VfB Stuttgart
VfB Stuttgart - Mönchengladbach 1:0 - Frühe Führung durch Daniel Ginczek entscheidet gegen eine verunsicherte Borussia

Erster Sieg für »Feldherr« Korkut

VON CHRISTOPH FISCHER

STUTTGART. Da steht er nun in der Arena, wo er immer hinwollte. Beide Hände in die Hüfte gestemmt. Sehr her, ich bin der Neue, ich weiß, wie es geht. Möglicherweise besser als Vorgänger Hannes Wolf. An Selbstbewusstsein fehlt es ihm nicht, diesem Tayfun Korkut. Und so selbstbewusst, wie der Cheftrainer des VfB Stuttgart an der Seitenlinie steht, so spielt seine Mannschaft gegen eine nach drei Niederlagen verunsicherte Borussia aus Mönchengladbach. Nach 90 Minuten wissen die Stuttgarter endlich einmal wieder, wie Gewinnen geht. Ein schwer erkämpftes 1:0 (1:0) gegen Mönchengladbach, der Abstand zur unmittelbaren Abstiegszone wird wieder größer.

Mario Gomez und Torschütze Daniel Ginczek (rechts) bejubeln den frühen VfB-Treffer zum 1:0. Benjamin Pavard (links) absolviert ein starkes Spiel.
Mario Gomez und Torschütze Daniel Ginczek (rechts) bejubeln den frühen VfB-Treffer zum 1:0. Benjamin Pavard (links) absolviert ein starkes Spiel. FOTO: dpa
Korkut stärkt die Offensive, daran hat er nie einen Zweifel gelassen. Neben Nationalspieler Mario Gomez steht Daniel Ginczek vor 53 296 Zuschauern und Bundestrainer Joachim Löw in der Startformation. Und Neuzugang Erik Thommy vom FC Augsburg ist auch dabei. In den ersten Minuten kommt die erstaunte Borussia kaum zum Atemholen. Wenig überraschend, dass schon nach der ersten Chance durch Kapitän Christian Gentner (4. Minute) der zweite vielversprechende Angriff zum ersten Tor führt. Borussia verliert den Ball im Mittelfeld an Insua, der passt auf Gentner, der auf Gomez, und der sieht, das Ginczek in den freien Raum startet, der Rest ist Formsache. Ginczek bekommt den Ball, und der schlägt unhaltbar für Tobias Sippel, der den verletzten Stammtorwart Yann Sommer ersetzt, zur Stuttgarter Führung ein (5.).

Zieler vereitelt Stindls Chance

Korkut meinte nachher: »Wir haben den Punkt von Wolfsburg gegen Mönchengladbach vergoldet, haben immer kompakt gestanden, an uns geglaubt und einen Sieg gegen eine Topmannschaft über die Zeit gebracht.« Wie er sein erstes Spiel in Stuttgart erlebt hat? »Fokussiert aufs Spiel.«

Stuttgart dominiert zunächst in einem in der Arena selten gesehenen lupenreinen 4-4-2. Die Routiniers Emiliano Insua und Andreas Beck auf den Außenpositionen, die Innenverteidigung bilden Timo Baumgartl und der inzwischen universell einsetzbare französische Nationalspieler Benjamin Pavard. Davor im defensiven Mittelfeld Santiago Ascacibar und Dennis Aogo, nach außen orientiert Erik Thommy und Kapitän Gentner. In der ersten Angriffsreihe spielen Gomez und Ginczek. Dass Gentner über außen kommt, bringt den unschätzbaren Vorteil verwertbarer Flanken. Und Thommy, so jung wie er ist, so talentiert ist er auch. Vermutlich eine zukunftsweisende Investition von Sportvorstand Michael Reschke, der nach dem erlösenden Sieg den Trainer demonstrativ herzlich umarmt.

Erst mit zunehmender Spieldauer findet auch die Borussia zu ihrem Spiel. Nationalspieler Lars Stindl mit überraschend wenig Bindung zu seinen Mitspielern, Thorgan Hazard und Jonas Hoffmann hingen zunächst ziemlich in der Luft. Trainer Dieter Hecking schüttelte immer wieder verständnislos den Kopf, es funktionierte nicht so, wie er sich das vor dem Spiel gedacht hatte. Die erste Chance von Stindl vereitelt Weltmeister Ron-Robert Zieler (26.). Hazard verstolperte kurz darauf den jetzt möglichen Ausgleich (27.). Trotzdem ist die Borussia besser im Spiel, weil sich nach dem fulminanten Beginn beim VfB die Fehlpassquote maximiert. Insbesondere Andreas Beck spielt immer wieder ziemlich unmotivierte Passbälle. Pfiffe sind die Folge.

Mario Gomez als Antreiber

Gomez, der sich mehr und mehr als der wahre Antreiber und Fixpunkt dieser Stuttgarter Mannschaft erweist, ist vorne und hinten zu sehen, arbeitet intensiv, ist immer anspielbar. In der 32. Minute verpasst er eine Flanke von Gentner, nicht nur Gomez, sondern auch Ginczek verteidigen mit den anderen. Niemand ruht sich aus, aber die Überlegenheit der Anfangsphase verpufft ohne weiteren Treffer.

Im zweiten Durchgang kommt Raffael für Vincenzo Grifo und sofort wird aus der Borussia eine andere Mannschaft. Weil dieser Mann mit dem Ball umgehen kann und einen Blick für seine Mitspieler hat. Stuttgart wird in die Defensive gedrängt, kaum noch konstruktive Angriffe. Stindl (46.) scheitert kurz nach Wiederanpfiff. In der 60. und 63. Minute rettet Zieler gegen Raffael, Hecking bringt zusätzlich Josip Drmic und erhöht den Druck. Korkut reagiert umgehend, verstärkt die Defensive mit Holger Badstuber und stellt auf Fünfer-Kette um, dann kommt Orel Mangala für Aogo. Hecking bringt Raul Bobadilla, Drmic scheitert (79.), der Ausgleich ist nur noch eine Frage der Zeit. Aber er fällt nicht mehr. »Uns fehlen die Tore«, sagt Lars Stindl.(GEA)



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