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Tourismusverband: Corona-Sperre reißt Milliardenlöcher

Die Reisebranche hatte gerade wieder etwas Hoffnung geschöpft. Die neue Zwangspause für ihr Geschäft durch die Corona-Regeln wiegt schwer. Und die Ungewissheit bleibt.

Coronavirus - Rüdesheim
Auch der aktuelle Teil-Lockdown trifft die Tourismusbranche und das Gastgewerbe hart. Foto: Arne Dedert/dpa
Auch der aktuelle Teil-Lockdown trifft die Tourismusbranche und das Gastgewerbe hart. Foto: Arne Dedert/dpa

BERLIN. Die Tourismusbranche in Deutschland erwartet nochmals riesige Einnahmeverluste durch die Anti-Corona-Regeln im November. Sie schätzt die Umsatzeinbußen durch Betriebsschließungen und Kontaktbeschränkungen in diesem Monat auf 10,2 Milliarden Euro.

Von März bis August beläuft sich das Minus nach Berechnungen des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr durch die Corona-Krise auf etwa 46,6 Milliarden Euro, wie der Deutsche Tourismusverband (DTV) am Donnerstag mitteilte. Die Lage vieler Betriebe in der Tourismusbranche und dem Gastgewerbe ist nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages sehr kritisch.

DTV-Präsident Reinhard Meyer sagte, die Corona-Pandemie habe ein Milliardenloch in die Kassen von Gastronomie- und Unterkunftsbetrieben, Veranstaltern sowie von Kultur- und Freizeiteinrichtungen gerissen. »Selbst in den Sommermonaten konnten die Verluste nicht aufgeholt werden. Der November-Lockdown droht endgültig vielen Betrieben die wirtschaftliche Basis zu entziehen.«

Seit Montag sind Hotels und Restaurants, Kinos, Museen und Theater sowie andere Freizeiteinrichtungen weitgehend geschlossen. Die Bürger müssen sich an Kontaktbeschränkungen halten. Kitas, Schulen und Geschäfte bleiben im Gegensatz zum ersten Herunterfahren des öffentlichen Lebens im Frühjahr diesmal geöffnet. Sollten die Beschränkungen auch im Dezember anhalten, befürchtet der Tourismusverband weitere Umsatzeinbußen von etwa 9,5 Milliarden Euro.

»Es ist ganz wichtig, dass die Betriebe jetzt zügig und unbürokratische Nothilfen bekommen«, sagte Meyer. »Selbst gesunde Unternehmen sind finanziell längst am Limit und brauchen diese Hilfen.« Die Bundesregierung hatte Nothilfen von insgesamt zehn Milliarden Euro für November beschlossen.

Der DIHK wies darauf hin, die Firmen hätten schon vor November schwer zu kämpfen gehabt. So habe zu Herbstbeginn nur jeder zehnte Beherbergungsbetrieb auf Vorkrisenniveau gearbeitet. 94 Prozent der Firmen der Reisewirtschaft gaben nun an, dass sich die Geschäftslage verschlechtert habe. In keiner anderen Branche sei die Situation schlechter beurteilt worden, teilte der DIHK in Berlin mit.

Für die Umfrage aus dem Oktober wurden fast 30.000 Unternehmen aus der gesamten Wirtschaft befragt. Aus dem Gastgewerbe (Beherbergung und Gastronomie) nahmen 2224 Betriebe teil, aus der Tourismuswirtschaft insgesamt 494 Reisebüros und -Vermittler.

Zwar habe es nach der ersten Zwangsschließung im Frühjahr eine Sommerbelebung gegeben, so der DIHK. Wegen der neuen Beschränkungen sei die kurz- und mittelfristige Entwicklung der Geschäftslage aber kritisch. Die Aussichten seien düster, beklagte der DIHK. 90 Prozent der Firmen aus der Reisebranche erwarteten Umsatzrückgänge von 50 Prozent und mehr in diesem Jahr. Ein Drittel des Gastgewerbes rechne ebenfalls mit einem Umsatzrückgang um über die Hälfte.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) kritisierte die zahlreichen Reisehinweise und politischen Vorgaben in der Corona-Krise. »193 Staaten weltweit sind aufgrund von Reisewarnungen, Quarantänen und anderen staatlichen Anordnungen nicht oder nur unter erheblichen Einschränkungen zu bereisen«, monierte der Verband. Er sprach von einem »staatlich angeordneten Lockdown« für die Branche. (dpa)