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Bürgermeister entlang der Gäubahn fürchten Abkopplung

Mindestens sieben Jahre lang müssen Fahrgäste zum Bodensee in einem Stuttgarter Vorort umsteigen. Bürgermeister entlang der Strecke fürchten, dass das Provisorium Dauerzustand werden könnte.

Gäubahn - Baden-Württemberg
Ein Zug fährt auf der Gäubahnstrecke. Foto: Christian Johner/DPA
Ein Zug fährt auf der Gäubahnstrecke.
Foto: Christian Johner/DPA

Mehrere Oberbürgermeister von Städten entlang der Gäubahn befürchten, dass die Bahnstrecke zwischen Singen und Stuttgart dauerhaft vom Stuttgarter Hauptbahnhof abgekoppelt werden könnte. »Bereits die bisher stets angedachten mindestens sieben, real eher zehn Jahre wären für die Akzeptanz des Schienenverkehrs in unserer Region verheerend gewesen. Nun sieht es so aus, als ob wir damit auf Dauer leben müssten«, schreiben die Kommunalpolitiker in einem am Montag veröffentlichten Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Stuttgart 21-Projektgesellschaft, Olaf Drescher. Unterzeichnet ist das Schreiben von den Oberbürgermeistern der Städte Tuttlingen, Böblingen, Singen, Horb am Neckar, Villingen-Schwenningen, Rottweil und Herrenberg.

Nach den bisherigen Planungen soll die Gäubahn zwischen Stuttgart und Singen/Zürich ab dem Jahr 2025 für mehrere Jahre vom Hauptbahnhof Stuttgart abgetrennt werden. Reisende sowie Pendlerinnen und Pendler müssten dann auf dem Weg dorthin in Stuttgart-Vaihingen in die Stadt- oder S-Bahn umsteigen. Der elf Kilometer lange Pfaffensteigtunnel soll von Böblingen die Züge der Gäubahn künftig über den Flughafen direkt an die neue Zulaufstrecke zum Tiefbahnhof in Stuttgart bringen. Er soll frühestens 2032 fertiggestellt sein.

Die Oberbürgermeister fürchten allerdings, dass der Tunnel erst einmal gar nicht gebaut wird. Es werde »von Tag zu Tag deutlicher, dass der als «Allheilmittel» für die Gäubahn angedachte Pfaffensteigtunnel bis auf Weiteres kaum Chancen auf Realisierung hat«, heißt es in dem Schreiben. Das hätte sinkende Fahrgastzahlen zur Folge und würde eine Abwärtsspirale der Strecke in Gang setzen, fürchten die Rathauschefs. Sie fordern deswegen, die Kappung erst durchzuführen, wenn der neue Tunnel auch gesichert sei. »Das heißt: Keine Kappung, solange der Pfaffensteigtunnel nicht planfestgestellt, nicht vertraglich abgesichert und im Bundeshaushalt enthalten und beschlossen ist«, schreiben sie.

Die Initiative Pro Gäubahn Rottweil forderte am Montag in Stuttgart, dass die Züge auf der bisherigen Strecke weiter zum Stuttgarter Hauptbahnhof fahren sollen - mindestens bis der neue Tunnel fertiggestellt ist.

© dpa-infocom, dpa:240318-99-379357/2