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Nach Ohrfeige an Waldorfschule: Aufarbeitung gefordert

Eine Ohrfeige an einer Waldorfschule in Schwäbisch Hall sorgt für Aufsehen. Die Landesarbeitsgemeinschaft fordert Aufarbeitung. Und stellt drastische Konsequenzen in Aussicht.

Unterricht
Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer während des Englischunterrichts. Foto: Marijan Murat/DPA
Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer während des Englischunterrichts.
Foto: Marijan Murat/DPA

Nachdem eine Lehrerin an einer Waldorfschule in Schwäbisch Hall einen Schüler geohrfeigt haben soll, fordert die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Baden-Württemberg (LAG) eine Aufarbeitung. Wie eine Sprecherin am Freitag mitteilte, geht es unter anderem um die Unterzeichnung eines sogenannten Gewaltpräventions-Schutz-Konzeptes. »Es gibt grundsätzlich für alle Schulen die Forderung, das Konzept zu unterschreiben«, hieß es weiter. Doch bisher würden noch nicht alle Unterschriften von der an der Schule Beschäftigten vorliegen.

Die LAG stellt konkrete Forderungen an die Waldorfschule. In einer Mitgliederversammlung am 9. April sollen unter anderem ein neuer Vorstand gewählt und die Aufgaben der Geschäftsführung neu definiert werden, teilte die LAG mit. Zudem sei das unterschriebene Schutzkonzept erforderlich.

Wenn die Forderungen nicht erfüllt werden sollten, könne es bis zum »Antrag auf Ausschluss und dem Verlust des Marken-/ Namensrechts gehen«, so die LAG. Darüber hinaus gebe es Voraussetzungen für eine Genehmigung für eine Schule in Freier Trägerschaft, die zwingend einzuhalten seien. »Sollten diese nicht vollumfänglich umgesetzt werden, kann dies zur Schließung des Schulstandortes führen«, hieß es weiter.

Wie die Staatsanwaltschaft Heilbronn am Montag bestätigte, wurde die Lehrerin wegen einer Ohrfeige gegenüber einem Schüler zu einer Geldstrafe verurteilt. »Wir bedauern es zutiefst, dass Schülerinnen und Schüler an unserer Schule zu Schaden gekommen sind«, teilte die Waldorfschule am Montag in einem Statement auf Nachfrage mit.

Die Schule spricht von einer »Zuspitzung der Geschehnisse«, durch die der eigentliche Schulbetrieb in Mitleidenschaft gezogen werde. »Das muss sich ändern und das wird es«, hieß es weiter. Es werde mit Nachdruck an einem Veränderungsprozess gearbeitet. Bisher hätten vor allem intransparente Prozesse und ungeklärte Führung dazu geführt, dass das Verhältnis von operativem Geschäft und Verantwortung gestört wurde. Daher sollen nach Aussage der Schule die Strukturen angepasst werden. Welche Maßnahmen dafür eingeleitet würden, teilte die Schule nicht mit.

An der Waldorfschule war es in der Vergangenheit bereits zu gewalttätigen Vorfällen gekommen. So war 2021 ein Lehrer der Schule wegen sexuellen Missbrauchs zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden.

Aufgrund der Vorfälle an Waldorfschule haben viele Schüler und Schülerinnen die Schule verlassen. Seit dem sexuellen Missbrauch im Jahr 2019 habe es nach Angaben der LAG einen Rückgang von 30 Prozent gegeben. Aktuell würden noch 316 Schülerinnen und Schüler die Schule besuchen.

© dpa-infocom, dpa:240309-99-275516/4