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Englische Spielerfrauen streiten vor Gericht

Ihre Ehemänner sorgten nicht nur im Strafraum für Furore, nun geraten Rebekah Vardy und Coleen Rooney vor Gericht aneinander. Amüsiert betrachten die Menschen im Mutterland des Fußballs den Prozess der Spielerfrauen.

Coleen Rooney & Rebekah Vardy
Coleen Rooney (l) und Rebekah Vardy liegen vor Gericht im Clinch. Foto: Danny Lawson
Coleen Rooney (l) und Rebekah Vardy liegen vor Gericht im Clinch.
Foto: Danny Lawson

Verrat, Fußball, Klatsch: Der »Krieg der Spielerfrauen« zwischen Rebekah Vardy und Coleen Rooney bietet so gut wie alles, was in Großbritannien für Aufsehen sorgt.

Was als Ärger zwischen zwei mehr oder minder bekannten Prominenten in sozialen Netzwerken begann, hat ernste Folgen. Seit Dienstag stehen sich die einstigen Freundinnen vor Gericht gegenüber.

Kurz gesagt geht der Fall so: Die Ehefrau des englischen Ex-Nationalstürmers Wayne Rooney hatte die Gattin des englischen Ex-Nationalstürmers Jamie Vardy öffentlich beschuldigt, sie habe private Informationen an die Boulevardzeitung »The Sun« durchgestochen. Daraufhin verklagte Vardy Rooney wegen Verleumdung.

Die Spielerfrau als Hobby-Detektivin

Für Aufsehen sorgen nicht nur die Beteiligten, sondern vor allem die Umstände. Mit geradezu kriminalistischem Spürsinn hat Rooney den Fall - aus ihrer Sicht - geklärt. Ihr Vorgehen brachte der 36-Jährigen einen neuen Spitznamen ein: Medien ernannten die wohl berühmteste Vertreterin der »Wags« - wie Spielerfrauen in England nach der Abkürzung für »wives and girlfriends« genannt werden - zu »Wagatha Christie«, nach der berühmten Krimi-Autorin Agatha Christie.

Die Bombe platzte am 9. Oktober 2019. In einem Social-Media-Beitrag beschrieb Rooney, wie sie schon lange das Gefühl gehabt habe, jemand aus ihrem Freundeskreis gebe private Geschichten an die »Sun« weiter. Dazu ist wichtig zu wissen, dass die viermalige Mutter - wie es viele mehr oder minder prominente Menschen tun - auch einen privaten Account hat in sozialen Netzwerken wie Instagram, bei dem sie selbst entscheidet, wer ihre Beiträge sehen kann. Aus diesem Kreis, so Rooneys Verdacht, stammt auch der Maulwurf.

Zur Überprüfung habe sie alle Abonnenten blockiert, bis auf einen. Sodann habe sie erfundene Geschichten in ihren privaten Instagram-Storys gepostet - alle seien von der »Sun« aufgegriffen worden. Daher wisse sie mit Sicherheit, wer dahinter stecke, schrieb Rooney, um dann mit dramatischen Satzzeichen die Pointe zu setzen: »Es war .......... Rebekah Vardys Account.«

Ein zerbrochenes Herz-Emoji

Die Beschuldigte, damals schwanger, konterte - natürlich - ebenfalls über Social Media. Sie sei schwer enttäuscht von Rooney. »Ich habe Dich echt gemocht, Coleen, und ich bin sehr traurig, dass Du Dich entschieden hast, dies zu tun, vor allem wenn ich hochschwanger bin«, schrieb die heute 40-jährige Vardy prompt. »Ich bin angewidert, dass ich das überhaupt abstreiten muss.« Instagram-gerecht beendete sie ihren Post mit einem zerbrochenen Herz-Emoji - und reichte Klage ein.

Der Ball liegt nun auf der Seite von Rooney. Denn das englische Verleumdungsgesetz sieht vor, dass die Beklagte ihre Vorwürfe beweisen muss. Zum Prozessauftakt am Dienstag betont Vardys Anwalt Hugh Tomlinson, Rooney habe keine Beweise für ihre Behauptungen. Es sei bekannt, dass andere Menschen wie PR-Profis Zugang auch zu privaten Accounts hätten.

Und hier könnte die Lösung des Falls liegen. Denn Rooneys Anwalt David Sherborne sieht mittlerweile Anzeichen, dass letztlich Vardys PR-Agentin die Hauptschuldige sein könnte. Nun stelle sich aber die Frage, so Sherborne, ob Vardy sie beauftragt hatte, die Nachrichten durchzustechen oder ob die Agentin aus eigenen Stücken gehandelt und ihre Klientin belogen habe. Die Ermittlungen werden kompliziert: Die Frau ist langfristig krank geschrieben und fehlt vor Gericht. Ein wichtiges Beweisstück, ihr Handy mit Chatverläufen, ist verschwunden - es fiel ihr angeblich aus Versehen in die Nordsee.

Die prominenten Ehemänner halten sich bisher weitgehend aus dem Spiel. Dabei sind eigentlich die beiden Starstürmer eine stete Quelle für Skandale. So spielte Jamie Vardy (35), der einen kometenhaften Aufstieg aus den unteren Ligen bis zur Sensationsmeisterschaft mit Leicester City und ins Nationalteam erlebte, als Amateurkicker einst mit elektronischer Fußfessel - wegen Körperverletzung.

Wayne Rooney (36), der seine Ehefrau vor Gericht begleitet, gilt in der jüngeren Geschichte sogar als »Enfant terrible« des englischen Fußballs. Immer wieder fiel der Rekordtorschütze der »Three Lions« mit Alkoholexzessen und außerehelichen Affären auf. Auch als Trainer des mittlerweile abgestiegenen Zweitligisten Derby County tauchte er regelmäßig in der »Yellow Press« auf. Coleen Rooney, mit der er seit der Schule liiert ist, spielte stets eine Nebenrolle als betrogene Ehefrau, die letztlich doch ihrem berühmten Gatten die Treue hielt. Diesmal aber scheint das Flutlicht der Öffentlichkeit auf sie selbst.

© dpa-infocom, dpa:220510-99-225883/4