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Aktuell Inland

Höchststand bei Patienten auf Intensivstation fast erreicht

Tückisch beim Corona-Infektionsgeschehen ist, dass sich die Zahl neuer Infektionen um Wochen verzögert auf die Zahl der Intensivpatienten und der Todesfälle auswirkt. Die Werte aus dem Frühjahr dürften bei der aktuellen Welle weit überschritten werden.

Corona-Bett
Ein Krankenhausbett zur Behandlung von Corona-Patienten. Foto: Peter Steffen/dpa
Ein Krankenhausbett zur Behandlung von Corona-Patienten. Foto: Peter Steffen/dpa

BERLIN. Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen hat in Deutschland fast wieder den Höchstwert vom Frühjahr erreicht. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) meldete am Sonntag, dass 2.904 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden.

Davon werden 1.605 (55 Prozent) invasiv beatmet. Der bisherige Höchststand war laut DIVI am 18. April mit 2.933 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen erreicht worden.

Tatsächlich sei die Lage in den Kliniken derzeit sogar schlimmer als im Frühjahr, sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe wesentlich mehr infizierte Patienten auf den anderen Stationen - von denen ein Teil noch auf den Intensivstationen landen werde. Die gesamte Infektionslage sei nicht mit der im April vergleichbar.

Anders als bei der Spitze am 18. April werde diesmal kein Abflauen folgen, der Anstieg werde sich vielmehr vorerst fortsetzen, sagte Janssens. Der Grund sei, dass sich die jeweilige Zahl an Neuinfektionen erst verzögert in schweren Verläufen und schließlich in der Belegung der Intensiv-Stationen niederschlägt. »In vier Wochen werden wir die Folgen der Spitzenwerte jetzt sehen.« Einige Zentren seien bereits am Anschlag, es müssten vereinzelt bereits Covid-19-Patienten in andere Kliniken gebracht werden.

Hinzu kommt, dass der Anteil älterer Infizierter nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) seit Ende September wieder steigt. Sie haben ein höheres Risiko, schwer zu erkranken - und damit auch dafür, zu Patienten auf der Intensivstation zu werden.

In Berlin dürfen viele große Krankenhäuser bereits nur noch solche planbaren Aufnahmen, Operationen und Eingriffe durchführen, die medizinisch dringlich sind. Das geht aus einer Verordnung der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung hervor, die zum Samstag in Kraft trat. Die Kliniken erhalten Freihaltepauschalen - damit Intensivbetten und Klinikpersonal für Covid-19-Patienten frei gehalten werden können.

Janssens hält eine solche Regelung bundesweit für nötig, vor allem für die Kliniken, die stark in die Behandlung schwerkranker Covid-19-Patienten eingebunden sind. Im Frühjahr waren alle Kliniken aus dem Regelbetrieb genommen worden.

Laut aktuellem DIVI-Tagesreport haben die Kliniken in Deutschland rund 7500 freie Intensivbetten gemeldet (Stand 8.11., 12.15 Uhr), bei denen sowohl ausreichend Technik als auch Personal zur Verfügung steht. Allerdings warnte DIVI-Präsident Uwe Janssens vor einigen Tagen, dass mitunter auch Betten als frei gemeldet würden, für die gar kein Pflegepersonal verfügbar sei.

Die Kliniken geben laut DIVI zudem an, im Notfall innerhalb von sieben Tagen gut 12.000 weitere Intensivbetten in Betrieb nehmen zu können. (dpa)

Aktueller DIVI-Tagesreport