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Gedrückte Stimmung in der deutschen Wirtschaft

Die Befürchtung war groß, dass die Industriekonjunktur angesichts einer drohenden Gasmangellage einknicken könnte. Das ist nicht so gekommen. Viele Firmen rechnen dieses Jahr aber mit Rückgängen.

Deutsche Wirtschaft
Fast 40 Prozent der deutschen Unternehmen rechnen für 2023 mit rückläufigen Geschäften. Foto: Christian Charisius
Fast 40 Prozent der deutschen Unternehmen rechnen für 2023 mit rückläufigen Geschäften.
Foto: Christian Charisius

Die deutsche Industrie hat ihre Produktion im November verglichen mit dem Vormonat um 0,2 Prozent gesteigert. Das teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Der Zuwachs folgt auf einen Rückgang um 0,4 Prozent im Oktober. Ökonomen hatten mit einem etwas deutlicheren Anstieg um 0,3 Prozent gerechnet. Gegenüber dem Vorjahresmonat war die Produktion erneut rückläufig.

»Die Industrieproduktion stabilisierte sich im November nach dem schwachen Start ins vierte Quartal«, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. Die Stimmung in den Unternehmen habe sich zuletzt aufgehellt. In den kommenden Monaten könnten langsam schwindende Materialengpässe die Entwicklung stützen. »Dennoch bleibt der Ausblick auf die Industriekonjunktur im ersten Quartal verhalten.« Darauf deuteten die zuletzt schwachen Auftragseingänge sowie die sich abkühlende Weltwirtschaft hin.

Weniger Geschäft 2023 erwartet

Für 2023 rechnen fast 40 Prozent der Firmen mit rückläufigen Geschäften, wie eine Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter mehr als 2500 Unternehmen ergab. Nur gut ein Viertel (26 Prozent) erwartet demnach eine höhere Produktion als 2022. Gut ein Drittel (35 Prozent) rechnet mit einer Stagnation. »Die Belastungen durch hohe Energiekosten und anhaltende Materialprobleme haben somit bereits deutliche Spuren im Wirtschaftsleben hinterlassen und die zunächst für das Jahr 2022 bestehende Zuversicht zerrieben«, sagte IW-Experte Michael Grömling.

Im November stieg die Warenherstellung in der Industrie ebenso wie die Energieproduktion. Die Aktivität am Bau ging dagegen zurück, allerdings nach einem deutlichen Zuwachs im Monat zuvor. Die Herstellung in der Automobilindustrie stieg spürbar an, im Maschinenbau stagnierte die Entwicklung.

»Das bemerkenswerte ist eigentlich, dass diese Zahlen so unauffällig sind«, sagte der Volkswirt Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg zu den Produktionszahlen. Vor ein paar Monaten gab es Befürchtungen, dass die Industriekonjunktur wegen einer drohenden Gasmangellage einknicken könnte. Dass es nicht so gekommen sei, »zeigt die bemerkenswerte Flexibilität der Industrie, die in einem erheblichen Maße zur Senkung des Gasverbrauchs beigetragen hat«.

Auch Thomas Gitzel, der Chefökonom der VP Bank, zeigte sich zuversichtlich. »Die Lieferketten funktionieren wieder besser. Die Industrie kann die aufgrund des Materialmangels liegengebliebenen Aufträge abarbeiten.« Die Corona-Pandemie und der Krieg Russlands gegen die Ukraine hatten den internationalen Handel lange Zeit stark belastet. Die Probleme sind in den vergangenen Monaten jedoch etwas kleiner geworden.

© dpa-infocom, dpa:230109-99-154677/3