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Britische Ärzte: Nein zu neuen Corona-Regeln ist fahrlässig

50.000 Neuinfektionen und 1000 neue Covid-Patienten in Kliniken - jeden Tag: Corona ist in Großbritannien erneut auf dem Vormarsch. Doch bislang weigert sich die Regierung, wieder Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Coronavirus in Großbritannien
Eigentlich herrscht zumindest in U-Bahnen in London Maskenpflicht. Doch seit dem von der Regierung verkündeten »Freedom Day« verzichten viele Britinnen und Briten auf Schutzmaßnahmen. Foto: Dunham/dpa
Eigentlich herrscht zumindest in U-Bahnen in London Maskenpflicht. Doch seit dem von der Regierung verkündeten »Freedom Day« verzichten viele Britinnen und Briten auf Schutzmaßnahmen.
Foto: Dunham/dpa

LONDON. Der britische Ärzteverband British Medical Association (BMA) hat sich bestürzt gezeigt über die Weigerung der Regierung in London, einzelne Corona-Regeln wieder einzuführen.

»Es ist bewusst fahrlässig von der Regierung in Westminster, keine Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen zu ergreifen wie das verpflichtende Maskentragen, Abstand halten und Lüften in Umgebungen mit hohem Risiko, vor allem beengten Innenräumen«, sagte der BMA-Vorsitzende Chaand Nagpaul einer Mitteilung zufolge. Die Regierung habe versprochen, einen Plan B zu ergreifen, wenn der Nationale Gesundheitsdienst in Gefahr sei, überwältigt zu werden. »Als Ärzte, die in erster Reihe stehen, können wir absolut sagen, dass dieser Punkt jetzt erreicht ist«, so Nagpaul weiter.

Zuletzt wurden im Vereinigten Königreich knapp 50.000 tägliche Neuinfektionen registriert. Die Zahl der täglichen Krankenhauseinweisungen liegt bei fast 1000. Bei den Todesfällen wurde am Dienstag mit 223 gemeldeten Fällen ein Stand wie zuletzt im März erreicht.

Gesundheitsminister warnt vor 100.000 neuen Fällen täglich

Dennoch hatte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid bei einer Pressekonferenz die Wiedereinführung von Corona-Maßnahmen in England abgelehnt. Gleichzeitig warnte er, die Zahl der täglichen Neuinfektionen könne schon bald auf bis zu 100.000 steigen. Trotzdem sei es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, um eine Rückkehr der am 19. Juli zum sogenannten »Freedom Day« abgeschafften Corona-Regeln im größten Landesteil England zu rechtfertigen, so Javid weiter.

Stattdessen sollten nun die Bemühungen verstärkt werden, so viele Menschen wie möglich zu impfen, so Javid weiter. Besonders bei Jugendlichen und älteren Menschen, die eine Auffrischungsimpfung erhalten sollen, stockt das britische Impfprogramm derzeit.

Gesundheit ist im Vereinigten Königreich Sache der einzelnen Landesteile. In Schottland, Wales und Nordirland gelten daher andere Regeln. (dpa)