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Fußball - Beim FSV Mainz 05 herrscht eine gefährliche Stimmungslage - das Pokal-Aus in Frankfurt nährt grundsätzliche Zweifel an der Bundesliga-Tauglichkeit

Wie am Aschermittwoch

VON FRANK HELLMANN

FRANKFURT. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Aber Fakt ist, dass die wutentbrannten Gesichter, die erhobenen Fäuste und die lautstarken Beschimpfungen so gar nicht zu der fröhlichen Maskerade passten. Die Anhänger des selbst ernannten Karnevalsverein FSV Mainz 05 hatten sich schon zwei Tage vor Weiberfasching ihre Pappnasen aufgesetzt, Tierkostüme angezogen oder Clownschminke aufgetragen, um das Brauchtum in die Nachbarstadt Frankfurt zu tragen, doch dass das DFB-Pokalviertelfinale bei der Eintracht (0:3) eine Stimmungslage wie am Aschermittwoch bringen würde, damit hatte niemand gerechnet. Entsprechend geharnischt fielen im Gästeblock die Proteste aus.

»So kannst du in keiner Liga der Welt ein Spiel gewinnen«, räumte Trainer Sandro Schwarz ein. »Wir waren als Mannschaft nicht auf dem Platz. Es ist grob fahrlässig, wie wir agieren. So geht das nicht. Wenn keine Energie und Schärfe im Spiel ist, haben wir keine Chance. Dazu fehlt uns die Qualität. Dieses Problem müssen wir schleunigst beheben.« Der 39-Jährige wohnt zwar im Frankfurter Stadtteil Niederrad, zehn Minuten Fußweg vom Ort der Schmach entfernt, aber der über die Spieler- und Trainerkarriere mit den Nullfünfern emotional eng verbandelte Familienvater spürt, dass die Stimmung zu kippen droht.

Die Auswärtsspiele am Samstag bei der TSG Hoffenheim und gleich am Freitag darauf bei Hertha BSC werden nun zum Mainzer Stimmungstest. Dass die erst in diesem Jahrtausend eingeleitete Entwicklung zum etablierten Bundesligisten eng damit verbunden ist, dass der langjährige Manager Christian Heidel, wie Schwarz ein gebürtiger »Meenzer«, einst mitten in den närrischen Tagen die fixe Idee umsetzten, den Spieler Jürgen Klopp zum Trainer zu machen, muss nichts heißen.

Den Trainer im Stich gelassen

Mutmaßlich kann sich Schwarz auch noch weitere Niederlagen, speziell morgen an der A6 in Sinsheim leisten, aber seine Spieler dürfen ihn nicht mehr so im Stich lassen wie in diesem absurden Pokalspiel. »Ich stellte mich immer vor die Mannschaft. Aber damit ist Schluss. Ich werde sie nicht in Watte packen. Und das geht bis Samstag weiter«, schimpfte der Cheftrainer. »Wir schießen uns selber drei Tore rein. Wahnsinn!« wetterte Sportvorstand Rouven Schröder und spielte auf den ersten Fauxpas von Stammtorwart René Adler und die zwei Blackouts des Verteidigers Alexander Hack an. »Meine Rückkehr kam unverhofft - und sie war unverhofft schlecht«, sagte Schlussmann Adler, der nach eigenem Bekunden »Krieg mit meinen Füßen« führte. Der 33-Jährige hofft nun, dass die peinliche Pleite »der letzte Hallo-Wach-Effekt« gewesen sei.

Die Frage muss erlaubt sein, warum die in der Liga auf Rang 16 abgerutschten Rheinhessen so häufig Elementar-Tugenden vermissen lassen. Brosinski hatte bereits in der Hinrunde die Rückschläge in Freiburg oder gegen Augsburg mit fehlender Einstellung erklärt. Stimmt die Kaderzusammenstellung? Schröder hat zwar Sommer und Winter prominentere Namen geholt (Adler, Nigel de Jong, Anthony Ujah), aber die Mannschaft nicht wehrhafter gemacht. Der erste Startelfeinsatz des zurückgeholten Mittelstürmers Ujah diente als weiterer Beleg, dass China-Abstecher allein dem Geldbeutel eines Berufsfußballers gut tun.

Und Abräumer de Jong hatte seinen stärksten Auftritt am Mikrofon, als er den Finger in die Wunde legte: »Darüber muss geredet werden. Das ist ein Tiefpunkt.« Schwarz sprach von »einem Tiefschlag«. Unabhängig von der Formulierung: Der Haussegen hängt gerade ziemlich schief in der Fastnachtshochburg. (GEA)



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