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Aktuell Prozess

Retter eines Einjährigen behindert? Autofahrer vor Gericht

Sein Wagen war von der Ambulanz blockiert - da soll einem Autofahrer sogar das Leben eines kleinen Jungen egal gewesen sein. Laut Anklage schimpfte er und machte den Rettungswagen kaputt. Ein Einzelfall? Leider nein.

Rettungswagen im Einsatz
Der Mann soll gegenüber der alarmierten Polizei geäußert haben, es sei ihm egal, wer da gerade wiederbelebt werde. Foto: Marcel Kusch
Der Mann soll gegenüber der alarmierten Polizei geäußert haben, es sei ihm egal, wer da gerade wiederbelebt werde. Foto: Marcel Kusch

Berlin (dpa) - Weil er Rettungskräfte behindert haben soll, die gerade einen kleinen Jungen wiederbelebten, steht ein Autofahrer in Berlin vor Gericht. Der 23-Jährige soll den Ermittlungen zufolge wütend geworden sein, weil sein Auto durch den Einsatz im November 2017 in Berlin-Moabit blockiert worden war.

Er habe verlangt, den Rettungswagen wegzufahren, um ihm das Ausparken zu ermöglichen. Als die Helfer nicht reagierten, habe er einen Seitenspiegel des Einsatzwagens beschädigt. Mehrere Zeitungen hatten damals berichtet, der Mann habe gegenüber der alarmierten Polizei geäußert, es sei ihm egal, wer da gerade wiederbelebt werde.

Weitere Bürger, die die Arbeit von Rettungskräften behindert haben sollen, sitzen heute bei anderen Richtern auf der Anklagebank. So soll ein 38-Jähriger Pyrotechnik auf einen Rettungswagen geworfen und auf einen sogenannten Defibrillator gepinkelt haben. Solche Geräte werden bei Herzstillstand zur Wiederbelebung eingesetzt und können Leben retten.

Eine 35-Jährige steht derweil in einem anderen Fall vor Gericht, weil sie in ihrer Wohnung einen Rettungssanitäter mit einem Kartoffelschälmesser angegriffen haben soll. Der Sanitäter floh damals. Die Staatsanwaltschaft strebt in dem Verfahren die Unterbringung der Frau in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Gewerkschaften klagen schon seit längerer Zeit über eine Zunahme von Attacken gegen Einsatzkräfte. Seit Mai 2017 werden Angriffe auf Polizisten, Rettungspersonal und Feuerwehrleute härter bestraft. Seither drohen für solche Attacken bis zu fünf Jahre Gefängnis.