Wissenschaft - Informatiker entwickeln Form der künstlichen Intelligenz. Programm simuliert zweidimensionale Welt

Spielen mit selbstlernenden künstlichen Agenten

TÜBINGEN. Informatiker der Universität Tübingen haben ein Computerprogramm entwickelt, das eine neue Form der künstlichen Intelligenz darstellt: Das Programm »Brain Control« simuliert sowohl eine zweidimensionale Welt als auch darin eigenständig handelnde, kooperierende und lernende, virtuelle Figuren.

Auf Youtube präsentieren die Mitarbeiter vom Lehrstuhl für Kognitive Modellierung einen Trailer von Brain Conrol, in dem das Programm erklärt wird. SCREENSHOT: YOUTUBE
Auf Youtube präsentieren die Mitarbeiter vom Lehrstuhl für Kognitive Modellierung einen Trailer von Brain Conrol, in dem das Programm erklärt wird. SCREENSHOT: YOUTUBE
Dabei handelt es sich nicht nur um ein Forschungswerkzeug, sondern auch um eine neue Art von Computerspiel: »Man kommuniziert mit den Figuren in menschlicher Sprache, beispielsweise indem man Dinge erklärt, Anweisungen gibt oder sie dazu motiviert, Situationen selbst zu erkunden«, erklären Professor Martin Butz und sein Team vom Lehrstuhl für Kognitive Modellierung. »Die Simulation zielt darauf ab, moderne Theorien der Kognitionswissenschaft in ein Modell zu überführen und neue Varianten künstlicher Intelligenz zu erforschen.«

Klassische künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt sich eher damit, eine Aufgabe logisch zu analysieren und zu planen. Auf der anderen Seite stehen künstliche neuronale Netze, die derzeit im Fokus der Forschung stehen. »Brain Control verzichtet bisher auf den Einsatz solcher neuronaler Netze, folgt aber auch nicht dem klassischen KI-Paradigma«, so die Forscher. Vielmehr bettet das Programm die Figuren stärker in ihre Umwelt ein und grundiert den Handlungsrahmen dadurch: »Innerhalb ihrer Welt haben die Spielfiguren unterschiedliche Motivationen. Sie versuche, mehr Energie zu bekommen oder ihre Welt zu erkunden. Von diesen Motivationen ausgehend lernen sie durch Interaktionen, wie ihre Umwelt funktioniert, und wie sie diese beeinflussen können.«

Dabei legen die Forscher großen Wert darauf, die Figuren selbstständig agieren zu lassen, sodass nach und nach immer weniger vorgegeben werden muss und immer mehr selbst erlernt beziehungsweise gelöst wird.

Die theoretische Kernidee hinter dem Programm entstammt einer kognitionspsychologischen Theorie, nach der kognitive Prozesse im Wesentlichen logisch agieren und auf sogenannten »Events« basiert sind. Solche »Events«, beispielsweise eine bestimmte Bewegung wie das Greifen nach einem Stift, und die Verkettung von Events, wie das Zusammenpacken, wenn man Feierabend hat, bilden demnach den Grundstock der Kognition. Mit diesem Grundstock werden zielorientiert Interaktionen und Interaktionsketten mit der Welt ausgewählt und kontrolliert. Diese Hypothese wird von Brain Control gespiegelt: Die Figuren planen und entscheiden, indem sie Events und ihre Verkettung simulieren und damit relativ komplexe Handlungsfolgen ausführen können. So können die virtuellen Figuren sogar kooperativ handeln. Das Programm kann im Internet ausprobiert werden. Einen Trailer gibt es auf Youtube. (GEA)


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