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Nazi-Einflüsse entfernt: Neue Buchstabiertafel von A bis Z

Für klare Kommunikation muss manchmal buchstabiert werden. Die Vorlage dafür war bisher kaum gendergerecht, zudem noch von Nazis beeinflusst. Nun sollen es Städtenamen richten. Ein Buchstabe behält seine Sonderstellung.

Stuttgart hat es nicht geschafft, auch Augsburg blieb auf der Strecke. Und Bremen ist als einziges Bundesland nicht dabei. Buchstabiert wird künftig von A wie Aachen bis Z wie Zwickau. Nach intensiven Beratungen hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) in B wie Berlin die neue Buchstabiertafel veröffentlicht. Die DIN 5009 für »Ansagen und Diktieren von Texten und Schriftzeichen« greift jetzt fast durchgehend auf Städtenamen zurück.

Bislang wurden vor allem Vornamen benutzt, etwa C wie Cäsar oder E wie Emil. 16 Männernamen standen dabei sechs Frauennamen gegenüber. Darunter auch das X für den negativ besetzten Namen Xanthippe. Die Ehefrau des griechischen Philosophen Sokrates gilt - ohne historische Belege - als Inbegriff eines zänkischen Weibes. Das ist nun mit Xanten gelöst.

Die ungleiche Namensverteilung entsprach aus Sicht des Instituts »nicht der heutigen Lebensrealität«. Gleichzeitig schien es auch nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen zudem geschlechtergerecht ausgewogen darzustellen.

Städtenamen sollten ein guter Kompromiss sein. »Städtenamen sind sehr eingängig und, anders als Vornamen, nicht der Mode unterworfen«, heißt es beim DIN-Team. Junge Menschen etwa oder eine zunehmend migrantisch geprägte Gesellschaft können mit K wie Köln vielleicht eher etwas anfangen als mit dem bisherigen K wie Konrad.

Damit gibt es auch kein zurück zum alten N wie Nathan. Die Nationalsozialisten hatten den jüdischen Vornamen durch Nordpol ersetzt, der ihnen als Herkunftsort der Arier galt. Für den Buchstaben N steht künftig Nürnberg. Das Institut hatte aber im Lauf der Diskussion angekündigt, symbolisch zusätzlich eine weitere Tafel zu veröffentlichen, die auf die Weimarer Republik zurückgeht und jüdische Vornamen enthält.

Anstoß für die Neugestaltung der Buchstabiertafel war auch ein Hinweis des baden-württembergischen Antisemitismusbeauftragten Michael Blume. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden alle jüdischen Namen in der Tafel ersetzt.

Feuerwehrleute, Sekretariate, kaufmännische und andere Berufe, die die Buchstabiertafel noch für ihre Kommunikation nutzen, hatten sich dem Institut zufolge nun etwas aus ihrer Lebenswelt gewünscht. Da gehören deutsche Städte dazu.

Schon die Befassung mit einer möglichen Überarbeitung der Buchstabiertafel hatte allerdings Diskussionen ausgelöst. Die Anwendung von Norm und Buchstabiertafel sei freiwillig, hieß es nun in einer Mitteilung. Gedacht ist sie vor allem für Wirtschaft und Verwaltung. International wird ohnehin anders buchstabiert, basierend auf dem Englischen.

Die eingesetzte Kommission hat nun im Vergleich zu einem ersten Entwurf noch einmal neun Städtenamen ersetzt. So musste Augsburg Aachen weichen, um den Doppellaut »Au« am Anfang zu vermeiden. Ein ähnliches Schicksal ereilte Stuttgart mit seinem »St«. Nun heißt es: S wie Salzwedel. Andere Großstädte wie B-erlin, H-amburg und M-ünchen setzten sich durch. Die Umlaute Ä, Ö, Ü haben gar keine Städte abbekommen. Wer etwa ein Ü buchstabieren will, kann jetzt »Umlaut Unna« angeben.

Jetzt also nur Städte? Fast. Beim Y greift das DIN-Team weiter auf das Ypsilon zurück. Möglich gewesen wären auch Yach oder Yorckgebiet. Allerdings hätten das kleine Dorf im Schwarzwald oder der Stadtteil von Chemnitz in der nach Klarheit strebenden Buchstabiertafel wohl doch die eine oder andere Nachfrage aufgeworfen.

Mitteilung

Erläuterung DIN

Antisemitismusbeauftragter

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