Leserbriefe
Feuerwerk an Silvester

»Böller-Irrsinn frühzeitig stoppen«

Wie jedes Jahr haben sich auch in 2018 in den ersten Tagen wieder zahlreiche Leser in der Ausgabe vom 5. Januar, zurecht über den Böllerwahnsinn, über die sündhaft teure organisierte Umweltverschmutzung und aufgeregt. Richtig so, sollten noch viel mehr gebildete Menschen tun.

Jetzt sind die Pulverdampfwolken über den Bioäckern verraucht und damit auch die verständliche Wut der Menschen. Was bleibt ist die mehr als ärgerliche Vermüllung der Natur und der Wohngebiete. Die oft fast bierkastengroßen Abschussrampen liegen heute noch vielfach an Wegesrändern. Diese gehören ganz empfindlich besteuert und mit Pfand belastet, ebenso die unzähligen Flaschen von Schaumgetränken und Hochprozentigem, die unsere Wiesen, Äcker, Raine und Wasserläufe zieren.

Jetzt ist doch der Zeitpunkt des Gegensteuerns, damit diese grenzenlose Dummheit in 11 Monaten eingeschränkt werden kann. Es muss doch möglich sein, diesen Irrsinn einzudämmen. Tübingen und Urach beispielsweise haben schon erreicht, dass wenigstens die historischen Innenstädte wegen Brandgefahr von diesem unzeitgemäßen Irrsinn verschont bleiben. Das muss sich doch auf Reutlingen per städtischer Verordnung, oder wie auch immer, übertragen lassen. Können wir nicht als Stadt, oder eventuell sogar Region bundesweit ein Leuchtturm sein, ein Alleinstellungsmerkmal schaffen, das uns weit über die Stadt oder Kreisgrenzen hinaus bekannt macht? Da braucht's keine Markenexperten aus Hamburg (an anderer Stelle vielleicht schon) oder Zungentatoo-Imitationen mit Reutlinger Logo auf der CMT oder gar die Bundesgartenschau in unserer Stadt.

Da mit Vernunft und Argumenten den eher bildungsfernen »Knallern« aber wohl nicht beizukommen ist, sollte über ein Verbot mit geeigneten Sanktionen nachgedacht werden.

Auch der Einzelhandel könnte dabei in die Pflicht genommen werden. Viele Discounter und Supermärkte stellen doch gesunde Ernährung in den Fokus. Gleichzeitig hauen diese Läden nach Weihnachten für Millionen von Euro Umweltverschmutzung unters Volk. Ich denke, hier könnte ein Dominoeffekt angestoßen werden: Wenn ein Markt/eine Kette auf den Verkauf von Schwarzpulverschwachsinn in aufwändigsten Verpackungen verzichten und dafür die Karte »Volksgesundheit« spielen würde, müssten die Mitbewerber um ihrer Glaubwürdigkeit willen nachziehen. Sanfter Druck seitens der Stadt und letztlich aller Konsumenten könnte hier viel bewirken. Was könnte man mit den bundesweit verballerten Milliarden alles bewirken: Auffanglager für Flüchtlinge und Vertriebene in Nordafrika, Anreize für diese Menschen in ihrer Heimat zu bleiben, Küsten- und Uferschutz angesichts überall steigender Pegelstände, Chancenverbesserung und Bildung für die Kinder der »Knaller«?

Schwerwiegende Verletzungen, ja sogar Todesfälle, kommen Jahr für Jahr noch dazu und manchmal fliegt auch eine ganze Fabrik für Silvesterartikel in die Luft, mitsamt den Arbeitern, die darin für Hungerlöhne Sklavenarbeit leisten. Egal: ist ja hauptsächlich in China.

Neuerdings werden sogar Böller und Raketen als Waffen gegen Hilfskräfte wie Feuerwehr und Rotes Kreuz eingesetzt. Wollen wir das wirklich?

Martin Buck, Reutlingen



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