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Streit um Freiburger Benin-Objekte vor Gericht

In Museen gibt es noch oft geraubte Überreste anderer Kulturen. Freiburg beschloss, Benin-Kunstobjekte an Nigeria zurückzugeben. Doch es gibt Widerstand.

Justitia
Blick auf die Justitia über dem Eingang eines Landgerichts. Foto: Hendrik Schmidt/DPA
Blick auf die Justitia über dem Eingang eines Landgerichts.
Foto: Hendrik Schmidt/DPA

Der Rechtsstreit um die Rückgabe von wertvollen Benin-Kunstobjekten aus Freiburg an Nigeria wird am Donnerstag (10.00 Uhr) vor dem Freiburger Verwaltungsgericht verhandelt. Ein AfD-Stadtrat hatte gegen das Vorhaben geklagt. Er argumentierte, nach einem Beschluss des damaligen nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari sollten zurückgegebene Benin-Bronzen an den Oba als Oberhaupt des Königreichs Benin übertragen werden und damit nicht an den Staat Nigeria.

Der Oba herrschte als König über das Reich Benin im heutigen Südwesten von Nigeria, das bis 1897 bestand. Ewuare II. ist der amtierende Oba von Benin. Er kämpft wie seine Vorgänger für die Rückführung der Bronzen nach Nigeria. Die Stücke sollen im Palast oder an anderen Orten in Benin City aufbewahrt werden. Die Bronzen dürfen nur noch mit Genehmigung des Oba etwa als Leihgaben herausgegeben werden.

Die Klage richtet sich nach Angaben des AfD-Stadtrats Detlef Huber gegen den Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos). Der Gemeinderat der Schwarzwaldmetropole hatte im vergangenen Februar fast einstimmig beschlossen, zehn sogenannte Benin-Bronzen zurückzugeben, die in der Ethnologischen Sammlung des Museums Natur und Mensch aufbewahrt werden.

Wie die Stadt Freiburg mitteilte, wird sie sich erst nach Abschluss des Verfahrens äußern. »Der Status der Objekte hat sich nicht geändert«, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Die städtischen Museen haben demnach noch nicht mit der für den Restitutionsprozess zuständigen National Commission for Museums and Monuments Nigeria (NCMM) gesprochen. Die Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialem Kontext sei aber informiert.

Deutschland hatte nach früheren Angaben Ende 2022 zunächst 20 Benin-Bronzen aus Museen in Berlin, Hamburg, Köln, Stuttgart und Dresden/Leipzig an Nigeria zurückgegeben. Die Abmachungen sehen weiterhin Präsentationen von Stücken auch in Deutschland vor. Die Objekte, die neben Bronze auch aus Elfenbein und anderen Materialien gefertigt sind, stammen größtenteils aus britischen Plünderungen im Jahr 1897.

© dpa-infocom, dpa:240124-99-737452/2