Wetter - Dem wärmsten März seit über 100 Jahren folgten Schneemassen im April und ein heißer Sommer

Wetter: Turbulentes Jahr mit vielen Rekorden

VON ROLAND HUMMEL

ENGSTINGEN. Der Klimatrend zu höheren Durchschnittstemperaturen hielt auch im Jahr 2017 an. Mit einer mittleren Temperatur von 8 Grad Celsius - 1,3 Grad über dem langjährigen Mittel - war es das vierte Jahr in Folge mit einer deutlichen positiven Abweichung.

Blütenweißes Streuobstparadies: Schnee auf Kirschblüten Mitte April sorgte nicht nur wie hier in Mössingen, sondern in der ganzen Region für Ernteausfälle.
Blütenweißes Streuobstparadies: Schnee auf Kirschblüten Mitte April sorgte nicht nur wie hier in Mössingen, sondern in der ganzen Region für Ernteausfälle. FOTO: Jürgen Meyer
Zehn Monate wiesen einen sogenannten Temperaturüberschuss auf, nur im Januar und im September war es kälter als üblich. Die erste Jahreshälfte war eher trocken mit nur 442 Millimetern, dagegen fiel reichlich Niederschlag in der zweiten Jahreshälfte mit 684 Millimetern. Mit 1 849 Stunden Sonne war das Jahr deutlich sonniger als normal (1 612 Stunden).

Einen richtigen Winter mit Kälte und Schnee gab es nur im Januar und im Dezember. Von Mai bis November gewitterte es an 33 Tagen (normal 35). Nach dem ruhigen und rekordtrockenen Dezember startete das Jahr am 3. Januar mit einem Kontrastprogramm. Der Winter war plötzlich da. Das Sturmtief Axel brauste über die Alb, auf seiner Rückseite fielen über zehn Zentimeter Schnee. Auf den Schnee folgte die kälteste Nacht im gesamten Jahr mit minus 23 Grad.

Heftige Frostschäden im April

Weitere Niederschläge ließen die Schneedecke bis zur Monatsmitte auf wintersporttaugliche 20 Zentimeter ansteigen. Einige Kältehochs sorgten bis kurz vor Monatsende für stabiles, ruhiges Winterwetter. Dann lockerte sich der eisige Griff des Winters, die Kernwinterzeit war nach knapp vier Wochen wieder vorbei. Mit einem sehr milden Spätwinter im Februar endete schließlich der trockenste meteorologische Winter 2016/17 seit 41 Jahren.

Herausragend war das Sturmtief Thomas, das mit Spitzenböen von 90 bis 100 Stundenkilometern am 23. Februar über die Albhochfläche brauste und in dessen Warmsektor bis zu 16,4 Grad gemessen wurden. In der ersten Märzwoche fiel etwas Schnee, dann startete der Vorfrühling aber mit voller Kraft. Besonders milde Temperaturen - gegen Monatsende hin sogar bereits früh-sommerlich warm mit bis zu 22,1 Grad - verhalfen dem März zum Prädikat »wärmster März seit über 100 Jahren auf der Mittleren Alb«. Bis Mitte April fühlte man sich oft wie im Wonnemonat Mai.

Dann folgten zwei ausgeprägte Kälte- und Schneerückfälle. Am 20. April wurden minus 8,7 Grad gemessen, knapp über der Schneedecke waren es sogar minus 12,1 Grad. Diese extreme Kälte zu der fortgeschrittenen Jahreszeit war schließlich verantwortlich für die großen Frostschäden an Bäumen und Pflanzen. Am 26. April war die Mittlere Alb von einer 15 bis 20 Zentimeter hohen Schneedecke überzogen. Seit mindestens 70 Jahren lag hier noch nie so viel Schnee zu solch fortgeschrittener Jahreszeit. Mit einem geteilten Wetterbild präsentierte sich dann der Mai. Im Wonnemonat war es zwei Wochen lang eher kühl und nass, danach wurde es sehr sonnig, trocken und sommerlich warm.

Der Frühsommer startete mit wechselhaftem Wetter, Regenschauern und Gewittern. Von 10. bis 26. Juni folgte eine außergewöhnlich sonnige, warme und trockene Wetterphase. Die erste große Hitzewelle des Jahres mit Temperaturen über 30 Grad trat vom 19. bis 23. Juni auf. Die Alblandschaft war nun völlig ausgetrocknet. Abhilfe brachten einige Gewittertage mit kräftigen Regengüssen gegen Monatsende. Nach dem Juni 2003 war es der zweitwärmste erste Sommermonat seit über 100 Jahren auf der Mittleren Alb.

Der Hochsommer war nun zwar kalendarisch da, ein stabiles Sommerhoch konnte sich in der Region aber nicht bilden. 13 Tiefs sorgten für einen feucht-warmen Juli mit gewittrigen Regengüssen. Besonders ergiebig schüttete es bei Alfred, einem stationären Tief, das vom 20. bis 27. Dauerregen brachte. Auch im August war es meist subtropisch warm mit häufiger Quellwolkenbildung, Schauern und Gewittern. Kleinkörniger Hagel war zeitweise auch dabei, von größeren Unwettern blieb das Umfeld der Engstinger Klimastation aber verschont. Der meteorologische Sommer - darunter versteht man die Monate Juni, Juli und August - war nach 2003 und 2015 der drittwärmste seit über 100 Jahren auf der Mittleren Alb.

Im September zeigte sich der Frühherbst nach sieben Monaten in Folge mit einem Temperaturplus von seiner eher trüben und kühlen Seite. Keine Spur von »Altweibersommer«. Statt dessen trat Sebastian auf: Das erste Sturmtief des Herbstes fegte über die Albhochfläche. Es folgte ein wetter-wendischer Oktober mit weiteren Sturmtiefs - Xavier, Ophelia und Herwarth - aus der atlantischen Wetterküche. Nur ein Hauch von Goldener Oktober war in der trockenen Zeit von 10. bis 20. zu spüren.

Grüne Weihnachten

Von vielen Wetterwechseln war auch der letzte Herbstmonat November geprägt. Ab Monatsmitte wurde es spürbar kälter, der Frühwinter machte seine ersten Startversuche mit einer dünnen Schneedecke. Im Dezember zog dann zunächst der richtige Winter ein. Drei Wochen lang gab es eine Winterlandschaft mit einer zeitweiligen wintersporttauglichen Schneedecke. Kurzes Tauwetter war aber an manchen Tagen dabei, sodass die Schneehöhe immer wieder Schwankungen aufwies.

Richtiges Weihnachtstauwetter ab 22. Dezember führte zu den Festtagen zu einer meist grünen Landschaft, nur in geschützten Waldgebieten hielt sich noch etwas Altschnee. Auch ein kurzes Winterintermezzo am 28. hielt nur zwei Tage lang an. Zum Jahreswechsel war die Alb wieder weitgehend schneefrei. Eine milde Westwetterlage war auch für die Folgezeit programmiert. (GEA)

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