Logo
Aktuell Fussball

Wo sind die eigenen Talente des VfB Stuttgart?

Seit Timo Baumgartl in der Saison 2014/15 hat kein Spieler aus dem Nachwuchs des VfB Stuttgart mehr den großen Durchbruch beim Fußball-Bundesligisten geschafft. Ein Erklärungsversuch, warum das der Fall ist.

Hat den Durchbruch nicht geschafft: Eigengewächs Lilian Egloff. Foto: Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
Hat den Durchbruch nicht geschafft: Eigengewächs Lilian Egloff.
Foto: Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank

STUTTGART. Der VfB Stuttgart spielt die erfolgreichste Saison seiner Bundesliga-Geschichte. Die Mannschaft von Erfolgscoach Sebastian Hoeneß hat nach 25 Spielen bereits 53 Punkte eingefahren. Bei all dem berechtigten Hype um Guirassy, Undav, Führich und Co. – ein Punkt gerät häufig in Vergessenheit: Kein Spieler aus dem eigenen Nachwuchsbereich spielt derzeit eine Rolle beim Tabellendritten. Warum kommt seit Jahren kein VfB-Talent mehr in der Bundesliga an? Diese Frage hat ein GEA-Leser gestellt.

Die besorgniserregende Statistik: Seit Timo Baumgartl in der Saison 2014/15 hat kein Nachwuchskicker aus den eigenen Reihen nachhaltig den großen Durchbruch beim VfB in der Bundesliga gepackt. Obwohl es vor einiger Zeit danach aussah, als könnte Lilian Egloff die Talente-Dürre des VfB beenden. Auf dem Heilbronner, der 2020 zu den Profis stieß, ruhten die Hoffnungen der Stuttgarter Fans. Der Offensivspieler galt zu dieser Zeit als das Aushängeschild der VfB-Jugend. Vier Jahre später stehen auf seinem Statistikbogen allerdings nur ernüchternde 21 Bundesliga-Einsätze ohne Torbeteiligung zu Buche.

Lilian Egloff als Negativbeispiel

»Offensichtlicher kann es nicht sein, dass man hier eine Position für sich gewinnen könnte. Wenn man jetzt etwas gierig ist, kann man sich relativ leicht eine Position erspielen«, sendete Ex-Trainer Bruno Labbadia im Januar 2023 eine klare Botschaft in Richtung des 21-Jährigen. Doch weder unter Labbadia noch unter Nachfolger Hoeneß schaffte Egloff den Durchbruch. Sein im Sommer auslaufender Vertrag soll nicht verlängert werden.

Auf der Spurensuche nach Antworten bezüglich der Talente-Misere rückt vor allem ein Punkt in den Fokus: Reicht die Qualität der Stuttgarter Nachwuchskicker für ganz oben einfach nicht ganz aus? Gut möglich. Eine pauschale Antwort verbietet sich aber. Denn zur ganzen Wahrheit gehört, dass in den vergangenen Jahren der Fokus nicht immer primär auf der Einbindung eigener Nachwuchsspieler lag. So hatte Ex-Sportdirektor Sven Mislintat vor allem den internationalen Markt im Blick. In seiner knapp dreijährigen Schaffenszeit verpflichtete der 51-Jährige 16 externe Spieler im Alter von unter 21 Jahren. Nicht selten bediente sich Mislintat dabei bei ausländischen Clubs.

Die U 23 rückt in den Fokus

Gleichzeitig spielt auch die hauseigene U 23 in dieser Frage eine Rolle, die in der Regionalliga Südwest beheimatet ist. »Ich habe selbst erlebt, wie positiv es sein kann, wenn eine zweite Mannschaft Dritte Liga spielt«, sagte VfB-Coach Hoeneß, der 2020 mit der U 23 des FC Bayern und Angelo Stiller in der Mittelfeldzentrale überraschend Drittliga-Meister wurde.

Was der 44-Jährige damit meint? Die unterste Profiliga in Deutschland diente in den vergangenen Jahren häufig – wie im Falle von Stiller – als optimales Sprungbrett für talentierte Spieler. Vor allem die U 23 des SC Freiburg ist ein perfektes Beispiel dafür. Gleich vier Spieler aus dem letztjährigen Kader haben in dieser Saison den festen Sprung zu den Profis geschafft. Würde die zweite Mannschaft des VfB ebenfalls in dieser Liga um Punkte kämpfen, hätten die besten Talente schon frühzeitig die Chance, Spielpraxis auf sehr hohem Niveau zu sammeln. Der immense und fast zu große Leistungssprung zwischen der Regional- und Bundesliga wie derzeit würde deutlich geringer ausfallen.

»Goldener« 2005er-Jahrgang

Das würde dazu führen, dass man talentierte Jungs, die zu gut für die Regionalliga, aber noch nicht bereit für die Bundesliga sind, im Club behalten könnte und sie nicht ausleihen müsste. So passiert bei Angreifer Thomas Kastanaras, der bislang vier Bundesliga-Partien absolviert hat und in der Winterpause an Drittligist SSV Ulm 1846 verliehen wurde. Das wäre insbesondere für Jungs wie Laurin Ulrich, Samuele di Benedetto und auch Dennis Seimen die ideale Möglichkeit, ihre ersten Schritte im Profigeschäft zu gehen.

Das Trio gehört dem als goldenen betitelten 2005er-Jahrgang des VfB an. Der 19-jährige Offensivspieler Ulrich wurde 2022 etwa mit der Fritz-Walter-Medaille, die höchste Auszeichnung für Nachwuchsspieler in Deutschland, in Silber ausgezeichnet und feierte in der vergangenen Saison sein Bundesliga-Debüt.

Hier können Sie fragen

Sie haben eine Frage oder eine Anregung für ein Thema? Dann schicken Sie diese per E-Mail an
leserfragen@gea.de

Der 18 Jahre alte Seimen zählt zu den größten deutschen Torwart-Talenten und ist aktuell die Nummer drei beim VfB. Di Benedetto ist ebenso wie seine beiden Kollegen mit einem Profivertrag ausgestattet worden. Der 18-Jährige gab gegen RB Leipzig sein Debüt. Der Böblinger Luca Raimund – ebenfalls Jahrgang 2005 – kommt sogar schon auf zwei Profi-Einsätze in dieser Saison. Und dann gibt es auch noch Verteidiger Maximilian Herwerth aus der A-Jugend, der mit der deutschen U 17 Weltmeister wurde. Die Chancen, dass endlich mal wieder ein VfB-Talent den Durchbruch schafft, stehen so gut wie lange nicht mehr. (GEA)