notfall-Verfahren ausgiebig eingeübt. »Der Nachteil beim F-Schlepp ist, dass das Flugzeug länger niedrig ist. Wenn da etwas passiert, ist das Zeitfenster zum Suchen eines Außenlandeplatzes kürzer«, erklärt der Reutlinger Fachmann.

Ganz gleich wie ein Segelflugzeug startet, jeder Startabbruch ist eine herausfordernde Situation für die Piloten, führt aber keinesfalls direkt in die Katastrophe. Segelflugzeuge fallen nicht einfach vom Himmel, wenn auf dem Weg in die Luft etwas nicht klappt. Und wenn der Heimatflughafen etwa wegen zu geringer Flughöhe nicht mehr erreichbar scheint, dann ist eine Außenlandung ein ganz normales Manöver.

Was dazu geführt hat, dass der auf der Hahnweide gestartete Flieger am Sonntagnachmittag kurz nach dem Start vom Flugplatz Hahnweide in ein nahe gelegenes Waldgebiet gestürzt ist, wird erst der Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung zeigen. Die Braunschweiger Experten werden jetzt die Wrackteile und alle Umstände des Unfalls genau unter die Lupe nehmen, und sich dafür mehrere Monate Zeit lassen. (GEA)