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Friedensgebet und rassistische Töne nach Angriff von Aue

Nach dem Messerstich bei einer Weihnachtsfeier in einem Pfarrhaus kommt die Stadt Aue-Bad Schlema nicht zur Ruhe. Die Kirche mahnt zur Besonnenheit. Dem Demo-Aufruf eines NPD-Politikers folgen zahlreiche Menschen.

Kundgebung
Nach dem Aufruf eines NPD-Funktionärs haben sich Menschen in Aue-Bad Schlema auf dem Altmarkt versammelt. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa
Nach dem Aufruf eines NPD-Funktionärs haben sich Menschen in Aue-Bad Schlema auf dem Altmarkt versammelt. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Aue-Bad Schlema (dpa) - Die blutige Eskalation einer Weihnachtsfeier in Aue-Bad Schlema wühlt die Menschen in der Erzgebirgsstadt auf. Vier Tage nach der Attacke auf einen ehrenamtlichen Helfer lud die betroffene Kirchgemeinde St. Nicolai am Samstagabend zu einem Friedensgebet ein.

Mehr als 350 Menschen kamen nach Schätzungen eines dpa-Reporters in die Kirche. Die Polizei sprach am Abend von rund 500 Teilnehmern. Eine Stunde später folgten laut Polizei rund 2200 Menschen dem Aufruf eines NPD-Funktionärs zu einer Kundgebung.

An Heiligabend war auf einer Weihnachtsfeier für Bedürftige in einem Pfarrhaus ein Streit unter Asylbewerbern eskaliert. Der Hintergrund ist bisher unklar. Der 51 Jahre alte deutsche Helfer wollte schlichten. Dabei traf ihn ein Messerstich und verletzte ihn schwer. Ein 53 Jahre alter syrischer Tatverdächtiger sitzt in U-Haft. Wer zugestochen hat, ist aber bislang noch nicht geklärt.

Kirchenvertreter hatten sich im Vorfeld von dem Demo-Aufruf des NPD-Politikers distanziert. »Wir verwahren uns dagegen, diese Straftat zum Anlass zu nehmen, alle Fremden als potenzielle Gewalttäter zu betrachten«, hieß es in einer Stellungnahme, die die Gemeinde St. Nicolai im Internet veröffentlicht hatte. Dem verletzten Helfer gehe es inzwischen besser. »Bei einem Besuch betonte er, dass er keinen Hass empfindet und sich weiter ehrenamtlich engagieren wird.«

Auch bei dem Friedensgebet verwahrte sich der Superintendent des Kirchenbezirks, Dieter Bankmann, gegen die politische Vereinnahmung durch rechte Kreise. »Wir sind die Betroffenen«, sagte Bankmann. Er finde es schädlich, dass das Engagement vieler Menschen für das Gemeinwohl schlecht gemacht werde.

Zu der Kundgebung auf dem Altmarkt waren auch Abordnungen der rechten Vereinigung Pro Chemnitz und der rechtsextremen Kleinstpartei Der Dritte Weg gekommen. Einige Demonstranten reckten Deutschlandfahnen in die Höhe. Nach ungefähr einer Stunde löste sich die Veranstaltung auf. Laut Polizei blieb alles friedlich.