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Nordkorea will Atomgelände bis zum 25. Mai schließen

Nordkorea will seine Bereitschaft zur Denuklearisierung mit Taten unterstreichen. Das Atomtestgelände im Nordosten soll durch Explosionen zum Einsturz gebracht werden. Mehr als eine Geste?

Kim Jong Un
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un will das Atomtestgelände Punggye-ri vor den Augen ausländischer Beobachter unbrauchbar machen lassen. Foto: KCNA via KNS/AP
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un will das Atomtestgelände Punggye-ri vor den Augen ausländischer Beobachter unbrauchbar machen lassen. Foto: KCNA via KNS/AP

Seoul/Pjöngjang (dpa) - Nordkorea will sein Atomtestgelände noch vor dem historischen Gipfeltreffen zwischen Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump sprengen.

Die Anlage Punggye-ri im Nordosten des Landes solle zwischen dem 23. und 25. Mai bei einer "Zeremonie" vor den Augen ausländischer Beobachter unbrauchbar gemacht werden, erklärte das Außenministerium in Pjöngjang am Samstag. Trump begrüßte die Ankündigung auf Twitter: "Danke, eine "sehr kluge und großzügige Geste!"

Kim und Trump wollen sich am 12. Juni in Singapur treffen. Dabei geht es um eine friedliche Lösung des langjährigen Streits um das nordkoreanische Atomprogramm.

Die Schließung des in einer Bergregion liegenden Testkomplexes ist ein symbolischer Schritt, mit dem das abgeschottete Land vor der Welt seine Bereitschaft zur Denuklearisierung demonstrieren will.

In Punggye-ri hatte Nordkorea seine sechs Atomtests durchgeführt, den bisher letzten und zugleich stärksten im September des vergangenen Jahres. Der UN-Sicherheitsrat hatte daraufhin der Führung in Pjöngjang einen erneuten Verstoß gegen Resolutionen des Gremiums vorgeworfen und die Sanktionen gegen das Land verschärft.

Neben anderen »technischen Maßnahmen« sollen sämtliche Tunnel in dem Komplex durch Explosion zum Einsturz gebracht und alle Eingänge blockiert werden, berichteten die nordkoreanischen Medien. Auch die Kontrollgeräte, Forschungseinrichtungen und die Quartiere für das Wachpersonal am Boden sollen beseitigt werden.

Das südkoreanische Präsidialamt reagierte am Sonntag etwas euphorisch: »Wir hoffen, der Knall des Dynamits, mit der die Tunnel in Punggye-ri gesprengt werden, wird ein Salutschuss für eine Reise zu einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel sein.«

Pjöngjang hatte die Schließung des Testgeländes bereits Ende April bei dem Gipfel mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In angekündigt, aber keinen genauen Termin genannt. Nordkorea will jetzt Journalisten aus Südkorea, China, den USA, Großbritannien und Russland zur Berichterstattung zulassen.

Ob es sich bei der angekündigten Schließung um mehr als eine Geste handelt, gilt jedoch als fraglich. Das Atomtestgelände ist nach Einschätzung chinesischer Geologen durch frühere unterirdische Atomtests beschädigt und zurzeit unbrauchbar. Es sei auch nicht auszuschließen, dass radioaktive Strahlung ausgetreten sei.

Kim hatte jedoch beim Treffen mit Moon Skeptikern entgegnet, er werde nicht nur die Teile der Anlage schließen, die jetzt nicht mehr nutzbar seien. Auch Experten der auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenseite »38 North«​ des US-Korea-Instituts hatten geschrieben, das Gelände sei nach wie vor für Atomtests geeignet.