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Ikke Hüftgold beim ESC-Vorentscheid dabei

Der neunte Startplatz für den deutschen ESC-Vorentscheid ist vergeben: an Ikke Hüftgold. Sollte er gewinnen, wäre Deutschland mal wieder mit einem Lied vertreten, das anders ist.

Ikke Hüftgold
Der Limburger Sänger Ikke Hüftgold alias Matthias Distel singt in seinem Studio. Foto: Thomas Frey
Der Limburger Sänger Ikke Hüftgold alias Matthias Distel singt in seinem Studio.
Foto: Thomas Frey

Mit einem nicht ganz ernst gemeinten Schlagerlied hat der Ballermann-Musiker Ikke Hüftgold das Rennen um das letzte Ticket für den Eurovision Song Contest-Vorentscheid für sich entschieden. Mit 52 Prozent der Stimmen hat die Tiktok-Community deutlich für den 46-Jährigen und seinen ESC-Beitrag »Lied mit gutem Text« abgestimmt. Der Produzent des Skandallieds »Layla« gehört damit zu den neun Musik-Acts, die für Deutschland zum ESC nach Liverpool fahren wollen.

Ikke Hüftgold, der mit bürgerlichem Namen Matthias Distel heißt, war von seinem Sieg am Freitagabend sichtlich überrascht. Zunächst fehlten ihm die Worte. Nach seinen ersten Ideen für die Vorbereitung auf die Entscheidungs-Show in Köln gefragt, sagte der Musiker schließlich: »Ich hab überhaupt gar keine Ahnung. Alles, was ich bisher in der Öffentlichkeit gesagt habe, war gelogen. Weil ich auch nicht gedacht habe, dass es funktioniert.« Er dankte zugleich allen, »die den Mut haben, mich so auf die Bühne zu schicken«.

Wenn schon untergehen, dann mit Humor

Ikke Hüftgold hatte sich mit einem durchaus selbstironischen Schlager-Video auf Tiktok für den ESC-Vorentschied beworben. Der Text ist eingängig. »Wir brauchen endlich mal ein Lied ohne Saufen, wir brauchen endlich mal ein Lied ohne Sex, wir brauchen endlich mal ein Lied ohne Drogen, endlich mal ein Lied mit gutem Text.« Nur um dann »La lalala lalalala, lalala« zu singen. Dabei saß er auf einem Stuhl, trug orangefarbene Gefängniskleidung sowie seine typische schwarzhaarige Perücke und war an Händen und Füßen mit Klebeband und Handschellen gefesselt. Eine Tiktok-Nutzerin schrieb unter dem Video: »Also wenn wir erneut untergehen sollten, dann wenigstens mit Humor.«

Zuletzt hatte das für Deutschland ganz gut funktioniert: 1998 war Guildo Horn mit seinem fröhlich-sympathischen Kuschellied »Guildo hat euch lieb« auf Platz 7 gelandet. Der Moderator, Musiker und Produzent Stefan Raab hatte es mit seinem Blödel-Quatsch-Song »Wadee hadde dudde da« 2000 sogar auf Platz 5 geschafft.

Ikke Hüftgold spaltet die Gemüter der ESC-Fans. Das zeigt sich schon in der Liveshow »Alles Eurovision« am Freitagabend. ARD-Moderatorin und ESC-Expertin Alina Stiegler zufolge sei das Lied von Ikke Hüftgold dennoch nicht mit dem von Guildo Horn vergleichbar. Obwohl beides Spaßlieder seien, hätten sie nicht den gleichen Vibe oder die gleiche Magie, sagte sie nach der Bekanntgabe. »Sie haben einfach unterschiedliche Magie-Ebenen.« Ihr Co-Moderator Stefan Spiegel ergänzte, dass Ikke Hüftgolds Lieder auch inhaltlich umstritten seien, das Genre Schlager an sich aber sehr relevant sei. Mit seiner Teilnahme mache Ikke Hüftgold den Vorentscheid kontroverser, spannender und interessanter. »Es ist eine sehr gute Ergänzung und macht diesen Vorentscheid jetzt richtig komplett.«

Am 3. März fällt die Entscheidung

Ikke Hüftgold wird mit seinem Lied gegen Will Church, Frida Gold, Patty Gurdy, Lord Of The Lost, René Miller, Anica Russo, Lonely Spring und TRONG antreten. Einer dieser Acts wird im Mai für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Liverpool starten. Wer das sein wird, entscheidet sich am 3. März (22.20 Uhr/Das Erste) in der Fernsehsendung »Eurovision Song Contest 2023 - Unser Lied für Liverpool«.

Erstmals in der deutschen Geschichte des ESC wurde einer der Startplätze für den Vorentscheid über das soziale Netzwerk Tiktok vergeben. Dort waren nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks (NDR) 912 Videos unter dem Hashtag #UnserLiedFürLiverpool hochgeladen worden. Der NDR ist federführend für den deutschen ESC-Beitrag zuständig. Sechs Acts schafften es in die Endauswahl. Über den noch offenen neunten Startplatz entschied schließlich die Tiktok-Community bis zum Freitagabend.

Nach NDR-Angaben waren innerhalb von acht Voting-Tagen mehr als 121.000 Stimmen abgegeben worden, die meisten davon für Ikke Hüftgold. Mit dessen Sieg ist auch Leslie Clio aus dem Rennen, die ebenfalls zu den bekannten Gesichtern des Wettbewerbs gehörte. Die Singer/Songwriter-Künstlerin (»I Couldn't Care Less«) war 2022 bei der Fernsehshow »The Masked Singer« im Kostüm der »Zahnfee« zu Gast. Im Rennen waren außerdem Betül, From Fall to Spring, Jona, Mitchy Katawazi mit André Katawazi und Nashup.

© dpa-infocom, dpa:230204-99-476181/5