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Parteien investieren verstärkt in digitalen Wahlkampf

Wer glaubt, digitaler Wahlkampf sei günstiger als der klassische Wahlkampf, der täuscht sich. Die Parteien fassen immer tiefer in die Taschen, um Facebook und Co. bespielen zu können.

Sitzung Landtag Baden-Württemberg
Der Landtag in Baden-Württemberg Foto: dpa/Gollnow
Der Landtag in Baden-Württemberg
Foto: dpa/Gollnow

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Corona-Pandemie hat bei den Parteien einen Digitalisierungsschub ausgelöst. Einsparen lässt sich dabei nichts - im Gegenteil. Oliver Hildenbrand, der mit Sandra Detzer die Grünen in Baden-Württemberg führt, kann ein Lied davon singen: »Unser digitaler Landesparteitag war deutlich teurer als unsere sonst üblichen Parteitage in Präsenz.« Technik und rare IT-Experten müssen bezahlt werden. Die Öko-Partei hat in der Stuttgarter Landesgeschäftsstelle in zwei Studios investiert. Bei den Grünen gehen von 1,6 Millionen Euro Wahlkampf-Etat 300 000 Euro auf das Konto des digitalen Auftritts. Vor fünf Jahren entfielen von einer Gesamtsumme von 1,3 Millionen Euro gerade mal 50 000 auf das Digitale.

Bei der SPD mit einem Wahlkampfbudget zwischen 1,8 und 1,9 Millionen Euro hat sich der Betrag für Werbung in den sozialen Medien verfünffacht. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren lagen die Gesamtaufwendungen noch bei 2,4 Millionen Euro, wie eine Parteisprecherin sagte, ohne die Ausgaben für Facebook und Co. zu beziffern.

Auf die CDU hat beim Digitalen massiv zugelegt: Von 2,5 Millionen Euro Wahlkampfausgaben stehen dafür 500 000 Euro bereit - 2016 waren es bei gleichem Budget nur 20 000 Euro. Seit 2017 hat die Partei eine Digitalagentur engagiert. CDU-Generalsekretär Manuel Hagel erlebt, dass fast wöchentlich versucht wird, Experten abzuwerben - bislang noch ohne Erfolg.

Bei der FDP fließt etwa ein Drittel der Gesamtsumme von 800 000 Euro in digitale Angebote - vor fünf Jahren war es ein deutlich kleinerer Anteil von 600 000 Euro.

© dpa-infocom, dpa:210214-99-433446/2

Swantje Sperling

Prof. Frank Brettschneider