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Nachgefragt  - Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes über Chancen und Risiken bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang

Eine Mischung aus Demut und Realismus

DAS GESPRÄCH FÜHRTE THOMAS WEISS

PYEONGCHANG. Alfons Hörmann ist sehr gerne nach Südkorea geflogen. Endlich einmal keine Dauerbefragungen wegen der Leistungssportreform in Deutschland. Aber die werden den nicht mehr unumstrittenen Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Pyeongchang schneller einholen als er denkt.

Ziemlich kühl in Südkorea: Streif-Sieger Thomas Dressen nach dem Abfahrtstraining. Foto: Witters
Ziemlich kühl in Südkorea: Streif-Sieger Thomas Dressen nach dem Abfahrtstraining. Foto: Witters
GEA: Keiner zweifelt an der Organisation der Südkoreaner. Leidet darunter aber nicht das Flair - ähnlich wie zuletzt in Sotschi?

Alfons Hörmann: Das Flair leidet sicher nicht an einer perfekten Organisation. Die ist im Gegenteil sehr wichtig, damit die Athleten mindestens ihre aus dem Weltcup gewohnten Rahmenbedingungen vorfinden. Ansonsten bin ich einfach gespannt, wie die Spiele vor Ort ankommen. Eine Besonderheit der jeweiligen Spiele sind dann eben auch die regionenspezifischen Elemente.



Wie sehen Sie als Vorstandsmitglied des Internationalen Skiverbandes die Entwicklung weg von den traditionellen Alpenregionen?

Hörmann: Ich sage ganz offen, dass wir vor Pyeongchang mit erheblicher Wehmut nach München zurückgeblickt haben. Denn die Vergabe an Pyeongchang im Jahr 2011 erfolgte im Wettrennen gegen unser Münchner Olympia-Konzept. Natürlich wünschen wir uns Winterspiele wieder in einer der klassischen Wintersportregionen in Europa. Aber wir wissen auch, dass es nicht einfach wird, die notwendigen Mehrheiten dafür zu sichern.



Glauben Sie, dass das Thema Doping diese Winterspiele nicht nur im Vorfeld, sondern auch im Verlauf beherrschen wird?

Hörmann: Es ist in den vergangenen eineinhalb Jahren viel dafür getan worden, dass sich so ein unwürdiges und inakzeptables Szenario wie in Sotschi nicht wiederholen wird. Speziell für Pyeongchang wurden im vorolympischen Testprogramm mehr als 14000 Tests durchgeführt. Dabei lag der Schwerpunkt auf den Top 20 der Welt in allen Sportarten und insbesondere auf den russischen Athleten. Das hat zur Folge, dass russische Sportler mit 2492 Tests am meisten kontrolliert wurden - übrigens vor den Deutschen mit 1474 Kontrollen. Russland hat mehr Kontrollen als die USA mit 1019 und Kanada mit 938 zusammen. Und die russischen Athleten wurden von der britischen, nicht von der russischen Anti-Doping-Agentur kontrolliert, womit hoffentlich ein ganz wesentlicher Schritt zu mehr Chancengleichheit gegeben ist.



In Bob und Eisschnelllauf gingen deutsche Sportler in Sotschi leer aus. Konnten Sie an Stellschrauben drehen, die eine Verbesserung erwarten lassen?

Hörmann: Im Bob haben wir nach kritischen und offenen Gesprächen mit dem Institut für Forschung und Entwicklung für Sportgeräte und dem Bob- und Schlitten-Verband versucht, die Strategie der Materialentwicklung positiv zu beeinflussen. Und der Verband hat auch in personellen Fragen reagiert und den Trainerstab neu aufgestellt. Das waren wesentliche Weichenstellungen, die nun hoffentlich Früchte tragen. Im Eisschnelllauf habe ich mich persönlich für eine personelle Neuaufstellung eingesetzt. Dass Robert Bartko aus dem Sommersport den Posten des Sportdirektors in einer Wintersportart übernahm, wurde zunächst kritisch bewertet. Aber mittlerweile sieht man, was er entwickelt hat. Jetzt hat man eben nicht nur Claudia Pechstein, sondern auch andere Athleten, die zumindest wieder Chancen auf vordere Platzierungen haben.



Nach 30 Medaillen in Vancouver und der Negativ-Ausbeute in Sotschi hat der DOSB das Medaillenziel verhalten formuliert. Warum?

Hörmann: Weil ich nach fast zwei Jahrzehnten in der Verantwortung für den Spitzensport mit einer Mischung aus Demut und Realismus auf die Olympischen Spiele blicke. Wir haben in dieser Saison schon schmerzliche Ausfälle erlebt, ich denke nur an die klassischen Medaillenkandidaten wie Felix Neureuther oder Stefan Luitz oder Heidi Zacher. Auch Skispringer Severin Freund fehlt dem Team massiv.



Sieben deutsche Medaillenkandidaten sitzen wegen Kreuzbandrissen zu Hause. Müssen Sie sich nicht generell mehr Gedanken zur Sicherheit machen?

Hörmann: Die Sicherheit der Athletinnen und Athleten steht an erster Stelle. Auch die Vorfälle in dieser Saison werden von den zuständigen Verbänden intensiv analysiert. Gerade Kreuzbandrisse kommen im Skisport leider immer wieder vor, und ganz wird man das Risiko nie ausschließen können, aber jeder Fall ist schmerzlich. Aktuell können wir den Verletzten nur die Daumen drücken. (GEA)

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