Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Pfullinger Bauprojekt - Die Stadt will im Entensee für 3,8 Millionen Euro ein Mehrfamilienhaus errichten. Rat stimmt Standort zu

Wohnraum für bis zu 98 Menschen im Bereich Entensee

VON PETRA SCHÖBEL

PFULLINGEN. Auf dem derzeitigen Parkplatz hinter dem Bauhof im Bereich Entensee will die Stadt Pfullingen ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus für maximal 98 Bewohner bauen. Einziehen sollen dort Flüchtlinge, Obdachlose und Menschen mit geringem Einkommen. Der Gemeinderat hat am Dienstagabend diesen Standort als »ersten Baustein zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum« beschlossen und das Architekturbüro Kautt aus Reutlingen mit der Objektplanung beauftragt. Vonseiten der Anwohner des Wohngebiets Entensee, von denen etliche die Debatte verfolgten, gibt es jedoch erhebliche Bedenken.

Wo jetzt noch ein Parkplatz ist, soll bis zum Herbst eine Wohnanlage in Holzelementbauweise für bis zu 98 Menschen entstehen. Direkt hinter dem Parkplatz verläuft der Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse, jenseits liegt das  Wohngebiet Entensee.
Wo jetzt noch ein Parkplatz ist, soll bis zum Herbst eine Wohnanlage in Holzelementbauweise für bis zu 98 Menschen entstehen. Direkt hinter dem Parkplatz verläuft der Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse, jenseits liegt das Wohngebiet Entensee. FOTO: Petra Schöbel
Geprüft wurde im Vorfeld auch ein Standort in der Theodor-Fischer-Straße im Roßwag. Dieser könne jedoch »aufgrund der bauplanungsrechtlichen Beurteilung beziehungsweise. Zulässigkeit« als Standort nicht kurzfristig herangezogen werden, heißt es in der Ratsdrucksache. Architekt Peter Kautt, dessen Büro Erfahrungen mit dem Bau von Gemeinschaftsunterkünften und Wohnprojekten hat, stellte die Planung vor. So sollen sich drei Wohngebäude um einen Innenhof gruppieren, der von einem Bauwerk für Lagerräume abgeschlossen wird.

Wohnungszuschnitt noch offen

Mit zehn Quadratmetern pro Person ist der Platzbedarf sehr sparsam bemessen. Eine vierköpfige Familie müsste mit 44 Quadratmetern auskommen, sechs Personen müssten sich 67 Quadratmeter teilen. Als Klientel für diese »Kleinstwohnungen« benannte Kautt »Menschen, die mit ihrem Einkommen nicht am Wohnungsmarkt unterkommen, und Flüchtlinge«. Die Wohnungen seien jedoch aufgrund der Holzelementebauweise flexibel zu gestalten. Was auch im Hinblick auf die Nachnutzung von Vorteil sei, weil später unproblematisch Trennwände entfernt werden könnten, um größere Wohnbereiche zu schaffen.

Da es der Stadt darauf ankommt, möglichst schnell viel Wohnraum anbieten zu können, hat Kautt die ursprünglich zweigeschossig vorgesehene Bauweise auf Wunsch des Bauausschusses auf drei Etagen erweitert, was, wie er betonte, nach Rücksprache mit der Feuerwehr brandschutztechnisch kein Problem sei. Ein ursprünglich angedachter Sozialraum ist in zusätzlichen Wohnraum umgeplant worden. Für Hausmeister oder Sozialarbeiter ist nun nur ein kleiner Raum für maximal zwei Schreibtische eingeplant.

»Wir haben versucht, städtebauliche Qualität zu schaffen, die auch sensibel mit den Nachbarn umgeht«, betonte der Architekt. Die u-förmig angeordneten Häuser würden einen Riegel zu den Einfamilienhäusern am Entensee bilden. Geplant sei, 28 Wohnungen für bis zu 98 Personen und 26 Stellplätze zu schaffen. »98 Menschen werden da aber niemals leben, weil man sie nicht in dieser idealen Zusammensetzung bekommt«, so Kautt.

Ordnungsamtsleiter Manfred Wolf machte deutlich, die Planung sei noch keineswegs ausgereift. »Die Hülle ist diskutiert. Der Zuschnitt der Wohnungen und auch ihre Anzahl sind noch nicht festgelegt«, betonte er und machte deutlich: »Wir wollen dort keinen sozialen Brennpunkt schaffen, sondern ein Wohnhaus nach dem Drei-Säulen-Modell wie in der Achalmstraße.« Die Anwohner hätten in der eigens anberaumten Info-Veranstaltung Bedenken geäußert. »Diese Fragen werden wir abarbeiten«, so Wolf. Der Architekt wies auf die Lage des Standorts in einem Überflutungsgebiet hin und erklärte, für die Gründung vorsorglich mehr Geld einzuplanen. Eine erste Grobkalkulation geht von Baukosten in Höhe von 3,83 Millionen Euro aus. Kautt rechnet mit einer Bauzeit von sechs Monaten.

Marktstraße 6 und 8 abreißen

Sie begrüße es, dass die Stadt nicht auf Containerlösungen setze, sondern langfristig denke, eröffnete Carolin Abele (CDU) die Diskussion. Diese Anlage sei ein gutes Projekt, um Flüchtlinge und sozialen Wohnraum unter einen Hut zu bringen. »Wir müssen das machen, um die beiden Häuser in der Markstraße 6 und 8 endlich abreißen zu können. Die sind völlig marode«, betonte Sigrid Godbillon (GAL). »Die Anwohner haben Angst, dass dort liederlich gebaut wird«, schilderte Sven Hagmaier (UWV). Bei entsprechender Unterhaltung würden die Gebäude 60 bis 80 Jahre halten, entgegnete der Architekt.

Britta Wayand (FWV) wollte wissen, wo Ersatz für die dann wegfallenden Parkplätze geschaffen werde. Das Grundstück sei derzeit verpachtet, erklärte Wolf, »wir werden im Gespräch nach Lösungen suchen«. Er gehe davon aus, dass die Gebäude im Herbst bezogen werden. »Die Verwaltung setzt sich stramme Ziele«, kommentierte das Gert Klaiber (CDU). Er sei froh, dass das man von Überlegungen, Baracken oder Container auf dem ehemaligen Bröcker-Gelände bei der Uhlandhalle aufzubauen, abgerückt sei und bat dringend, die weitere Entwicklung der Konzeption mit der Nachbarschaft abzustimmen. Klaiber stellte fest, dass ein Quadratmeterpreis von 4 000 Euro für dieses Projekt »im Hinblick auf die Ausstattung doch etwas hoch« sei, weshalb er die Verwaltung aufforderte, alle infrage kommenden Geldtöpfe anzuzapfen. (GEA)

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