Psychologie - »Schräg lass nach«: Cornelius Haefele bietet Seminar zum Umgang mit schwierigen Persönlichkeiten an

Wenn das Wesen nicht ganz leicht ist

DAS INTERVIEW FÜHRTE IRMGARD WALDERICH

GOMARINGEN. Wie verhalte ich mich gegenüber schwierigen Persönlichkeiten? Diese Frage will der Gomaringer Theologe und Psychotherapeut Cornelius Haefele in seinem Seminar am Samstag, 17. Februar, von 9 bis 16.30 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus in Gomaringen, beantworten. Veranstalter der Weiterbildung »Schräg lass nach« ist der Arbeitskreis Seelsorge der evangelischen Kirche.

Ein paar Tipps gibt Haefele auf GEA-Anfrage schon im Vorfeld. Schließlich bleibe es im Leben nicht aus, dass man »immer wieder mit Menschen zu tun hat, die sich dauerhaft seltsam verhalten«. Anmeldungen nimmt Diakon Klaus Forschner unter Telefon 07072 910412 entgegen.



GEA: Was heißt eigentlich schwierig? Ist das schon der Arbeitskollege, der einfach nervt, oder der Nachbar, der bei jeder Kleinigkeit auf der Matte steht? Cornelius Haefele: Die Frage zielt gleich auf den Kern des Problems. Wer sagt denn eigentlich, wer schwierig ist? Wo fängt das an? Und was haben ich und meine Persönlichkeit damit zu tun? Im Seminar soll es nicht darum gehen, andere Menschen möglichst zu »diagnostizieren«, sondern sich mit der Frage auseinanderzusetzen: Was macht Menschen schwierig, wo bin vielleicht ich selbst schwierig und wie kann ich damit umgehen?



Macht ein bisschen schräg und außerhalb der Norm das Leben nicht auch interessanter?

Haefele: Sehr richtig. Viele Menschen, die die Welt geprägt und verändert haben, hatten Ecken und Kanten und waren zum Beispiel als Ehepartner eine Katastrophe, als Erfinder aber genial. Richtig schwierig wird es da, wo das Zusammenleben und Zusammenarbeiten so nachhaltig gestört werden, dass es für alle Beteiligten zu massiven Problemen führt. Da wird dann aus »ein bisschen schräg« schnell ein großes Problem.



Haben Sie uns drei einfache Tipps, wie mit schwierigen Menschen am besten umzugehen ist?

Haefele: Der erste Tipp ist: Grundsätzlich gilt auch für schwierige Menschen erst mal das, was für alle Menschen gilt: Alle Menschen, auch die Schwierigen, haben das Recht, dass man ihnen mit Wertschätzung und Respekt begegnet. Gerade Menschen mit sogenannten Persönlichkeitsstörungen sehnen sich im Grunde nach nichts anderem. Zweitens: Weil schwierige Menschen aber oft auch übergriffig sind, muss ich eine gute Balance finden zwischen Zuwendung und Abgrenzung. Ich darf Zuwendung nicht mit »einfach still sein« verwechseln und Abgrenzung nicht mit verletzender Kritik. Drittens: Ein guter Hinweis, wie man mit Menschen umgehen kann, findet sich tatsächlich schon in der Bibel, Matthäus 7,12: »Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!« Das gilt übrigens auch in umgekehrter Reihenfolge.



Und was machen Sie selbst, wenn Sie auf schwierige Menschen stoßen?

Haefele: In meiner Praxis habe ich sehr häufig mit schwierigen Menschen zu tun, die mir selbst auch manchmal ganz fremd sind. Dann bemühe ich mich als Erstes darum, versuchen zu verstehen, wie dieser Mensch tickt und was seine Not ist. Wenn ich das verstehe, ist er mir meist gar nicht mehr so fremd und es gelingt mir leichter, mich auf seine Andersartigkeit einzulassen. (GEA)





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