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Aktuell Prozess

Falsche-Polizisten-Trick - Opfer fühlt sich »menschlich ruiniert«

Über Stunden war die Sinsheimerin von vermeintlichen Polizisten am Telefon in Angst und Schrecken versetzt worden - so dass sie den am Ende Schmuck und Wertsachen im Wert von rund 300 000 Euro aushändigte.

Prozess gegen falsche Polizisten
In Heidelberg beginnt ein Prozess wegen Betrugs mit der Masche »falscher Polizist«. Foto: Martin Gerten/Illustration
In Heidelberg beginnt ein Prozess wegen Betrugs mit der Masche »falscher Polizist«. Foto: Martin Gerten/Illustration

HEIDELBERG. Vor dem Landgericht Heidelberg schilderte die 64-Jährige am Mittwoch, wie sie im Februar dieses Jahres von zwei vermeintlichen Kommissaren mit Hinweisen auf einen bevorstehenden Einbruch bei ihr manipuliert worden sei.

Die Frau identifizierte den angeklagten 30-Jährigen im Gerichtssaal als den Mann, der von ihr schließlich in einer Plastiktüte die Wertsachen entgegen genommen hatte. »Ich bin wirklich sicher, dass er das ist.« Der Mann habe die gleichen »Schweinsäuglein« wie der Mann auf der Anklagebank gehabt. »Ich bin menschlich ruiniert«, sagte sie auf die Frage, wie es ihr nach der Tat gehe.

Der wegen Betrugs angeklagte Mann gab allerdings an, sich zur Tatzeit im westfälischen Hagen aufgehalten zu haben. Er soll laut Anklage in einer Gruppe mit weiteren Tätern als sogenannter Läufer fungiert haben - also als der, der die Beute abholte.

Zum Prozessauftakt sind zehn Zeugen geladen. Das Urteil wird am 22. November erwartet (Az. 1 KLs 430 Js 5973/18).

Der beschuldigte 30-Jährige in dem Fall, der vor dem Heidelberger Landgericht verhandelt wird, fungierte laut Anklage in einer Gruppe mit weiteren Tätern als sogenannter Läufer, also als der, der die Beute abholte. Vor dem Landgericht Tübingen startet an diesem Donnerstag ein ähnlicher Prozess.

Zuletzt warnte die Polizei in Baden-Württemberg in den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen wieder vor falschen Polizisten. Es gebe gerade eine neue Welle von Anrufen angeblicher Mitarbeiter örtlicher Polizeidienststellen. Eine spezielle Technik der oft vom Ausland aus agierenden Täter zeigt demnach auf der Telefonanzeige die Polizei-Notrufnummer 110 oder eine andere örtliche Telefonnummer, um die Anrufe authentischer wirken zu lassen.

Im Jahr 2017 registrierte das Landeskriminalamt in Baden-Württemberg 1955 derartige Fälle, davon 1843 erfolglose Versuche. Der Schaden belief sich auf 5,3 Millionen Euro. Im Jahr 2016 waren es noch 225 Fälle, davon 182 Versuche. Der Schaden lag bei knapp 1,4 Millionen Euro. (dpa)

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