Gedenkfeier - Erinnerung an Opfer des Nazi-Regimes. Konsequenzen aus rechtsradikaler Mordserie gefordert

»Aufklärung ist notwendig«

Von Alexander Thomys

REUTLINGEN. Gemeinsam mit rund 40 Gästen aus verschiedenen Parteien und gesellschaftlichen Gruppierungen erinnerte die »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten« (VVN-BdA) auf dem Reutlinger Friedhof Unter den Linden am Totensonntag an die Opfer des Nationalsozialismus. Zur Sprache kam dabei auch die kürzlich aufgedeckte rechtsradikale Mordserie des »Nationalsozialistischen Untergrundes«.

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Friedhof Unter den Linden. Anlässlich der aktuell publik gewordenen Mordserie durch Rechtsradikale wurde gefordert, den Nazis den Boden zu entziehen.FOTO: ALTHO
Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Friedhof Unter den Linden. Anlässlich der aktuell publik gewordenen Mordserie durch Rechtsradikale wurde gefordert, den Nazis den Boden zu entziehen. FOTO: Alexander Thomys
»Den Nazis muss der Boden entzogen werden«, forderte Eugen Bilke, ehemaliger erster Bevollmächtigter der IG-Metall Lörrach, der für den VVN-BdA die Gedenkrede hielt. »Insbesondere die NPD als organisatorisches Rückgrat des Neofaschismus muss endlich aufgelöst werden«, sagte Bilke, der allerdings zugleich mahnte: »Ein Verbot dieser Partei ist nur ein Teil der Lösung des Problems.«

Vielmehr müsse die Politik den Rechtsextremen den Nährboden entziehen. »Vielfach schafft bereits die Furcht vor sozialem Abstieg das Ausmaß an Zukunftsängsten und Minderwertigkeitsgefühlen, an denen Neofaschisten ansetzen«, forderte Bilke eine sozialere Politik und weitere Konsequenzen aus den aktuellen Entwicklungen. »Rechtsextreme präsentieren sich als Vorkämpfer für Arbeitsplätze, als Vertreter der kleinen Leute. Hier ist Aufklärung notwendig.«

Teil dieser Aufklärung sei auch die Erinnerung an die Opfer der Nationalsozialisten. Bilke nannte in seiner Rede bedrückende Zahlen. Über sechs Millionen Juden wurden ermordet, in den deutschen Konzentrationslagern starben zudem etwa 250 000 nichtjüdische Häftlinge. Der vom NS-Regime entfesselte zweite Weltkrieg forderte zudem mindestens 54 Millionen Tote.

»Heute wissen wir, dass das Verhängnis nicht am 30. Januar 1933 begann und am 8. Mai 1945 endete«, mahnte Bilke, der auch an die Reutlinger VVN-Gründungsmitglieder Fritz Wandel, Emil Bechtle und Albert Fischer erinnerte, die selbst unmittelbar durch das NS-Regime verfolgt wurden.

Die Feier fand am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Unter der 1952 von Bildhauer Richard Raach gestalteten Skulptur ruht die Asche von 128 KZ-Häftlingen, die in Reutlingen verbrannt wurden. (GEA)



Das könnte Sie auch interessieren

Kauder mahnt zur Eile bei GroKo-Verhandlungen

Berlin (dpa) - Unionsfraktionschef Volker Kauder h... mehr»

Weiterer Abschiebeflug nach Kabul - Abflug in Düsseldorf

Düsseldorf (dpa) - Mindestens zehn afghanische Flü... mehr»

US-Kongress stimmt für Ende von Regierungsstillstand

Washington (dpa) - «Shutdown» fast abgewendet: Nac... mehr»

Tauwetter in Bayern - Lawinengefahr steigt

Garmisch-Partenkirchen (dpa) - Der Deutsche Wetter... mehr»

Nach Hurrikan fast ein Drittel Puerto Ricos noch ohne Strom

San Juan (dpa) - Auch vier Monate nach dem verheer... mehr»

Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Aktuelle Beilagen