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Kommunen spendieren Geld für Mehrwegwindeln

Bis ein Kind »sauber« ist, wird es durchschnittlich 5000 bis 6000 Mal gewickelt. Die Kommunen müssen die gebrauchten Plastikwindeln entsorgen. Zu ihrer Entlastung versuchen sie, den Eltern den Umstieg auf Alternativen finanziell zu versüßen.

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Ein wenige Wochen altes Baby ballt seine Hand zu einer kleinen Faust. Foto: Annette Riedl/DPA
Ein wenige Wochen altes Baby ballt seine Hand zu einer kleinen Faust.
Foto: Annette Riedl/DPA

Etliche Städte im Südwesten entlasten Familien, wenn sie Stoff- statt Einwegwindeln für ihren Nachwuchs verwenden. Jetzt belohnt mit Mannheim auch eine der großen Kommunen das Umweltbewusstsein der Eltern. Zunächst bis Ende dieses Jahres sollen Zuschüsse von bis zu 100 Euro für Mehrwegwindeln gewährt werden. »So vermeiden wir nicht nur Plastikabfall, sondern schonen auch wertvolle Ressourcen, die bei der Herstellung von Einwegwindeln verbraucht werden«, erklärte die unter anderem für Abfallwirtschaft zuständige Bürgermeisterin Diana Pretzell (Grüne).

Die Alternative zu Einwegwindeln sind beispielsweise Baumwollwindeln mit Vlieseinlage, die durch eine Überhose zusammengehalten werden. Mit in der Regel einmaligen Prämien wollen viele Kommunen Eltern zum Umstieg animieren und so ihre Abfallmenge signifikant verringern.

Manche Kommunen fördern zudem Inkontinenzwindeln. So etwa Göppingen, wo in beiden Fällen bis zu 50 Euro beantragt werden können. Auch Singen (Landkreis Konstanz) hat Menschen mit Blasenschwäche im Blick und stellt ihnen wie den Kleinkindern auf Antrag 100 Euro bereit.

Der Bodenseekreis ruft seine Bürger ebenfalls auf, auf Einwegwindeln zu verzichten. Dadurch könnten schon in den ersten zwei bis drei Lebensjahren eines Kindes rund 1100 Kilogramm Abfall eingespart werden. Dem Abfallwirtschaftsamt ist das - oder die Nutzung eines Windeldienstes - eine Unterstützung von 30 Euro pro Kind wert. »Das ist ein großer Teil unseres Hausmülls«, betont die Stadt Rheinstetten im Landkreis Karlsruhe auf ihrer Internetseite. Einmalig 50 Euro pro Kind lässt sich die Verwaltung die Abkehr vom Einweg kosten.

Fast 95 Prozent aller Kinder in Deutschland tragen laut Bundesumweltministerium in den ersten Lebensjahren Einwegwindeln. In der gesamten Wickelphase kommt man demnach auf rund 5000 Windeln pro Kind, die Stadt Mannheim geht sogar von bis zu 6000 Stück aus. Täglich würden insgesamt zehn Millionen Einwegwindeln verbraucht, heißt es beim Bundesministerium. So kämen fast 155 000 Tonnen Windeln pro Jahr allein in Deutschland zusammen.

Zusätzlich sind bundesweit auch rund fünf Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen. Allein in der ambulanten Versorgung durch die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen werden dem Ministerium zufolge täglich etwa 4,9 Millionen Inkontinenzprodukte eingesetzt.

Im Detail gibt es Unterschiede bei der Handhabung des Themas bei den Kommunen. Im Landkreis Calw etwa sind nur Babys im Alter von maximal sechs Monaten für eine Förderung von 50 Euro antragsbrechtigt. In Singen, Mannheim und Rheinstetten (Landkreis Karlsruhe) endet die Antragsfrist mit dem dritten Lebensjahr.

Die Kommunen heben die gesundheitlichen Vorteile von Stoffwindeln hervor: Es komme mehr Luft an Babys Popo. Durch weniger Einsatz von Chemie seien Reizungen, Hautinfektionen und Windelallergien seltener. Da es zudem in der Windel nicht so warm werde, könnten sich Keime schlechter vermehren als in Einwegwindeln. Zudem seien stoffgewickelte Kinder meist schneller trocken.

Mannheim betont auch wirtschaftliche Aspekte: Mehrwegwindeln seien im Vergleich zu Einwegwindeln günstiger. »Einmal angeschafft, können Mehrwegwindeln beliebig oft gewaschen, von Geschwisterkindern getragen oder nach der Wickelzeit weiterverkauft werden.«

Singen zum Windelgeld

Landkreis Calw zu Windelzuschuss

Rheinstetten zu Windelzuschuss

Zahlen des Bundesumweltministeriums

Stadt Mannheim zu Windelgeld

Göppingen zum Zuschuss

Bodenseekreis zu Wickeln ohne Abfall

© dpa-infocom, dpa:230715-99-411320/2